Schloss Martfeld

Fehlverhalten gefährdet die Gräfte in Schwelm

Nicht zu übersehen, leicht verständlich und sehr informativ: Und doch werden die Hinweisschilder an der Gräfte nach Beobachtung der Umweltschützer schlicht ignoriert.

Nicht zu übersehen, leicht verständlich und sehr informativ: Und doch werden die Hinweisschilder an der Gräfte nach Beobachtung der Umweltschützer schlicht ignoriert.

Foto: Andreas Gruber

Schwelm.   Die Fütterung von Tieren ist eines der Hauptprobleme, warum die Gräfte am Schloss Martfeld permanent bedroht ist.

Auch die Natur um Schloss Martfeld hält viele historische Besonderheiten bereit und zeugt noch heute von der geschichtlichen Entwicklung des besonderen Standorts. Aus diesem Anlass widmete sich die beliebte Lesereihe „Altes neu entdecken“ bereits zum zweiten Mal einem biologisch-historischen Vortrag, der immerhin 35 Zuhörer anlockte.

Die Wilhelm-Erfurt-Stiftung und der Verein für Heimatkunde hatten dazu eingeladen. Als Redner konnte auf Initiative von Heimatkunde-Vereinsvorsitzende Anne Peter Umweltschützer Michael Treimer gewonnen werden, der die Gäste auf einen spannenden Geschichtsausflug durch den Martfeld-Park mitnahm und dabei so manch ein Umweltproblem entlarvte.

Nur noch zur Hälfte vorhanden

Der umtriebige AGU-Vorsitzende verriet den Zuhörern, dass es sich beim Schlosstor zu Zeiten des einstigen landschaftlichen Betriebs um den einzigen Zugang gehandelt habe, weil der Hof damals noch komplett durch den Wassergraben umgeben gewesen sei.

Dass die Martfeld-Gräfte inzwischen nur noch zur Hälfte vorhanden sei und ein Zuflussbach im Zuge des Baus der Eisenbahnlinie beseitigt worden war, beschränke den Wasseraustausch stark und habe die Wasserqualität stark beeinträchtigt. Ebenso die viel zu hohe Population an Wassertieren, Tauben und Ratten.

Während das schutzbedürftige Gewässer eigentlich nur jeweils zwei Enten und zwei Wasserhühner vertragen würde, sei es inzwischen Heimat für bis zu 30 Enten und fünf Wasserhühner. „Das ist entschieden zu viel. Durch die Exkremente der Tiere wird das Gewässer völlig überdüngt“, erklärte Treimer und sprach die Fütterung der Tiere als eines der Hauptprobleme an. „Wir versuchen das Gewässer schon seit einigen Jahren wieder in einen einigermaßen akzeptablen Zustand zu bekommen und sind froh, dass uns inzwischen auch das Gymnasium tatkräftig dabei unterstützt“, hob der Umweltschützer hervor, mahnte jedoch, dass die Hinweisschilder zum Fütterungsverbot zwar „hochqualifizierte Informationstexte“ enthalten, jedoch schlichtweg nicht gelesen würden. Nun wolle das Gymnasium eine entsprechende Flyerkampagne starten und Martfeld-Besucher zukünftig persönlich ansprechen.

Regelmäßige Sauerstoffzufuhr nötig

Um dem gestörten Gleichgewicht der Natur zu begegnen und die Wasserqualität zu verbessern, habe man schon viel versucht, so der Referent. So hätten jedoch weder die Pflanzenansiedlung von Kalmus, Krebsschere noch Seerosen eine Verbesserung mit sich gebracht, weil sie innerhalb kürzester Zeit aufgefressen würden.

Einziges nachhaltiges Hilfsmittel, um die Algenbildung auszubremsen, sei eine regelmäßige Sauerstoffzufuhr der Gräfte. Die gibt es bereits an einer Stelle und ist in einem weiteren Bereich geplant, doch sei dies mit besonders hohen Kosten verbunden. Eine komplette Zuschüttung des Gewässers käme indes keinesfalls in Frage, weil eine Trockenlegung die Zerstörung der das Gebäude tragenden Holzpflöcke zur Folge hätte, mahnte Treimer.

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