Ennepetal

Falkner fängt Riesenseeadler nahe der Ennepetalsperre ein

Ennepetal.   Der Ennepetaler Falkner Olaf Brese fing in Radevormwald, nahe der Ennepetalsperre, einen Riesenseeadler ein.

Wenn „Hope“ mit aller Kraft zupacke, dann fühle es sich an, als würde die Hand im Schraubstock stecken, meint Olaf Brese. Der Ennepetaler ist ausgebildeter Falkner und machte am Wochenende in der Ortschaft Finkensiepen in Radevormwald, unweit der Ennepetalsperre, einen seltenen Fang. Bei „Hope“ handelt es sich um ein Riesenseeadler-Weibchen. Der wahrhaft riesige Vogel war einem Falkner in Remscheid acht Tage zuvor entflogen.

Olaf Brese, der auch Jäger ist und desen Revier in Radevormwald-Hinüber an die Ennepetalsperre angrenzt, hatte am Samstag einen Anruf von einem Landwirt im Finkensiepen erhalten. Ein großer Vogel säße dort schon seit Stunden im Schnee. Brese, der bereits viele, zum Teil auch verletzte, Greifvögel rettete, fuhr los, um sich um den Vogel zu kümmern. Er habe an einen Bussard gedacht, berichtet der Falkner.

In Russland beheimateter Vogel

Doch was er dann sah, war um einiges größer als jeder Bussard: Im Schnee hockte ein Kamtschatka-Riesenseeadler. Die Art ist ursprünglich in Russland beheimatet und zählt neben der südamerikanischen Harpiye zu den größten Adlern der Welt. Die Tiere erreichen eine Spannweite von 2,30 bis 2,70 Meter, werden 85 bis 100 Zentimeter groß und wiegen 6,8 bis 9 Kilogramm. Weltweit gibt es noch etwa 7500 Tiere, von denen der größte teil auf der Halbinsel Kamtschatka lebt.

Mit Futter lockte der Experte den unglaublich beeindruckenden Adler an. „Er kam direkt auf den Arm“, berichtet Brese. Wie sich später herausstellte, hatte das Tier, das im Raum Radevormwald/Ennepetal/Schwelm umherflog, acht Tage lang kein Futter bekommen. Anhand eines Rings konnte der Falkner aus Ennepetal den Besitzer ausfindig machen. Es stellte sich heraus, dass das Riesenseeadler-Weibchen den Namen „Hope“ trägt, vier Jahre alt ist und eine Woche zuvor aus der Falknerei Schossow in Remscheid ausgebüxt war.

Schon mehrere Adler eingefangen

Olaf Brese nahm den Adler auf die Faust, packte ihn in sein Auto und brachte ihn zu seiner Falknerei in Ennepetal. Dort angekommen habe das ausgehungerte Tier erst einmal zehn tote Küken verspeist. Der Falkner erklärte, dass eine solche Fangaktion nicht ganz ungefährlich sei, denn mit dem enorm kräftigen Schnabel könne ihm ein Riesenseeadler ohne Probleme ein Loch in den Kopf hacken.

Inzwischen übergab Olaf Brese „Hope“ wieder an ihren Besitzer.

Der Riesenseeadler ist übrigens bereits der dritte Adler, den Olaf Brese einfing. Vor fünf Jahren hatte er einen verunglückten Fischadler, der am Straßenrand saß, eingefangen und wieder aufgepäppelt. Das Tier war auf dem Rückweg aus dem Winterquartier zur Mecklenburgischen Seenplatte. Nach zehn Tagen entließ Brese den nicht ganz so großen Adler in die Freiheit, in der Hoffnung, dass er sein Brutgebiet noch rechtzeitig erreicht.

Auch Weißkofseeadler gerettet

Auch einen jungen Weißkopfseeadler musste der Falkner aus Ennepetal schon retten. Dieser Vogel war aus einer Falknerei in der Nähe von Trier entflogen und konnte später ebenfalls von den Besitzern abgeholt werden.

„Fisch- und Seeadler machen futterbedingt an großen Seen wie der Ennepetalsperre Halt“, erklärt Olaf Brese. Dass sich die beiden Seeadler aus den Falknereien dort herumtrieben, halte er aber für Zufall. Solche Vögel seien normalerweise nicht in der Lage, sich selbst zu ernähren. Der Fischadler hingegen als Wildvogel schon.

INFO:

Wer Interesse hat kann „Hope“ und viele andere Greifvögel hautnah mit fachkundigen Erläuterungen und bei beeindruckenden Flugmanövern in der Falknerei Bergisch Land, Grüne 1, in Remscheid erleben.

Ab Samstag, 24. März, bietet die Falknerei, die Falkner Carsten Schossow betreibt, je nach Wetterlage immer samstags und dienstags um 15 Uhr sowie sonn- und feiertags um 11 und 15 Uhr Flugvorführungen. Geöffnet ist jeweils eine halbe Stunde vor der Show.

Falkner Olaf Brese weist darauf hin, dass bei Fundvögeln wichtig sei, dass sie schnellstmöglich in fachkundige Hände gelangen. Ansprechpartner seien der örtliche Falkner, Tierärzte und die Untere Landschaftsbehörde beim Ennepe-Ruhr-Kreis.

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