Kultur

„Erzähltheater“ von und mit Schwelmer Autorin Judith Kuckart

Bildunterschriften Christel und Klaus Buerdorff werden ihre „Schatzkiste“ mit vielen Fotos mitbringen. Hans Dieter Knebel und Bernd Oesterling trafen sich vor der Gaststätte „Zur Oberstadt“. In der ältesten Gaststätte Schwelms wird auch eine Szene des Stücks spielen.

Bildunterschriften Christel und Klaus Buerdorff werden ihre „Schatzkiste“ mit vielen Fotos mitbringen. Hans Dieter Knebel und Bernd Oesterling trafen sich vor der Gaststätte „Zur Oberstadt“. In der ältesten Gaststätte Schwelms wird auch eine Szene des Stücks spielen.

Foto: Privat

Schwelm.  Judith Kuckart hat eigens für Schwelm ein Erzähltheater zum Thema Heimat geschrieben. Samstag ist Generalprobe, Sonntag wird es aufgeführt.

„Theater für alle, die Heimatexperten sind oder es noch werden wollen“, so lautet der Untertitel des Stücks, das die Schriftstellerin Judith Kuckart eigens für Schwelm geschrieben hat. Es geht um Heimat, es geht um Schwelm und etliche „Heimatexperten“ werden bei diesem Stück mitwirken. Das alles ist in Schwelm zu erleben am 14. Juli.

Mit zwei Schauspielern und der Autorin beginnt das Stück in der Kölner Straße vor der Metzgerei Nowak, die seit über 25 Jahren keine Metzgerei mehr ist, aber doch so aussieht. Hans Dieter Knebel, Caroline Knebel und Judith Kuckart wurden alle drei in Schwelm geboren. Sie sprechen die Texte, in denen es vor allem um das Thema Heimat und um Schwelm geht.

Straßenkünstler und Musiker

Dazu kommen ein Straßenkünstler und eine Musikerin, die die Zuschauer auf dem Weg begleiten. Dieser Weg führt durch die Kölner Straße und die Hauptstraße ins Rathaus. Dort im Sitzungssaal sitzen weitere Heimatexperten. Im dritten Teil des Stücks werden die „Experten“ auf dem Flur präsentieren, was „Heimat“ für sie bedeuten kann.

Zwei der Heimatexperten sind Christel und Klaus Buerdorff. „Die Spiegel dahinten an der Wand, die sind noch erhalten“, im großen Wohnraum, der einst der Ballettsaal ihrer Schule war, erinnert sich Christel Buerdorff (83) gern an ihre Arbeit mit ihren Ballettkindern. Vier Jahrzehnte lang hat die gebürtige Wuppertalerin in ihrer Wahlheimat Schwelm Kinder in die Welt des klassischen Balletts eingeführt und sie ausgebildet. Ballettschule und Galerie Buerdorff hatten und haben einen guten Klang in der Kreisstadt. Die wurde für ihren Mann Klaus (85), der aus Breslau stammt, ebenfalls zu „seiner Heimat“. Wenn sich die Buerdorffs in ihrer großen Fotokiste sozusagen auf Spurensuche begeben, tauchen viele Erinnerungen auf. Alle Namen hat Christel Buerdorff noch parat. Sie weiß auch von Schülerinnen zu berichten, die ihren Weg zur Solokarriere geschafft haben. Ihre Augen strahlen, wenn sie berichtet, dass sie sogar in Venedig per Zufall von einer Ehemaligen angesprochen wurde. In Schwelm passiert ihr das häufiger: „Das macht mich froh und glücklich!“ Jetzt hofft sie, dass auch bei den Aufführungen am 14. Juli solche Begegnungen stattfinden werden. Und als sie das sagt, zieht sie ein Foto aus der großen „Schatztruhe“: Es zeigt die junge Judith Kuckart als Ballettschülerin bei Christel Buerdorff.

Ein weiterer „Heimatexperte“ ist Bernd Oesterling, langjähriger Redaktionschef der Westfälischen Rundschau in Schwelm. „Ich finde das Projekt hochinteressant und spannend“, sagt er. „Der Begriff ,Heimat’ wird oft unbewusst verwendet. Hier werden wir uns intensiv und sehr bewusst mit Heimat beschäftigen.“ Heimat hat für Oesterling viel mit Kindheitserinnerungen zu tun, aber auch mit Sprache. „Eck küer en bietken op Platt“, kündigt er seine Rolle als Heimatexperte an.

„Sprache bedeutet für mich Heimat“, sagt auch Hans Dieter Knebel, der seit 32 Jahren am Wiener Burgtheater als Schauspieler tätig ist. „Wie ich mit Menschen ins Gespräch komme, das hat viel mit Heimat zu tun. Hier in Schwelm habe ich direkt einen Zugang, hier fühle ich mich sofort zu Hause.“

Knebel findet die Idee richtig klasse, ein Stück über Heimat in und für Schwelm zu gestalten. Besonders interessant findet er die Zusammenarbeit mit der Schriftstellerin, mit einer Musikerin und einem Straßenkünstler. „Es wird sicherlich spannend, wenn wir mit diesen verschiedenen Genres zusammen spielen.“

Die Schauspielerin Caroline Knebel hat mehrere „Heimaten“: Schwelm ist ihr Geburtsort. Aufgewachsen ist sie in Wien und Laab im Walde in Österreich. Dort leben ihre Eltern und die jüngere Schwester mit Familie heute noch.

Schwelm und Gevelsberg, die Gegend, in die sie nach knapp 30 Jahren zurückgekehrt ist, nennt sie Heimat, weil sie da mit ihrer eigenen kleinen Familie lebt, mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern. „Das Stück ist so spannend und vielschichtig“, sagt Caroline Knebel, „weil es zeigt, dass der Begriff ,Heimat’ unglaublich viel beinhaltet. Heimat ist nicht unbedingt ein bestimmter Ort oder gar die Stadt, in der man geboren wurde, sondern vielmehr ein Gefühl, das sich unter Umständen verändern kann. Für mich ist Heimat in allererster Linie der Ort, an dem sich geliebte Menschen befinden. Und weil ,Heimat’ vor allem auch Menschen für mich sind, bin ich ganz besonders glücklich mit meinem Vater dieses Projekt zu machen. Das ist einfach nur schön, da wir uns ja auch nicht so oft sehen und ich ihn als Mensch so wie auch als Schauspieler einfach großartig finde.“

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