In Gevelsberg

Erste mobile Friseurmeisterin in NRW feiert Jubiläum

Trendsetterin Lina Salvatore war die erste mobile Friseurmeisterin in NRW. Vor 20 Jahren entdeckte die in Gevelsberg aufgewachsene Frau eine Marktlücke: den mobilen Salon.

Foto: Jürgen Overkott

Trendsetterin Lina Salvatore war die erste mobile Friseurmeisterin in NRW. Vor 20 Jahren entdeckte die in Gevelsberg aufgewachsene Frau eine Marktlücke: den mobilen Salon.

Schwelm/Gevelsberg.   Lina Salvatore hat vor 20 Jahren eine Marktlücke in Nordrhein-Westfalen entdeckt. Die Schwelmerin setzte ihren Friseur-Salon auf Räder.

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Lina Salvatore hat eine Marktlücke entdeckt. Sie setzte ihren Friseur-Salon auf Räder. Das war vor 20 Jahren. Inzwischen bietet ihr Unternehmen „Lina on tour“ mehr als schicke Frisuren. Die neuen Spezialgebiete der Friseurmeisterin sind Hochzeiten und Kosmetik-Workshop. Mit der Schwelmerin, die in Gevelsberg aufgewachsen ist, sprach Jürgen Overkott.

Mobile Friseurmeisterin Lina Salvatore

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Mobile Friseurmeisterin Lina Salvatore

Ihr Unternehmen heißt „Lina on tour“. Wie viele Kilometer haben Sie heute ‘runtergeschrubbt?

Lina Salvatore: Heute nicht ganz so viele. 30 Kilometer, glaube ich. Alle Fahrten waren in der City. Heute war es ganz entspannt zu arbeiten.

Normalerweise ist der Aktionsradius deutlich größer.

Jenseits des EN-Bereichs geht es auch schon mal nach Bochum, Wuppertal, Düsseldorf, manchmal sogar nach Köln und Münster.

Ich vermute, ein guter Teil der Kundschaft gehört zu den älteren Semestern. Gibt es auch jüngere Leute, die sagen: „Lina, komm!“?

Für junge Mütter, die gerade ihre Babys bekommen haben, ist das entspannter, sich zuhause stylen zu lassen. Letztlich biete ich das Gleiche an, was man im Salon bekommt. Die jungen Mütter können zwischendurch mal stillen oder ihre Kinder wickeln.

Tupper-Partys daheim erfreuen sich großer Beliebtheit. Gibt es inzwischen auch Lina-Partys?

Das hat es bisher noch nicht gegeben, aber wer weiß (lacht). Na ja, manchmal ist es schon so, dass eine Nachbarin spontan dazu kommt und mich fragt, ob ich ihr nicht auch schnell die Haare machen kann. Auf jeden Fall gebe ich Kosmetik-Workshops. Man kann sie für sich selbst buchen, man kann sie aber auch für eine Gruppe von – sagen wir – fünf, sechs, sieben, acht Mädels buchen.

Buchen klingt nach durchgetaktetem Arbeitstag.

Weil man a) zu viele Lücken hätte (mit Leerlauf kann ich nicht umgehen) und b) weil man sich durch gute Planung erspart, dieselben Wege durch die Städte doppelt und dreifach zu machen. Klar, wenn eine Kundin krank wird, kann es schon sein, dass man zweimal nach Ennepetal oder Gevelsberg fahren muss.

Gibt es Tageszeiten, wo Sie der Straßenverkehr nervös macht?

Klar, in der Rush-Hour (lacht) – vor allem wenn es knapp wird, weil die Beratung länger gedauert hat. Und wenn dann noch ein Opa vor mir langsam fährt, kann es sein, dass ich nervös werde.

Ich bin aber sicher, dass Sie in der Region alle Schleichwege kennen.

Das muss man auch, sonst kommt man ja nie ans Ziel.

Staus können nerven. Können Sie Stress wegatmen?

Kommt drauf an. Meistens sage ich mir, ich kann die Situation jetzt nicht ändern. Das ist dann höhere Gewalt.

Stichwort: höhere Gewalt. Welche höhere Macht hat Sie vor 20 Jahren auf die Idee gebracht, einen mobilen Salon zu gründen?

Ich habe vorher zehn Jahre lang in einem Salon gearbeitet. Ich habe viele Probleme gehört – beispielsweise von der älteren Generation, die nicht mehr gut zu Fuß ist, oder von hochschwangeren Frauen, denen es schwer fiel, in den Laden zu kommen. Oder nehmen wir Berufstätige, die oft dann Zeit haben, wenn der Laden geschlossen ist. Oder es gibt ja auch besondere Anlässe – Jubiläen oder Familienfeiern -, zu denen damals niemand rausgefahren ist. Ich habe mir diese Punkte dann mal aufgeschrieben und mich bei der Handwerkskammer Dortmund schlau gemacht.

Wie lautete der Rat?

Ein mobiler Salon ist möglich, wenn man den Meisterbrief hat. Ich habe dann die Pros und Contras abgewogen und dann am Ende gesagt: Das ist zu machen.

Sie haben an sich geglaubt. Wer noch?

Meine Familie, auf jeden Fall. Dafür bin ich unendlich dankbar, meinen Eltern und meinem Kind.

Gab es auch Zweifel?

Oh ja. Kommt genügend Geld rein? Halte ich durch? Kann ich diesen Weg lange gehen?

Wann hatten Sie das Gefühl, jetzt habe ich’s geschafft?

Für mich war das erste Jahr wichtig. Für mich war es wichtig, auf Dauer finanziell unabhängig zu sein von der Unterstützung durch Andere. Aber ich habe nie gezweifelt, dass meine Entscheidung richtig war.

Und beim Hochzeitsservice war es vermutlich genauso. Was hat den Anstoß gegeben?

Ich habe immer schon Stylings für Hochzeitsfrisuren gemacht. Irgendwann habe ich gesehen, dass es Fachmessen dafür gab. Ich habe mich dafür interessiert, auch wenn es mit viel Aufwand verbunden ist. Aber ich bin immer gern am Ball geblieben und habe meine Fortbildungen gemacht, vor kurzem erst in Hamburg mit der australischen Top-Stylistin Sharon Blain. Das Schöne ist ja: Man entdeckt in unserem Beruf täglich was Neues. Unser Beruf ist so kreativ, wir haben unendlich viele Möglichkeiten.

Sie sind ein neugieriger Mensch.

Nicht nur das. Ich mag keinen Stillstand. Wenn ich könnte, würde ich sogar noch mehr machen.

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