Büttenberg

Ennepetal: Zeitzeugnis auf dem Prüfstand

Luftaufnahme von Büttenberg: Der B-Plan-Bereich, um den es geht, befindet sich oberhalb des Grüngürtels.

Luftaufnahme von Büttenberg: Der B-Plan-Bereich, um den es geht, befindet sich oberhalb des Grüngürtels.

Foto: Hans Blossey

Ennepetal.  Verwaltung setzt sich mit Neuaufstellung des B-Plans „Am Büttenberg“ auseinander. Auslöser ist ein Anwohner, der einen Windfang errichten möchte.

Der älteste Bebauungsplan der Stadt Ennepetal soll auf den Prüfstand gestellt werden. Der Ausschuss für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung beauftragte die Verwaltung, Überlegungen hinsichtlich einer Neuaufstellung – gegebenenfalls auch in Abschnitte aufgeteilt – für den Bebauungsplan Nr. 1 „Am Büttenberg“ anzustellen. Auf Grundlage der Ergebnisse will die Politik dann entscheiden, ob das Gebiet tatsächlich grundlegend überplant werden soll.

Auslöser der Diskussion über das Thema ist der Antrag auf Änderung des Bebauungsplans eines Anwohners, der an seinem Flachdach-Reihenhaus an der Büttenberger Straße einen Windfang errichten möchte. Der Windfang solle insbesondere als Energieeinsparmaßnahme dienen, hieß es zur Begründung. Die Festsetzungen des Bebauungsplans lassen einen solchen Anbau jedoch nicht zu. Der Antragsteller hatte auch Unterschriften von etwa 20 weiteren Anwohnern beigefügt, die sich ebenfalls für eine Aufhebung der Baulinien aussprachen.

Spiegelt zeitliche Epoche wieder

Die Verwaltung sprach sich in der April-Sitzung des Ausschusses dafür aus, den Antrag abzulehnen. „Der Gebietscharakter und die klare Formensprache der Siedlung ,Am Büttenberg’ spiegelt die zeitliche Epoche auch heute noch in großen Teilen wieder“, hieß es im entsprechenden Beschlussvorschlag.

Allerdings wurde auch darauf hingewiesen, dass die Festsetzungen des Bebauungsplans aus dem Jahr 1962, der im übrigen bereits mehrfach geändert wurde, den mit der Zeit gewachsenen Ansprüchen der Bewohner nicht mehr entspreche. So gebe es grundsätzlich keine Erweiterungsmöglichkeiten der Reihenhausbebauung, die Stichstraßen seien zu eng bemessen und die Parkplatzsituation sei problematisch. Aufgrund der Gesamtsituation hatte die Verwaltung schließlich angeregt, den Antrag zum Anlass für die Überlegung zu nehmen, ob grundsätzlicher Handlungsbedarf für das Gebiet besteht. Die Politiker nahmen diese Anregung auf.

Ortstermin

Bei einem Ortstermin ließen sich Mitglieder des Ausschusses nun vom Antragsteller sowie den Mitarbeitern der Verwaltung zunächst das konkrete Vorhaben erläutern, bevor sie den näheren Siedlungsbereich in Augenschein nahmen. Stadtplaner Ulrich Höhl erklärte in der anschließenden Diskussion im Ausschuss, dass es in dem Bereich eine klare städtebauliche Struktur gebe, die prägend für die Bebauung sei. Der Bebauungsplan setze Baulinien fest, die auch so umgesetzt und heute noch zu sehen seien.

Grundsätzlich stelle sich die Frage: „Wie viel ist mir das wert?“. Es handele sich bei dem Gebiet um ein Zeitzeugnis, dass mit einer Änderung aufgebrochen werde. „Der eine möchte einen Windfang errichten, der andere ein Pultdach“, so Höhl. Auf der anderen Seite seien auch die energetischen Belange zu berücksichtigen.

„Den einheitlichen Charakter kann man nur noch bedingt erkennen“, meinte Elmar Herrmann (SPD) und verwies auf unterschiedliche Einfriedungen, Begrünungen und Anbauten. Es handele sich um den ältesten Bebauungsplan der Stadt, der mehrfach geändert worden sei. „Wir sehen die Notwendigkeit, diesen auf den Prüfstand zu stellen und den Gegebenheiten und Anforderungen von heute anzupassen.“ Herrmann regte an, dass die Verwaltung bis zu den anstehenden Haushaltsplan-Beratungen diese Grundüberlegungen genauer auszuarbeiten. Dabei sollten nicht zuletzt auch die Parksituation sowie die Themen Energetik und Elektromobilität berücksichtigt werden.

Einheitlichkeit nicht mehr gegeben

Thomas Braun (FDP) sah ebenfalls die Einheitlichkeit als nicht mehr gegeben an. Seiner Meinung nach sei auch eine Genehmigung des Einzelfalls möglich, wenn man Größe und Form für den Windfang vorgebe. Gleichwohl sei es sinnvoll, den Bebauungsplan für das ganze große Gebiet zu betrachten. Stephan Langhard, Leiter des Fachbereichs Bürgerdienste und Stadtentwicklung, riet davon ab, im Vorgriff eines möglichen Bebauungsplanverfahrens eine Einzelfallentscheidung zu treffen. Elmar Herrmann hielt dagegen, dass man den Anbau ruhig zulassen könne, wenn er nicht zu groß werde. Das betreffende Haus sei weit genug weg von der Straße. „Es wäre sonst schade für den Bürger, wenn er den Stein ins Rollen gebracht hat, dann Jahre warten zu müssen“, so Herrmann.

Letztlich verständigte sich der Ausschuss darauf, zunächst keinen Beschluss für den Einzelfall zu treffen. Zu den Haushaltsplanberatungen solle die Stadt konkretere Überlegungen ausarbeiten. Der Ausschussvorsitzende Theo Bicking bat darum, bei der Betrachtung eines neuen Bauleitplanverfahrens auch eine Segmentierung in Betracht zu ziehen, sprich: das Gebiet in Abschnitten zu betrachten.

Stephan Langhard erklärte, dass man im Zuge einer Neuaufstellung des Bebauungsplans zunächst einmal mit den Menschen vor Ort sprechen wolle, um zu erfahren, was überhaupt gewünscht wird.

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