Gleichstellungsbeauftragte

Ennepetal: Sabine Hofmann geht in Ruhestand und zieht Bilanz

Sabine Hofmann an ihrem Arbeitsplatz im Rathaus. Ende Oktober wird sie nach acht Jahren im Dienst der Stadt den Schreibtisch räumen.

Sabine Hofmann an ihrem Arbeitsplatz im Rathaus. Ende Oktober wird sie nach acht Jahren im Dienst der Stadt den Schreibtisch räumen.

Foto: Hartmut Breyer / WP

Ennepetal.  Ende Oktober geht die Gleichstellungs-, Ehrenamts- und Seniorenbeauftragte Sabine Hofmann in den Ruhestand. Im Interview zieht sie Bilanz.

Sie kümmert sich seit Jahren im Rathaus um die Themen Gleichstellung, Ehrenamt und Senioren. Ende Oktober tritt Sabine Hofmann in die Freistellungsphase ihrer Altersteilzeit ein. Im Gespräch zieht die 61-Jährige eine Bilanz ihres Wirkens, erinnert sich an erfreuliche Ergebnisse, aber auch an weniger angenehme Momente ihrer Arbeit und blickt in ihre persönliche Zukunft.

Frau Hofmann, Sie haben Ihr Amt nicht ganz acht Jahre lang ausgeübt, hinterlassen nach dieser gar nicht so langen Zeit trotzdem sehr große Fußstapfen. Worauf sind Sie besonders stolz?

Sabine Hofmann: Ich freue mich darüber, dass viele Frauen sich auf den Weg gemacht und besondere Sachen gestaltet haben, wie die Ausstellung des Frauennetzwerkes „1945 – 2015 Flucht und Vertreibung gestern und heute“ oder den Film „Zeitzeuginnen“, bei dem eine Reihe von Frauen vor die Kamera getreten ist. Auch über die große Resonanz bei der Gestaltung des Kochbuchs „Was war in den Henkelmännern?“, zu dem viele Frauen Rezepte beigetragen haben, hat mich sehr gefreut. Und gerade erst haben wir die Dauerausstellung „Iämpeströäter Frulüü“ zum Thema „Frauen im Industriezeitalter“ im Industrie-Museum eröffnet. Auch wenn wir Lesungen oder früher im Bahnhof Veranstaltungen zur Walpurgisnacht veranstaltet haben, haben mir immer viele Helferinnen zur Seite gestanden.

Und worüber ärgern Sie sich am meisten?

Ärgern würde ich nicht sagen. Viele denken, weil sie mich fröhlich lächelnd auf Bühnen sehen, dass alles in diesem Beruf schön ist. Aber in meinem Arbeitsbereich spielt sich auch viel hinter verschlossenen Türen ab. Da geht es um Gleichstellungsfragen hier im Rathaus, um Vorstellungsgespräche, um die Beratung von Kolleginnen und natürlich von Bürgerinnen. Das sind ganz andere Themen, das ist weniger mit lächeln verbunden, mir aber immer sehr wichtig gewesen.

Ist Ennepetal denn – im Rathaus, aber auch gesamtgesellschaftlich gesehen – in Sachen Gleichstellung weitergekommen?

Die Aufgabe ist jedenfalls weit davon entfernt, überflüssig zu werden. Im Gleichstellungsplan der Stadt ist schon zu erkennen, dass es Verbesserungen gibt – und nicht nur, weil wir jetzt eine Bürgermeisterin haben. Grundsätzlich glaube ich, dass es in der Verwaltung ein größeres Bewusstsein für das Thema gibt. Beispielsweise haben wir ein Gewaltschutzkonzept erarbeitet, das besonders für die Flüchtlingsunterkünfte wichtig ist. Wir sind dem Pakt „Pflege und Beruf“ beigetreten, wobei ja meistens Frauen die Unterstützung bekommen. Außerdem ist der Runde Tisch gegen Gewalt gegen Frauen sehr aktiv. Der Bunte Salon, der von den Gleichstellungsbeauftragten der Südkreisstädte und der VHS Ennepe-Ruhr-Süd veranstaltet wird, befasst sich mit der Gleichstellung. Und wir rufen jetzt unter dem Titel „Frieda“ eine Fortbildungsreihe nur für Frauen ins Leben. Gesamtgesellschaftlich sehe ich aber auch, dass das Thema Gewalt nicht abreißt.

Was war für Sie das am meisten prägende Erlebnis Ihrer Amtszeit?

Das war die Startphase. Die Funktion der Ehrenamtsbeauftragten war ja ganz neu, so etwas gab es in der Region nicht. Das war eine Herausforderung. Aber ich habe mich in meinem Arbeitsleben immer auf Stellen beworben, wo ich etwas neu aufbauen konnte. Eine besonders spannende Zeit war es, als 2015 die große Zahl von Flüchtlingen nach Ennepetal kam. Da habe ich schon mal bis 4 Uhr morgens im Rathaus gesessen. Die Zeit möchte ich nicht missen. Ich bin mit vielen neuen Leuten in Kontakt gekommen. Einige der Ehrenamtlichen, die sich damals gemeldet haben, sind bis heute in der Arbeit für Flüchtlinge aktiv.

Das Ehrenamt gewinnt immer mehr an Bedeutung, weil sich die Stadt und andere öffentliche Träger aus freiwilligen Aufgaben zurückziehen. Macht Ihnen das Sorgen?

Ich fände es sehr bedenklich, wenn Ehrenamtliche missbraucht werden sollen. Dann besteht die Gefahr, dass sich ehrenamtlich Tätige zurückziehen. Sie dürfen sich nicht ausgenutzt fühlen. Die Aufgabe muss ja auch Spaß machen. Zum Beispiel hat man mir gesagt, dass man die Öffnungszeit unserer Ausstellung im Industrie-Museum doch ausweiten könnte – auch hier möchte ich das Engagement nicht überstrapazieren. Ich denke, dass viele noch bereit sind, einmal im Monat sonntags zwei Stunden aufzuwenden. Aber es darf nicht zu viel werden. Und wenn sich jemand an mich wendet, um für bestimmte Aufgaben, die eigentlich Pflichtprogramm einer Stadt sind, Ehrenamtliche einzusetzen, kann ich böse werden.

Zum Thema Senioren: Ist Ennepetal eine seniorenfreundliche Stadt?

Ich denke schon. Die Stadt hat zwar keine eigenen Angebote bis auf die nach und nach auslaufenden Seniorensportgruppen, aber wir haben sehr viele Gruppen die sehr aktiv sind. Unter anderem tauschen sich in einer Unterarbeitsgruppe des Sozial- und Generationenausschusses auch Vereine, Verbände und Gruppen über ihre Angebote aus, oder wenn es Probleme gibt. Und durch den sehr aktiven Behindertenbeirat wird auch viel im Hinblick auf Barrierefreiheit getan – was ja vielfach Senioren zugute kommt. Ich habe da die Broschüre „Leben in Ennepetal“ zusammengestellt. Dort sind alle Angebote aufgeführt.

Ihnen wird von vielen Seiten bescheinigt, Ihre Aufgabe mit viel Herzblut und weit über das normale Maß hinaus ausgeübt zu haben. Kann eine Nachfolgerin das überhaupt leisten?

Für den Bereich Gleichstellung wird es künftig eine Vollzeitstelle geben. Die dafür erforderliche Mitarbeiterzahl überschreiten wir durch die bevorstehende Wiedereingliederung der Stadtbetriebe in die Verwaltung. Für Ehrenamt und Senioren bleibt es bei einer halben Stelle. Ich denke, dass einige Sachen zwingend weitergeführt werden sollten. Aber ich kann auch loslassen. Neue Personen bringen neue Ideen mit, es wird ein neues Profil geben. Ich bin jedenfalls gespannt, als Ennepetaler Frau, was es Neues geben wird.

Werden Sie bei einzelnen Projekten weiter mitwirken?

Nein. Ich möchte meiner Nachfolgerin nicht hineinpfuschen und habe nicht vor, ihr die Show zu stehlen. Ich hätte es jedenfalls als komisch empfunden, wenn meine Vorgängerin ständig aufgetaucht wäre.

Haben Sie sich denn schon an den Gedanken gewöhnt, dass Sie bald im Ruhestand sein werden?

Ende vergangenen Jahres war das schon ulkig. Bei jeder Veranstaltung habe ich mir gesagt: Das machst Du jetzt zum letzten Mal. Aber inzwischen ist das auch schon fast zur Routine geworden. Sehr angenehm ist, dass mein Mann zum 1. Juli in Rente gegangen ist. Wir fahren in Kürze mit dem Wohnwagen in den Urlaub, dann bin ich nochmal fünf Wochen hier, zwecks Übergabe.

Worauf freuen Sie sich besonders?

Ich freue mich riesig darauf, die Adventszeit endlich mal in Ruhe zu Hause genießen zu können. Und ich freue mich, einiges im Garten fertig zu machen.

Eine längere Reise steht nicht an?

Wir sind ohnehin schon viel gereist. Wir haben den Wohnwagen vor dem Haus, werden öfter mal losfahren, außerdem fahren wir gerne mit dem Fahrrad. Aber wir planen keine große Weltreise, nicht zuletzt, weil wir ja Hund und Katze zu Hause haben.

Eine letzte Frage: Sie waren vor Ihrem Dienstantritt bei der Stadtverwaltung lange Zeit für die Grünen in der Kommunalpolitik aktiv. Können Sie sich vorstellen, sich wieder zu engagieren?

Ich gehe ja jetzt erst einmal in die Freistellungsphase der Altersteilzeit. Bis die vorbei ist, verbietet sich das ohnehin. Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich mir das auch nicht vorstellen – aber man soll ja nie nie sagen.

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