Sommerferienaktion

Ennepetal-Rüggeberg: Aus Bauspielplatz-Kindern werden Helfer

Erst als Kinder dabei, nun als Helfer: Joscha Knappe, Fabian Pampus, Hannah Grandjean, Jannica Beckmann und Fabian Höh (von links).

Erst als Kinder dabei, nun als Helfer: Joscha Knappe, Fabian Pampus, Hannah Grandjean, Jannica Beckmann und Fabian Höh (von links).

Foto: Hartmut Breyer / WP

Ennepetal.  60 Helfer sorgen dafür, dass der Bauspielplatz Rüggeberg geregelt abläuft. Viele von ihnen zählten früher selbst zu den Teilnehmern.

In Rüggeberg ticken die Uhren anders. Für das Neubaugebiet neben der Kirche fleißige Handwerker zu finden, war nicht das geringste Problem – und die arbeiten sogar am Wochenende. So sind in kürzester Zeit Hütten und ein riesiger römischer Triumphbogen entstanden. Es ist Bauspielplatzzeit. 200 Kinder wuseln bei der zum 26. Mal stattfindenden Sommerferienaktion des CVJM Rüggeberg umher, hämmern, sägen, basteln und spielen. Damit das bunte Treiben nicht ins große Chaos mündet, sind wieder Dutzende Helfer ehrenamtlich im Einsatz. Die meisten von ihnen machten schon als Kind auf dem BSP, wie der Bauspielplatz kurz genannt wird, mit und sorgen nun für Ordnung.

„Der Zusammenhalt im Helferteam ist unfassbar, wir haben hier durchgehend gute Stimmung“, meint Fabian Höh. „Und das, obwohl wir so viele und auch unterschiedlich alt sind.“ Der 22-Jährige ist inzwischen zum 16. Mal dabei. Mittlerweile arbeitet er in Wiesbaden, hat sich aber eigens für die Woche in der alten Heimat Urlaub genommen. Wenn der BSP-Tag zu Ende sei, würden viele Helfer noch zusammenbleiben, Volleyball spielen oder feiern. „Ich bin jeden Tag vielleicht eine Stunde zu Hause“, meint Fabian Höh. Nach dem Hütten-TÜV am Freitag halte man immer Nachtwache, grille auf der Wiese und übernachte in den Hütten.

Fabian Pampus (18) bestätigt die tolle Atmosphäre. „Nach dem Ende des BSP beginnt schon die Vorfreude auf das nächste Jahr“, sagt der Voerder, der als Kind ein Jahr den Abenteuerspielplatz in Oberbauer besuchte. „Da hat es mir nicht gefallen.“ Seitdem ist er immer in der ersten Ferienwoche in Rüggeberg zu finden, wo auch Onkel und Tante von ihm wohnen. Jannica Beckmann (18) und Hannah Grandjean (17), die beide aus dem Höhendorf kommen und in der Gemeinde im Jugendkreis und beim Kindergottesdienst Aufgaben übernehmen, erklären, dass in ihren Familien immer klar war, dass man in der ersten Ferienwoche nicht in Urlaub fahren kann – denn da ist BSP. „Für Kinder aus Rüggeberg ist es eine Selbstverständlichkeit, dabei zu sein.“

„Man merkt, dass viele der Helfer schon als Kind hier waren. Die identifizieren sich total mit dem BSP“, meint Bernd Otterbach, Leiter des Evangelischen Familienzentrums im Höhendorf und Mitorganisator des Mammutprojekts. „Wir können uns richtig zurücklehnen.“

In der Regel nach der Konfirmation, also mit 14 Jahren, spreche BSP-Chef Harald Marohn die Jugendlichen an, ob sie nicht als Helfer weiter mitmachen wollen, erklärt Jannica Beckmann. Vor dem ersten Einsatz würden die Neuen in einem Wochenendkurs angelernt, mit Verhaltensregeln und dem Ablauf der insgesamt zehn Tage vertraut gemacht. Außerdem gebe es einen schriftlichen Leitfaden. „Als Kind haben wir ja die Betreuer geärgert. Da steht dann drin, wie wir uns als Betreuer den Kindern gegenüber verhalten sollen“, meint Joscha Knappe (16), der in Altenvoerde wohnt und inzwischen seit drei Jahren zum Helferteam zählt.

Abenteuer im römischen Reich

Neben der Aufsicht und Unterstützung beim Bauen übernehmen einige der Jugendlichen weitere Aufgaben. Jannica Beckmann macht bei den Spielszenen, die mittags in der Kirche aufgeführt werden, mit, Fabian Pampus spielt Gitarre, wenn dort die – zum Teil eigens für den BSP geschriebenen – Lieder gesungen werden. Fabian Höh kümmert sich um die Filme, die nach dem Mittagessen angeschaut werden können, und Joscha Knappe verteilt im „Nagelkiosk“ Baumaterialien.

In diesem Jahr steht das Bauspielplatz unter dem Motto: „Geheimbund Fisch. Abenteuer im römischen Reich.“ Im Mittelpunkt steht die Geschichte der ersten Christen, deren Erkennungszeichen der Fisch war. Unter anderem geht es darum, dass Harald Marohn einen Originalbrief des Paulus an Timotheus in Rüggeberg gefunden hat… Das Thema wird mittags von Pfarrer Graf und einigen anderen Aktiven in kurzen Spielszenen und mit Liedern aufgegriffen und weiter erzählt. Wie immer kann auch gebastelt werden. So werden Buttons und T-Shirts gestaltet und Steine mit dem christlichen Fisch-Symbol bemalt.

Mittags findet die Fütterung der hungrigen Zweihundert im Vereinshaus am Nottloher Weg und – für die Jüngeren – im Familienzentrum an der Severinghauser Straße statt. Auf dem Programm stehen auch Fußball, Völkerball, Tischtennis und Bogenschießen, neben Filme gucken ist in der Chill-Out-Area Ausruhen oder Lesen möglich. Darüber hinaus sind in den kommenden Tagen Geländespiele angesagt.

Mit Küchen- und Reinigungsteam sind in den zehn BSP-Tagen vom vergangenen Freitag bis zum kommenden Sonntag etwa 60 Helferinnen und Helfer im Einsatz. Hannah, Jannica, Joscha und die beiden Fabians wollen auch künftig dazu gehören. „Ich halte es wie Harald Marohn. Der sagt immer: ,Ich mache das, so lange es gesundheitlich geht’. Mit 22 muss ich daran ja schon mal denken...“, sagt Fabian Höh lachend.

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