Konditorei und Confiserie

Ennepetal: Kartenberg sorgt seit 100 Jahren für süßen Genuss

Hans-Caspar und Jutta Kartenberg feiern das 100-jährige Bestehen ihrer traditionsreichen Konditorei & Confiserie mit Cafébetrieb.

Hans-Caspar und Jutta Kartenberg feiern das 100-jährige Bestehen ihrer traditionsreichen Konditorei & Confiserie mit Cafébetrieb.

Foto: Hartmut Breyer / WP

Ennepetal.  Das Café Kartenberg ist eine Institution in Ennepetal: Seit 100 Jahren versüßt die Konditorei und Confiserie den Menschen in der Stadt das Leben.

Der Name dürfte so gut wie jeder Ennepetalerin und jedem Ennepetaler ein Begriff sein. Das Café Kartenberg ist für seine kunstvollen Torten und Pralinen weithin bekannt. Und so wirbt man derzeit mit dem Slogan „100 Jahre Genuss“ – denn am Freitag (20. November) feiert die in Milspe beheimatete Institution ihr 100-jähriges Bestehen.

Betritt man die „Konditorei & Confiserie“ an der Kölner Straße 81, dann weiß das Auge gar nicht, wohin es zuerst blicken soll: Auf die frischen Torten in der Auslage, die fein säuberlich gestapelten Pralinen, von denen es etwa 40 verschiedenen Sorten gibt, oder auf die bunten Thementortenmodelle und reich gefüllten Präsentkörbe im Regal und im Schaufenster. Eine große Vielfalt an süßen Genüssen bieten Hans-Caspar und Jutta Kartenberg an. Das Ehepaar führt den Betrieb in der dritten Generation.

Hinter dem Ladenbereich befindet sich das Café. „Die baulichen Gegebenheiten sind seit 100 Jahren weitgehend unverändert“, erzählt das Inhaberpaar. Natürlich wurde die Einrichtung zwischenzeitlich modernisiert. Auch ist der ehemalige Kiosk, den es früher im Haus gab, inzwischen zum kleinen Saal umgewandelt. „Meisterzimmer“ heißt dieser, denn dort hängen die Meisterbriefe der drei Konditormeister aus der Familie Kartenberg. Früher wurden Fremdenzimmer in der ersten Etage vermietet. Inzwischen haben dort Jutta und Hans-Caspar Kartenberg ihre Wohnung.

Am 20. November 1920 hatten Emilie und Caspar Kartenberg den Betrieb aufgenommen. Caspar war der ältere Sohn der Familie Kartenberg, die auf Berninghausen eine Bäckerei (die es bis heute gibt) und eine Gaststätte betrieb. „Er wollte aber eine Konditorei und ein Café haben“, erzählt Hans-Caspar Kartenberg von seinem Großvater. Gemeinsam mit seiner Frau Emilie übernahm er daher das vormalige Café Schmidt, das im früheren Kaiserlichen Postamt in Milspe zu finden war.

1953 starb Caspar Kartenberg. Im Jahr darauf übernahm dessen Sohn Hans-Kaspar (aufgrund eines Versehens auf dem Standesamt der einzige mit „K“ unter den Caspars, wie die ältesten Söhne inzwischen in der achten Generation getauft wurden) die Konditorei gemeinsam mit seiner Frau Edith. Bis 1993 führten sie den Betrieb, bevor sie an die dritte Generation Hans-Caspar und Jutta Kartenberg übergaben. „Meine Mutter hat aber noch mit 80 im Laden gestanden und mein Vater bis er 84 war Marzipanfrüchte gemacht“, erzählt Konditor Hans-Caspar Kartenberg, der 1984 seinen Meisterbrief erhielt. „Das war für uns viel wert, denn meine Schwiegermutter war im Laden auch immer Gesprächspartnerin für die Kunden“, betont Jutta Kartenberg, die ursprünglich studiert hatte, sich nach der Hochzeit mit ihrem Mann aber zur Konditoreifachverkäuferin ausbilden ließ.

Pralinenherstellung in Handarbeit

Hans-Caspar und Jutta Kartenberg haben Café und Konditorei um einen Bereich erweitert: die Confiserie. „Mein Vater hat zwar auch schon nebenbei Pralinen gemacht, aber zum Trend wurden die erst, als wir das Geschäft übernommen hatten“, so Hans-Caspar Kartenberg. Etwa 700 Kilogramm Pralinen und Trüffel stellt er heute im Schnitt pro Jahr her. Auch wenn er inzwischen professionelle Gerätschaften – eine Pralinenüberziehmaschine und einen Füllautomaten – angeschafft hat, betont er: „Das ist trotzdem immer noch alles Handarbeit.“

Der Café-Betrieb ist nach wie vor ein Standbein der Kartenbergs, die einige Jahre auch eine Filiale in Gevelsberg betrieben. Viele Gruppen und Stammtische treffen sich dort, es gibt Frühstück und eine kleine Mittagskarte und kleinere Gesellschaften kommen nach der Taufe, zum Geburtstag oder zum Beerdigungskaffeetrinken. „Ein Konditor begleitet einen ein Leben lang – von der Taufe bis zur Trauerfeier“, meint Hans-Caspar Kartenberg.

Spezialisiert haben sich die Betreiber in den vergangenen Jahren auf Hochzeitstorten, darüber bieten sie für die Feiern auch themenbezogene Leckereien wie eine Salty- oder Candy-Bar oder Donut-Wände an. Trends wie Themen-Torten („Viele Kunden kommen mit dem Smartphone und zeigen uns Bilder von Torten, die sie gerne hätten“, so Jutta Kartenberg) oder Cupcakes greifen sie auf. „Wir waren noch nie so innovativ wie jetzt“, meint sie.

Viele neue Ideen

Nicht zuletzt habe die Corona-Zeit, in der kaum Hochzeiten – und auch keine Hochzeitsmessen, auf denen sie sich gerne präsentieren – stattfanden, sie auf viele neue Ideen gebracht. Statt großer Torten für große Gesellschaften, die ja weitestgehend weggefallen seien, habe man die Produktion schnell auf kleine Torten umgestellt, erklärt Hans-Caspar Kartenberg. Die seien sehr gefragt. Hinzu kamen ein paar witzige Kreationen wie „Corona-Törtchen“ (als Smiley mit Mundschutz) oder Osterhasen mit Mundschutz. Derzeit überlege man auch, einen Online-Shop zu entwickeln und einen Lieferdienst für die Region aufzubauen. Aktuell gebe es viele Vorbestellungen, die die Kunden dann ohne längere Wartezeit im Laden abholen würden.

Eines ist Hans-Caspar und Jutta Kartenberg sehr wichtig: das Team. 14 Mitarbeiter, inklusive Aushilfen, zählen dazu. „Ohne unser Team wären wir gar nichts“, betont das Inhaberpaar.

Eine vierte Generation wird es in dem Familienbetrieb wohl nicht geben, die beiden Töchter Sophie und Celine sind auf andere Pfaden unterwegs. Aber noch wollen Hans-Caspar und Jutta Kartenberg den Betrieb weiter in ihren Händen halten – und den Ennepetaler noch ein paar Jahre Genuss bieten.

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