Prozess

Ennepetal: Eingetretene Tür verletzt Schwangere

Justitia hat Recht zu sprechen: Das Gericht glaubte der jungen Mutter und verurteilte den Ennepetaler zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 15 Euro wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Justitia hat Recht zu sprechen: Das Gericht glaubte der jungen Mutter und verurteilte den Ennepetaler zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 15 Euro wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Foto: David Ebener / dpa

Ennepetal.  Ständiger Lärm, Kindergeschrei und lautes Getrampel gaben die Kulisse, vor der sich ein folgenreicher Zwischenfall zwischen Nachbarn ereignete.

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Ein wütender Ennepetaler trat seiner Nachbarin gegen die Tür, weil ihm ihre Kinder wieder zu laut waren. Die morsche Tür flog auf und traf die Schwangere in den Bauch. Nun kassierte der 58-Jährige eine Geldstrafe wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Ständiger Lärm, Kindergeschrei und lautes Getrampel hatten den Frührentner immer wieder genervt. „Ja, ich habe reflexartig vor die Tür getreten, weil ich sauer war. Aber sie wurde nicht von der Tür getroffen. Da war nur das Schloss raus. Ich habe sofort die Vermieterin angerufen, um den Schaden zu begleichen.“ So erklärte sich der Angeklagte zu Beginn des Prozesses am Schwelmer Amtsgerichts.

In dem Mietshaus prallten jeden Morgen zwei Welten aufeinander: Der 58-Jährige blieb gern lange auf und schlief dafür länger. Die junge Mutter ein Stockwerk über ihm und ihre beiden kleinen Kinder waren spätestens um 6 Uhr auf den Beinen. Dann, so erzählte der Mann weiter, sei es in dem Haus nicht mehr auszuhalten gewesen. Lärm und Getrampel, Geschrei und darauf folgendes lautes, energisches Schimpfen der Mutter beklagte er vor Gericht. „Die bollern und trampeln durch die Wohnung. Die Wohnung ist ihr Spielplatz. Ich habe mittlerweile schon Schlafstörungen.“

Am 21. März riss dem Frührentner der Geduldsfaden. Auf dem Telefon konnte er die junge Frau nicht erreichen– die beiden hatten vereinbart, dass er anrufen könne, wenn es zu schlimm würde. Er ging zur Nachbarin hinauf, um sie zur Rede zu stellen. Die 25-Jährige sagte aus: „Ich hörte ihn draußen schimpfen. Ans Telefon bin ich schon nicht gegangen. Ich dachte nur: ‚Oje, geht das schon wieder los!‘“ Ich machte die Tür auf und sofort wieder zu. Und da kam mir die Tür auch schon entgegen geflogen. Die Klinke traf mich in den Bauch.“ Die zu dem Zeitpunkt hochschwangere Frau begab sich ins Krankenhaus. „Es ist aber zum Glück nichts passiert“, sagte sie.

Fahrlässige Körperverletzung

Das Gericht glaubte der jungen Mutter und verurteilte den Ennepetaler zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 15 Euro wegen fahrlässiger Körperverletzung. Das ärgerte den Mann sehr. „Es war nur der Schaden an der Tür! Eine Körperverletzung hat nie stattgefunden!“, rief der Angeklagte wütend.

Das Gericht begründete seine Entscheidung: „Sie hätten damit rechnen müssen, dass sich die Schwangere weiter im Türbereich aufhält. Wir haben keinen Zweifel daran, dass die Tür nach Ihrem Tritt gegen den Bauch der Frau geschlagen ist.“ Wütend verließ der Angeklagte den Gerichtssaal. Die junge Mutter will bald mit ihren Kindern ausziehen.

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