Psychiatrische Einrichtung

Ennepetal: Angst vor dem Haus an der Kirche

  Hier entsteht das Haus an der Kirche. Seitdem klar ist, dass es gebaut wird, herrscht Angst in Voerde.

  Hier entsteht das Haus an der Kirche. Seitdem klar ist, dass es gebaut wird, herrscht Angst in Voerde.

Foto: Hans-Jochem Schulte / WP

Ennepetal.  Bethel regional und Kreisverwaltung beruhigen die Anwohner im Rahmen einer Versammlung. Einrichtung soll am 15. Januar 2021 in Voerde eröffnen

Am Vorabend des „Welttages der seelischen Gesundheit“ ging es in der offenen und gut besuchten Informationsveranstaltung von Bethel regional um das sich im Bau befindliche „Haus an der Kirche“ in Voerde. Wie mehrfach berichtet, sollen auf dem Gelände der ehemaligen Möbelfabrik Ide (abseits des Sträßchens „An der Kirche“) Menschen mit seelischen Behinderungen und darüber hinausgehendem Unterstützungsbedarf rund um die Uhr betreut werden. Ziel ist es laut Bethel regional, Menschen aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis beim Aufbau einer selbstständigen Lebensführung, einer Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft zu unterstützen.

In der Versammlung im Gemeindehaus an der Johanneskirche gab es Neues: Nach aktuellem Stand wird das Haus am 15. Januar 2021 eröffnet. Im kommenden Frühjahr soll es ein Baustellenfest geben, kündigte Dirk Frede von Bethel regional an. Katrin Johanna Kügler, die Sprecherin des Begleitgremiums ist, moderierte die Veranstaltung. In der Kreisverwaltung ist sie verantwortlich tätig im Bereich Gesundheits- und Sozialplanung. Noch eine gute Nachricht: Der alte schöne Baum im Baubereich wird nicht gefällt. Fest steht nun auch die Zahl der offiziellen Parkplätze. Es sind fünf, vier weitere Parkplätze würden noch zusätzlich zur Verfügung stehen.

Positives Vorbild aus Gevelsberg

Ein Thema, das seit Monaten Eltern in Voerde plagt, wurde von einer Mutter angesprochen: „Sind unsere Kinder beim Schulweg durch Bewohner des Hauses gefährdet?“ „Nein, nicht bei diesen Krankheitsbildern“, sagte der Arzt und Psychiater Gunnar Däumer vom Ennepe-Ruhr-Kreis und ergänzt: „Ganz ausschließen kann man so etwas nie.“ Dieses Haus sei aber kein Akut-Krankenhaus und auch kein Haus für Pädophile, so der Facharzt.

Die Vertreter von Bethel regional versprachen noch einmal „soviel Transparenz wie möglich“. Hier setzte der heimische Philosoph Klaudius Gansczyk mit seiner schon in einem Leserbrief geäußerten Kritik ein: „Ja, wir müssen den kranken Menschen helfen, aber ist das Verfahren von Bethel ethisch gut gelaufen?“ Man habe Fakten geschaffen. „Wir sind in der Diskussion schon viel weiter“, erwiderte Volker Rauleff, SPD-Fraktionschef im Rat der Stadt und Mitglied des Begleitgremiums. Auch ließ Moderatorin Kügler zu dem eigentlich abgeschlossenen Thema keine Fragen mehr zu und fand die Zustimmung der Versammelten.

Später gab es von einer Anwohnerin eine andere Aussage: „Wer schützt die kranken Menschen vor uns, vor unseren Vorurteilen und vor Stigmatisierung?“ Ein gutes Beispiel gab Catrin Spindler, die ein ähnliches Haus in Gevelsberg leitet: „Auch bei uns gab es zunächst Ängste in der Nachbarschaft. Die gibt es nicht mehr. Nachbarn kommen zu unserem Sommerfest und feiern zusammen mit den Bewohnern.“ So soll es auch in Zukunft in Voerde sein, hieß es aus der Versammlung heraus. Solidarität gibt es schon. Sabine Hofmann bot für den Ennepetaler Arbeitskreis „Frauen und Politik“ Hilfe an.

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