Seuche

EN-Kreis ist auf Afrikanische Schweinepest vorbereitet

Noch ist kein Wildschwein mit dem Virus im Kreis entdeckt worden. Doch der Amtsarzt befindet sich bereits in erhöhter Alarmbereitschaft.

Noch ist kein Wildschwein mit dem Virus im Kreis entdeckt worden. Doch der Amtsarzt befindet sich bereits in erhöhter Alarmbereitschaft.

Foto: Lutz Leitmann

Schwelm.   Die Schweinepest rückt immer näher heran. Die Kadaver-Suche wäre im Ernstfall einer der wichtigsten Schritte, die eingeleitet würden

Landwirte im Ennepe-Ruhr-Kreis sorgen sich schon seit Längerem um ihre Tiere, jetzt wird die Gefahr akuter, denn die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist in Belgien aufgetaucht, rückt immer näher an NRW und damit auch an den EN-Kreis. „Wir haben ein ganz genaues Auge auf die Situation“, sagt Dr. Peter Richter vom Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt des Ennepe-Ruhr-Kreises. Falls im heimischen Bereich ein infiziertes Tier gefunden würde, sei man vorbereitet. Die Szenarien sind in der Theorie bereits durchgespielt.

Das ist die aktuelle Lage

„Wir befinden uns ungefähr 300 Kilometer entfernt von dem belgischen Gebiet, in dem die infizierten Schweine gefunden wurden, anders als das Saarland und Rheinland Pfalz sind wir noch so weit entfernt, dass ein krankes Tier nicht einfach zu uns rüber laufen kann“, erklärt Richter. Sei die Seuche aber erst einmal in Deutschland, wäre die Gefahr natürlich groß, dass sie sich weiter ausbreite. „Bei Todfunden zum Beispiel im Saarland, würden auch bei uns die Alarmglocken schellen“, sagt der Amtstierarzt.

Alarmglocken klingeln bereits leise

Zumindest leise klingeln die Alarmglocken aber auch schon jetzt, daher setzt man im EN-Kreis auf gezieltes Monitoring: „Unsere Jäger reichen stichprobenartig Blutproben von Schwarzwild ein“. Das Blut der Tiere werde also regelmäßig auf die Afrikanische Schweinepest getestet. Unlängst hat der Kreis (wie berichtet) zudem Waldspaziergänger und Pilzsammler dazu aufgerufen, verendete Wildschweine umgehend zu melden, weil jedes von der Seuche betroffen sein könnte (siehe Infobox).

So verbreitet sich das Virus

In Belgien liegt die Vermutung nahe, dass die gefährliche Seuche durch den Menschen eingeschleppt wurde und nicht durch umherwandernde Wildschweine, weil die toten Tiere weitab der bisherigen Ausbruchsherde aufgetaucht sind. Ein großer Risikofaktor sind laut Peter Richter infizierte Fleisch- und Wurstwaren, die mit Lkw-Fahrern aus den Osteuropäischen Ländern eingeführt werden. „Die Fahrer essen in der Regel nicht an Raststätten sondern versorgen sich selbst. Dabei haben sie oft auch Fleisch und Wurstwaren dabei. Gerade aus den Osteuropäischen Ländern kommend, besteht die Gefahr, dass diese Waren infiziert sind. Werden sie hier zum Beispiel an Waldrändern entsorgt, kann das zur Ausbreitung der Seuche bei und führen“, sagt Richter.

Für Menschen völlig ungefährlich

Für den Menschen und auch für andere Tierarten sei die Seuche völlig ungefährlich und würde daher in den Fleischwaren erst einmal auch nicht auffallen. „Sie kann aber über das Fleisch von Wildschweinen aufgenommen oder über Hunde – für die der Virus selbst ungefährlich ist – weitergetragen werden“, erklärt Richter. Wichtig sei es daher, Fleisch- und Wurstwaren nur in Müllcontainern und keinesfalls am Straßenrand zu entsorgen.

Falls die Seuche EN erreicht

Aber was, wenn die Seuche den Ennepe-Ruhr-Kreis doch erreicht? „Dann werden Szenarien greifen, die wir gemeinsam mit heimischen Jägern und Forstmitarbeitern ausgearbeitet und geübt haben“, sagt Richter. Sie sehen wir folgt aus: Wird ein verendetes Wildschwein entdeckt, bei dem die Afrikanische Schweinepest nachgewiesen wurde, startet direkt eine Einteilung in Zonen. In einem Radius von drei Kilometern um den Fundort wird die Kernzone eingerichtet, darauf folgt in einem Radius von 20 Kilometern eine Gefahrenzone und darauf noch eine Pufferzone. „Beim EN-Kreis liegt dann schnell das ganze Kreisgebiet in der Gefahrenzone“, macht der Amtstierarzt deutlich.

In der Kernzone, so beschreibt Richter, würde dann erst einmal eine Jagdruhe eingeleitet, die mindestens zwei bis drei Wochen andauern würde. „Es ist dann zunächst das Wichtigste, die Tiere in dem Gebiet zu halten, damit sich die Seuche nicht weiter ausbreiten kann. Wenn gejagt wird, fliehen die Tiere und wandern in andere Gebiete.“ Ein Plan sei es auch, das betroffene Gebiet mit Hilfe der ortskundigen Jäger, Förster und Revierpächter zu umzäunen. „Das größte Problem dabei ist für uns aber die dichte Besiedlung, wir können ja keinen Zaun beispielsweise über die B7 ziehen und damit den ganzen Verkehr lahmlegen“, sagt Peter Richter.

Ein besonders schwieriger aber wichtiger Teil der Strategie sei außerdem die Kadaversuche. „Um die Ausbreitung zu verhindern, ist es wichtig, die infizierten Kadaver zu suchen und sicher zu entsorgen“, sagt Richter. Dazu soll eine Suchkette zum Einsatz kommen. „Das haben wir schon mit Wildschein-Dummys geübt und direkt gemerkt, wie schwierig diese Suche in unwegsamem Gelände ist. Wir haben beim Üben den ein oder anderen Dummy übersehen, weil er zum Beispiel unter dichtem Gestrüpp lag.“ Und Tiere ziehen sich zum Sterben eben genau an diese unwegsamen Orte zurück.

Auf Ruhezeit und Kadaversuche folge dann anschließend eine verstärkte Bejagung des Gebiets, bei der die Tiere in der Tierkörperbeseitigungsanlage entsorgt werden müssen.

Aktuelle Einschätzung

Fakt ist: Jäger und Kreis sind fachlich vorbereitet. „Ich kann trotzdem nicht versprechen, dass wir eine mögliche Ausbreitung verhindern könnten. Das kann niemand“, so der Amtstierarzt. Klar sei „leider“ auch: Schweinebauern in der Region müssen sich Sorgen machen. „Wir haben bereits alle Schweinebauern im Kreis besucht und mit ihnen über Sicherheitsvorkehrungen gesprochen“, erzählt Richter. Liege ein Hof aber in der Gefahrenzone oder auch nur in der Pufferzone, sei die Vermarktung des Fleischs nahezu unmöglich. „Das kann dann existenzbedrohend sein.“ Dazu kommt, dass Futter, was in einer Gefahrenzone angebaut wurde, nicht mehr verfüttert werden kann. „Auch das wäre für die Bauern, speziell nach dem heißen Sommer mit der schlechten Ernte, finanziell eine Katastrophe“, sagt der Amtstierarzt. Es bleibe nur zu hoffen, dass die Region noch einmal mit einem blauen Auge davon kommt.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben