MGV „Einigkeit“ Haspetal

Die Stimme Hasperbachs ist verklungen

Da waren es noch viele Sänger: der MGV „Einigkeit“ Haspetal vor dem Mühlenteich in Hasperbach. Wann die Aufnahme entstand, lässt sich nicht genau sagen, weil der Chor das Datum nicht festgehalten hat. Leiter war damals jedenfalls Friedrich-Wilhelm Hagelsiep. Er dirigierte von 1970 bis 1990.

Foto: Hans-Jochem Schulte

Da waren es noch viele Sänger: der MGV „Einigkeit“ Haspetal vor dem Mühlenteich in Hasperbach. Wann die Aufnahme entstand, lässt sich nicht genau sagen, weil der Chor das Datum nicht festgehalten hat. Leiter war damals jedenfalls Friedrich-Wilhelm Hagelsiep. Er dirigierte von 1970 bis 1990.

Ennepetal.   Den Männergesangverein „Einigkeit“ Haspetal gibt es nicht mehr. Nach 113 Jahren endete die Geschichte des Männergesangvereins.

Es waren harte Tage für Werner Hartmann. In den in der Festhalle Hasperbach befindlichen Schränken sortierte der 85-jährige umfangreiches Notenmaterial. Nein, die wertvollen Noten wurden und werden nicht für ein Konzert benötigt. Sie bekommen im Stadtarchiv eine neue Heimat, denn den Männergesangverein „Einigkeit“ Haspetal gibt es nicht mehr. Fast zeitgleich mit dem MGV „Sangeslust“ Königsfeld (wir berichteten) endete erneut die Geschichte eines Männergesangvereins – diesmal nach 113 Jahren in Hasperbach.

Werner Hartmann als Vorsitzender und Paul-Gerhard Brüggendick als Kassierer wickeln die Geschäfte des Chores ab, nachdem eine einberufene Mitgliederversammlung (acht von nur noch neun Mitgliedern waren anwesend) einstimmig die Auflösung beschloss. Gegründet wurde der Chor im Jahr 1904 von Hermann Wülfing, Emil Hagelsiep, Emil Heiermann und Fritz Rettberg in der damaligen Gaststätte Schöning am Verneis. Recht schnell ging die Mitgliederzahl in die Höhe.

Eng mit dem Stadtteil verbunden

„Es war selbstverständlich, dass die Väter ihre Söhne mit zu den Proben nahmen. Das war bei mir auch so“, erzählte Werner Hartmann im Gespräch mit dieser Zeitung. Seit 1983 ist er der 1. Vorsitzende der „Einigkeit“. Er verheimlicht nicht, das dieses Aus für ihn schmerzlich ist. Zwar sei es vorhersehbar gewesen, weil kein Sängernachwuchs in den Chor eingetreten sei. „Kommt der Zeitpunkt der Auflösung, tut das aber weh“, sagt Werner Hartmann und hat jeden Zeitungsartikel über Konzerte und Veranstaltungen der „Einigkeit“ vor sich liegen.

Dabei ist der Chor mit dem Stadtteil eng verbunden, insbesondere mit dem TuS Haspetal. Noch vor zwei Jahren titelte diese Zeitung: „Hasperbach hält zusammen.“ Damit war auch der Chor gemeint, mit Werner Hartmann. Der Vorsitzende ist bei fast allen Veranstaltungen in Hasperbach als Ehrengast willkommen. Bei den jährlichen Altenfeiern des TuS für alle Senioren aus dem Stadtteil ließ während der vergangenen Jahren Dirigent Dag Neuhaus das Lied „Oh, du mein schönes Haspetal“ erklingen. Bekannte Chorleiter wie Hugo Kaltefleiter und der jetzt international bekannte Dirigent und Bariton Klaus Beermann aus Hagen standen der „Einigkeit“ vor. Auch der einst im Rheinland tätige Generalmusikdirektor und Opernfachmann Walter Gillessen probte mit den Haspetalern schwierige Chorwerke ein.

Dank an die Unterstützer

Unvergessen sei auch die Chorleitung von Friedrich-Wilhelm Hagelsiep, der aus „dem Tal“ kam und für viele Sänger Nachbar war.

Die Sänger Emil Heiermann, Ernst Plätz, Fritz Hartmann (Werner Hartmanns Vater) und Eduard Plätz waren es, die nach dem Krieg wieder Leben in den Chor brachten. Man gab zahlreiche Konzerte, meistens zusammen mit dem Haspetaler Frauenchor im damaligen Ludwig-Steil-Haus, hatte oft Solisten von Theatern zu Gast, sang im Rahmen der Konzertreihe „Sang und Klang“ und machte beim Ennepetaler Mai-Einsingen mit.

Werner Hartmann erzählte: „In den 60er Jahren fuhr der Chor mit Anhang gern ins Waldecksche. Ein großer Bus reichte da nicht aus.“ Den Kontakt hatte Mitbegründer Fritz Rettberg hergestellt. Er war dort einmal Schützenkönig.

Zum Schluss des Gesprächs richtete Werner Hartmann ein Dankeschön an die langjährigen Unterstützer des Chors. „Das ist mir wichtig.“

INFO:

Der MGV „Einigkeit“ Haspetal wurde am 20. August 1904 im Lokal Schöning am Verneis gegründet. 30 Männer waren dabei. In der ersten Vorstandswahl wurde Karl Iske zum Vorsitzenden gewählt. Als ersten Dirigenten verpflichtete man den Lehrer Emil Mielsch. Ende 1904 zählte der junge Verein bereits 71 Mitglieder.

Zum 100-jährigen Bestehen im Jahr 2004 wurde dem Chor die höchste Auszeichnung des Deutschen Sängerbunds, die Zelterplakette, verliehen. Das Jubiläum wurde mit besonderen Konzerten gefeiert, an denen auch russische Musiker mitwirkten. Der damalige Chorleiter Klaus Beermann hatte Kontakte in Hagens Partnerstadt Smolensk. Beermann knüpfte auch die Verbindung des MGV „Einigkeit“ Haspetal mit dem ebenfalls von ihm geleiteten Chor „Glocke Haspe“. Beide Chöre kooperierten seit Beginn der 90er Jahre.

Zuletzt hatte Dag Neuhaus zehn Jahre lang die musikalische Leitung beim MGV „Einigkeit“ inne.

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