Glosse

Das sind unsere Unworte des Jahres

„Gutachten“, „Sicherheit“ und „Konzept“ – das sind aus Sicht der Redaktion die Unworte des Jahres 2017 in Schwelm, Gevelsberg und Ennepetal.

Foto: Frank Rumpenhorst

„Gutachten“, „Sicherheit“ und „Konzept“ – das sind aus Sicht der Redaktion die Unworte des Jahres 2017 in Schwelm, Gevelsberg und Ennepetal. Foto: Frank Rumpenhorst

Schwelm/Gevelsberg/Ennepetal.   Die Redaktion zieht ein augenzwinkerndes Fazit des abgelaufenen Jahres und kürt ihre Unworte des Jahres für Schwelm. Gevelsberg und Ennepetal.

Das soeben abgelaufene Jahr bot in Schwelm, Gevelsberg und Ennepetal unzählige Themen. Durch diese zogen sich auch Konstanten. Die Readaktion hat ihre Unworte des Jahres gekürt. Viel Spaß bei den – durchaus augenzwinkernd gemeinten – Begründungen.

Schwelm: GUTACHTEN

Die Stadt Schwelm sorgt sich hervorragend um ihre Bürger – und auch um viele Auswärtige, die Ahnung von Dingen haben, über die in Schwelm niemand Bescheid weiß. Um die finanzielle Zukunft dutzender Gutachter muss man sich keine Sorgen machen, denn die werden seit Langem bestens aus dem Schwelmer Rathaus versorgt. Und die frohe Kunde für alle, die mit der Aufbereitung kommunaler Fakten ihr Geld verdienen, lautet: Der Moneten-Strom aus Schwelm wird so bald nicht abreißen.

Einzelhandelsgutachten, Bädergutachten, Bedarfsgutachten für das neue Rathaus, Verkehrsgutachten an gleich mehreren Stellen, Gewerbegebiete, Neubaugebiete, Brandschutz, Kunstrasen – überall und noch an etlichen anderen Stellen war und ist externes Expertenwissen bitter notwendig, weil – so die stete Begründung – Fachwissen, Zeit und Personal im Rathaus fehlen. Ob die Politik das gut findet, sei erstmal dahingestellt, zumindest achtet sie die eingeschränkte Arbeitsfähigkeit im Rathaus und gibt immer wieder fünf- und sechsstellige Summen frei, damit Gutachter der Region nicht am Hungertuch nagen müssen.

Und wer im Rathaus nicht genug verdient, geht einfach ein paar Meter weiter ins Kreishaus, denn auch hier sind Gutachter aus allen Fachrichtungen gern gesehene Gäste. Und mehr noch: Hier darf der geneigte Gutachter auch intern tätig werden. Also als Externer darf man ganz tief in der Verwaltung herumschauen, was denn dort schief gelaufen ist bei der VER oder beim Rettungsdienst. Obacht, liebe Neutralen: In die Hand zu beißen, die einen füttert, könnte den Geldfluss abrupt beenden und andere auf den Plan rufen, die das Gutachten begutachten. War das Jahr 2017 schon ein Rekordjahr, steht bereits jetzt fest: 2018 wird noch einmal gehörig einen oben drauf setzen.

Gevelsberg: SICHERHEIT

Sicherlich ist die Sicherheit der Bevölkerung ein Thema, bei dem grundsätzlich alle einer Meinung sind: Sie sollte schon so gut wie eben möglich gewährleistet sein – am allerbesten präventiv in Perfektion, damit kriminelle Subjekte gar nicht erst auf dumme Gedanken kommen. So weit so einleuchtend, stünden dem nicht zwei Dinge im Weg: die Realität und das Adjektiv „gefühlt“. Denn einerseits gibt es immer wieder schlimme Menschen, die sich nicht an die Regeln halten, zum anderen ist das Tückische an Gefühlen, dass sie nicht bei jedem gleich sind.

Vor allem nicht beim Gevelsberger Bürgermeister Claus Jacobi und bei Landrat Olaf Schade. Beide fühlen das Sicherheitsbedürfnis der Menschen, beide wollen die Kriminalität niedrig halten und mit allen Mitteln verhindern, dass Gevelsberg zur Bronx des Ennepe-Ruhr-Kreises wird. Setzt der eine darauf, dass ein fahrendes Auto mehr in der Stadt Sicherheit gewährleistet, ist der andere davon überzeugt, dass das sowieso nicht durch Gevelsberg rollt und lieber drei Wagen vor der Wache parken sollten, weil sie Präsenz suggerieren, die sich mit Blick auf das Personal im Gebäude nicht umsetzen lässt.

Und nun? Erstmal herrscht Stillstand, aber daran sind die Gevelsberger beim Thema Sicherheit ja gewöhnt, denn auch beim Brandschutz stellte sich lange Zeit die Frage: Wohin mit der Feuerwehr? Auch da war klar: So wie es aktuell läuft, ist es schlecht. Bei der Feuerwehr liegt nun eine Lösung auf dem Tisch. Bei der Polizei scheint das Tischtuch ein wenig zerschnitten. So wird auch 2018 über die Sicherheit viel diskutiert werden. Mit Sicherheit!

Ennepetal: KONZEPT

Eines kann man der Stadt Ennepetal ganz bestimmt nicht nachsagen: dass sie kein Konzept hat. Im Rathaus gibt es sogar dermaßen viele Konzepte, dass an dieser Stelle aus Platzgründen nur eine Auswahl genannt werden soll: Haushaltssicherungs- und Personalwirtschaftskonzept samt diverser Einsparkonzepte, Integriertes städtebauliches Entwicklungs-, Einzelhandels- und Zentren-, Kultur-, Hochwasserschutz- und Klimaschutzkonzept, Integriertes Entwicklungskonzept Hülsenbecker Tal sowie Konzept zur Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen. In Arbeit beziehungsweise in Vorbereitung sind unter anderem Konzepte für den Sport und die Sportstättennutzung. Angestaubt oder verschimmelt sind Tourismus-, Gebäudenutzungs-, Bahnhofs-, Stadtteil- und Quartierkonzepte.

Nun hat ein Konzept an sich ja eine wichtige Funktion – wenn es umsetzbar ist und auch umgesetzt wird. Doch spitze Zungen lästern schon, dass Rat und Verwaltung eigentlich nur zwei Gruppen besonders glücklich machen: die externen Berater und Planer, die mit der konzeptionellen Arbeit beauftragt werden, und die Schreiner, die die Schubladen herstellen, in denen die Konzepte verschwinden.

Vielleicht sollte der Rat der Stadt Ennepetal 2018 einfach mal nur ein einziges neues Konzept in Auftrag geben: ein „Realistisches Umsetzungs- und Chancennutzungskonzept“ (kurz: RUCK) für alle vorliegenden Konzepte. Arbeitstitel, frei nach der Kanzlerin und Bob, dem Baumeister: „Wir schaffen das!“

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