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Bürokratie stoppt die Innovation

Peter Siedowski,Leiter Geschäftskunden der Commerzbank für die hiesige Region, sieht die Offenheit für Neues als wichtige Triebfeder an.

Foto: Stefan Scherer

Peter Siedowski,Leiter Geschäftskunden der Commerzbank für die hiesige Region, sieht die Offenheit für Neues als wichtige Triebfeder an.

Gevelsberg.   Studie der Commerzbank offenbart:Viele heimische Unternehmer suchen Nachfolger. Wirtschaftliche Entwicklung ist gut, Digitalisierung ausbaufähig

Kaum eine Region ist in Deutschland derart von mittelständigen Unternehmen geprägt wie die hiesige. Während allerdings Großunternehmen und Konzerne für alle Herausforderungen, die die Niedrigzinsphase, die zunehmenden Anforderungen von Kunden an digitale Prozesse oder die notwendige Innovation, mit sich bringen, Spezialisten oder ganze Abteilungen beschäftigen, muss der Chef sich im Mittelstand oft allein mit solchen Dingen auseinandersetzen. Das birgt Probleme und Risiken. Das bringt aber auch Bedarfe mit sich, die die Unternehmer haben.

Wie sich die aktuelle wirtschaftliche Lage und die Selbsteinschätzung der Unternehmer darstellen und was aus deren Sicht die größten Probleme sind, offenbart nun eine Studie der Commerzbank. Sie hat das Meinungsforschungsinstitut Ipsos beauftragt, das deutschlandweit 3210 Freiberufler, Handwerker und Gewerbetreibende intensiv befragt hat. Die Ergebnisse für den Niederlassungsbereich Wuppertal, zu dem auch der Ennepe-Ruhr-Kreis zählt, liegen nun vor.

Wirtschaftliche Lage

Aus Sicht der Unternehmer stellt sich die wirtschaftliche Lage gut dar. 56 Prozent geben an, dass sich ihr Geschäft sehr gut entwickelt hat, 32 Prozent geben an, dass bei ihnen in der Firma die wirtschaftliche Lage stabil ist. Fast deckungsgleich teilen sie mit, dass die Auftragsbücher mindestens genauso gut, wenn nicht besser gefüllt sind als im Vorjahr und blicken dementsprechend positiv in die wirtschaftliche Zukunft.

Dennoch sehen viele der Unternehmer auch Gefahren für sich und ihre Mitarbeiter beziehungsweise für das gesamte Unternehmen. So bangen 36 Prozent wegen der Niedrigzinsphase um ihre private Altersvorsorge, 20 Prozent sehen dadurch auch die betriebliche Altersvorsorge ihrer Mitarbeiter in Gefahr. Ganz klar führen die heimischen Unternehmer dafür als einen der Hauptgründe die bürokratischen Hürden ins Feld. Sie fordern den Abbau von Regulierungen, um auch zukünftig konkurrenzfähig zu bleiben. Neben dem Fachkräftemangel führt ein Viertel der Unternehmer als größtes Risiko für ihr Geschäft die Konkurrenz durch das Internet an.

Digitalisierung

Doch bei zahlreichen Unternehmern scheint dieses Problem zumindest zum Teil hausgemacht. Denn die Studie offenbart: Der heimische Mittelstand hinkt der digitalen Entwicklung deutlich hinterher. 14 Prozent bieten ihren Kunden gar überhaupt keinen Online-Service an. Viele versenden lediglich Informationen oder bieten die Möglichkeit, im Netz einen Termin auszumachen. Gerade einmal 40 Prozent – damit aber immer noch sechs Prozent über dem Bundesdurchschnitt – nutzen das Internet auch als Vertriebskanal. „Das ist ein deutliches Zeichen, dass wir den digitalen Wandel vorantreiben müssen“, sagt Peter Siedowski.

Seine Hoffnung ruht dabei auch ein wenig auf der nachrückenden Generation: „40 Prozent der Unternehmer machen sich Gedanken, wie sie ihre Nachfolge regeln sollen. Die nächste Generation ist viel offener, erwartet ganz andere Dinge.“ Knackpunkt: 14 Prozent der Chefs suchen bislang ergebnislos nach einem Nachfolger.

Finanzierung

Wenn es um das Geld geht und um die Hilfestellung für die Zukunft, sieht Peter Siedowski seine gesamte Branche in der Pflicht, das Fortbestehen des Mittelstands mit zu sichern: „Wenn knapp die Hälfte der Unternehmer in der Niedrigzinsphase noch nicht auf alternative Anlagemöglichkeiten angesprochen worden ist, haben wir alle als Banken unseren Job nicht gemacht.“ Denn nicht zuletzt wegen der Vorsicht bei der Geldanlage ist die Liquidität in den Firmen so hoch wie nie zuvor. Der überwiegende Teil der Investitionen wird aus dem laufenden Geschäft oder aus den Rücklagen finanziert.

Klar, dass die Banken gern deutlich mehr Kreditgeschäfte machen würden; aber Siedowski verfolgt noch einen anderen Ansatz als Resultat der Studie: „Wir müssen den Mittelstand mit unserem Wissen unterstützen, ansonsten haben auch wir Banken irgendwann ein Problem.“

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