Verbrechen

41-Jährige erstochen – Täter nach Totschlag auf Bewährung

Die Spurensicherung war am Tattag bis in die Abendstunden hinein beschäftigt, ehe der Leichnam in die Gerichtsmedizin gebracht werden konnte.

Foto: Alex Talash

Die Spurensicherung war am Tattag bis in die Abendstunden hinein beschäftigt, ehe der Leichnam in die Gerichtsmedizin gebracht werden konnte. Foto: Alex Talash

Gevelsberg.   Der Mann, der vor knapp zwei Wochen eine Horrorbuch-Autorin aus Gevelsberg erstochen haben soll, hat bereits 2009 eine Frau brutal getötet.

Neue Erkenntnisse im Fall der getöteten 41 Jahre alten Frau aus Gevelsberg: Der Mann, der gestanden hat, am 9. März eine 41 Jahre alte Frau in ihrer Wohnung an der Hagener Straße erstochen zu haben, war bereits einschlägig wegen Totschlags vorbestraft. Während der Tat in Gevelsberg war er auf Bewährung auf freiem Fuß. Im Jahr 2009 hatte er eine Frau auf grausame Weise getötet.

Wie die Staatsanwaltschaft nun bekannt gab, hatten sich Täter und Opfer Mitte 2016 im Internet kennengelernt. Sehr wahrscheinlich ist, dass die gemeinsame Faszination für Horror-Geschichten sie zusammenbrachte. Die 41-Jährige hat bereits mehrere Bücher dieses Genres geschrieben und veröffentlicht.

Opfer und Täter verband Liebe zur Horrorliteratur

In der Vernehmung soll der 55-Jährige angegeben haben, diese Art der Literatur ebenfalls zu mögen. Er und die Autorin hätten sich darüber ausgetauscht und unterhalten. Den Ermittlern gegenüber soll der Vorbestrafte von einer lockeren Freundschaft gesprochen haben, bei der es nicht beim Austausch übers Internet blieb. Sie hätten sich vor der Tat zweimal getroffen, das erste Mal in Hamburg, wo das Opfer bis zum Jahreswechsel lebte.

Bei dem für das Opfer verhängnisvollen Treffen in Gevelsberg, so soll der 55-Jährige bei der Vernehmung ausgesagt haben, habe er die Frau überraschen wollen. Die 41-Jährige habe nicht gewusst, dass er von Saarlouis mit der Bahn nach Gevelsberg angereist war. Dort kam er am Tattag nach eigener Aussage morgens um 5.30 Uhr an. Um 8 Uhr habe er die Wohnung seines späteren Opfers betreten. Das deckt sich mit Aussagen von Zeugen, die ihn wartend und rauchend in Nähe des Wohnhauses gesehen haben wollen.

Unklar, was zum tödlichen Streit führte

Was letztendlich Auslöser des Streites war, in dessen Verlauf der Mann zum Küchenmesser griff und ihr sieben Mal in den Bauch stach, bleibt weiter unklar. Der Beschuldigte habe dazu keine Aussagen gemacht und spreche von Erinnerungslücken, erklärte Staatsanwältin Beatriz Föhring. Immerhin glaubt er sich zu erinnern, dass die Tat etwa gegen 11 Uhr geschehen sein muss. Die Frau starb an den Folgen des hohen Blutverlustes. Ob sich der Täter von seinem Opfer möglicherweise mehr als nur Freundschaft erhoffte und dies nicht erwidert wurde, was letztlich zum tödlichen Streit in der Wohnung geführt haben könnte, wird noch überprüft. Die Ermittler werten dazu gerade die Daten auf den Computern der Beteiligten aus. „Das ist noch nicht abgeschlossen“, so die Staatsanwältin.

Unklar ist auch, ob die 41-Jährige von der Vergangenheit des Mannes wusste. Die Mutter der Toten, die am Tattag um 14 Uhr die Leiche im Flur der Wohnung auffand, soll ausgesagt haben, dass ihre Tochter, zu der sie einen regelmäßigen Kontakt pflegte, nichts über die Internetbekanntschaft erzählt habe.

Schädel mit Hammer eingeschlagen

Nach Informationen unserer Zeitung hat der heute 55-Jährige am 5. Oktober 2009 einer 47 Jahre alten Frau den Schädel mit einem Hammer eingeschlagen und sie danach erwürgt. Da die Tat im Affekt geschehen sein soll, verurteilte ihn das Landgericht Saarbrücken am 30. März 2010 wegen Totschlags zu neun Jahren Haft. Die Strafvollzugskammer setzte die Haftstrafe dann am 28. Juli 2015 zur Bewährung aus. Die Tat in Gevelsberg geschah somit in der Bewährungszeit, die bis zum 7. August 2018 galt. Auffällige Parallele in beiden Fällen: Auch damals hatte der Mann sein späteres Opfer über das Internet kennengelernt.

Der mutmaßliche Täter sitzt nach Angaben der Staatsanwaltschaft derzeit in Hagen in Untersuchungshaft. Bei Freunden und Fans der getöteten Autorin herrschen derweil tiefe Trauer und Entsetzen angesichts der brutalen Tat. Die 41-Jährige hinterlässt ein vierjähriges Kind, dass sich während der Tatzeit mit in der Wohnung aufhielt. Aufgrund einer Behinderung kann es laut Staatsanwaltschaft nicht zur weiteren Klärung des Falles beitragen.

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