Nachruf

Bekannte Gevelsbergerin Marga Kuscharski gestorben

Die Gevelsbergerin Marga Kuscharski (links) während einer Ehrung der SPD. Von 1999 bis 2004 saß sie mit einem Direktmandat im Rat der Stadt Gevelsberg und setzte starke politische Akzente. Nun ist sie verstorben.

Die Gevelsbergerin Marga Kuscharski (links) während einer Ehrung der SPD. Von 1999 bis 2004 saß sie mit einem Direktmandat im Rat der Stadt Gevelsberg und setzte starke politische Akzente. Nun ist sie verstorben.

Foto: Christian Werth / WP

Gevelsberg.  Die bekannte Gevelsbergerin Marga Kuscharski ist mit 89 Jahren gestorben. Ihr letzter Wunsch bleibt ihr wegen der aktuellen Situation verwehrt.

Ehrenamtlich überaus engagiert, politisch wie sozial aktiv, eine Frau, die Selbstlosigkeit und Bescheidenheit gelebt hat – so kannten und schätzten die Menschen Marga Kuscharski. Am Dienstag, 17. März, ist die bekannte Gevelsbergerin und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes friedlich in ihrem Zimmer im Elfriede-Hetzler-Seniorenzentrum an der Kampstraße eingeschlafen. Sie wurde 89 Jahre alt. Ihre Beerdigung sollte eine große Zusammenkunft von Menschen werden, die sich gerne an sie erinnern. Das war ihr letzter Wunsch. Wegen der aktuellen Situation wird er ihr verwehrt bleiben.

Marga Kuscharski wuchs zu Kriegszeiten in Gevelsberg auf, geboren am 9. November 1930. Sie machte eine Ausbildung zur kaufmännischen Angestellten und begann, als solche zu arbeiten. Dann lernte sie ihren späteren Ehemann Siegfried kennen.

Kanusport war großes Hobby

Die beiden heirateten 1955 und bauten gemeinsam mit ihren Eltern und der Familie ihres Bruders ein Haus in der Nelkenstraße. Hier wurden auch ihre drei Kinder Heide, Sven und Antje groß. Marga Kuscharskis Hobby war der Kanusport im KC Wetter, in dem sie mehr als 60 Jahre Mitglied und später auch Ehrenmitglied war. Hier engagierte sie sich lange Jahre ehrenamtlich. Als Jugendwartin besuchte sie 1970 mit den Jugendlichen des Vereins als erste westdeutsche Jugendgruppe Polen.

Als erste weibliche Vereinsvorsitzende eines Kanuvereins im Kanuverband-Bezirk 3 baute sie einen Teil des Bootshauses neu. Mit dem Deutschen paritätischen Wohlfahrtsverband gründete Marga Kuscharski die erste Einrichtung „Essen auf Rädern“ und brachte über Jahre hinweg für wenig Geld alten Menschen warme Mahlzeiten. Eine ganz besondere Ehre war es für sie, als der damalige Landrat des Ennepe-Ruhr-Kreises, Volker Stein, ihr 1998 das Bundesverdienstkreuz überreichte.

Im Laufe der Zeit hatte sie auch die sozialdemokratische Parteiarbeit für sich entdeckt. Sie wurde aktiv in der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) und saß von 1999 bis 2004 mit einem Direktmandat im Rat der Stadt Gevelsberg, wo sie starke politische Akzente setzte. Sie machte sich für die Errichtung der Seniorenwohnanlage „Dorf am Hagebölling“ stark, unterhielt enge Kontakte zu Gevelsbergs französischer Partnerstadt Vendôme und war die erste Vorsitzende der SPD Seniorengemeinschaft AG 60plus.

Als 2008 ihr Mann Siegfried starb, begann für Marga Kuscharski eine schwere Zeit. Ein Jahr später starb auch ihr Sohn Sven. Danach hatte sie immer häufiger mit körperlichen Einschränkungen zu kämpfen, sie erkrankte an Parkinson. Trotz vieler Operationen und künstlicher Gelenke verlor sie nie die Freude am Leben. Ihre sechs Enkelkinder und zwei Urenkel gaben ihr bis zuletzt Kraft.

Als das eigenständige Leben in ihrer Wohnung nicht mehr möglich war, zog sie nach einem Krankenhausaufenthalt Anfang 2018 in das Elfriede-Hetzler-Haus der AWo an der Kampstraße. Noch im Rollstuhl besuchte sie die Parkinson-Selbsthilfegruppe, deren Yoga-Gruppe und ungezählte AWo-Veranstaltungen im Stadtgebiet.

Würdigung ihrer Verdienste

Bürgermeister Claus Jacobi würdigt Marga Kuscharski als eine der herausragendsten ehrenamtlich und sozialpolitisch engagierten Persönlichkeiten der Stadt Gevelsberg. „Vor allem als starke und selbstbewusste Frau hat Marga Kuscharski schon in Zeiten, als Kommunalpolitik noch als „Männersache“ schien, bewiesen, dass mit Beharrlichkeit und überparteilicher Netzwerkarbeit große Dinge in Bewegung kommen können“, sagt er. „Vieles von dem, was wir heute als soziale Errungenschaften und Selbstverständlichkeiten in unserer Stadt erleben, geht verdienstvoll auf ihr Konto. Gevelsberg wird ihr dafür immer dankbar sein.“

Die Familie hat sich angesichts der derzeitigen Lage mit den Einschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus entschieden, die Urnenbeisetzung im engsten Familienkreis vorzunehmen. Die Urne wird im Kolumbarium auf dem Zentralfriedhof in Berge in die Kammer zur Urne von Kuscharskis Ehemann beigesetzt. „Ihren letzten Wunsch können wir nicht erfüllen“, bedauert Marga Kuscharskis Tochter Heide. „Die derzeitige Situation verbietet uns ein solches Treffen zu einer Trauerfeier.“

Mit Marga gehe nicht nur eine Mama, Oma und Uroma, sondern eine ganz besondere Frau. „Wir sind sehr traurig, aber dankbar für alles, was sie für uns und andere Menschen getan hat“, sagt sie und bittet: „Behaltet sie so in Erinnerung, wie Ihr sie erlebt habt. Weltoffen, politisch, solidarisch, ehrlich und warmherzig.“

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