Aufsichtspflicht

Badeunfall in Gevelsberg: Welchen Spielraum hat Jugendamt?

Das Schwimm-in in Gevelsberg: Hier ist es am Sonntag zu einem Unfall mit einem zweijährigen Jungen gekommen. Das Kind soll im Erlebnisbecken gestolpert und unter Wasser geraten sein.

Das Schwimm-in in Gevelsberg: Hier ist es am Sonntag zu einem Unfall mit einem zweijährigen Jungen gekommen. Das Kind soll im Erlebnisbecken gestolpert und unter Wasser geraten sein.

Foto: Carmen Thomaschewski

Gevelsberg.   Während des Unfalls im Schwimm-in Gevelsberg soll der Vater auf die Aufsichtspflicht hingewiesen worden sein. Kann das Jugendamt tätig werden?

Nach einem Badeunfall im Schwimm-in am vergangenen Sonntag musste der Rettungsdienst einen zweijährigen Jungen in eine Spezialklinik nach Witten bringen. Das gab heute die Feuerwehr Gevelsberg bekannt. Laut Aussage von Schwimmbadgeschäftsführer Andreas Saßenscheidt war das Kind zweimal im Erlebnisbecken gestolpert und mit dem Kopf unter Wasser geraten (wir berichteten). Das Bad-Personal habe den Vater des Kindes nach dem ersten Sturz auf seine Aufsichtspflicht hingewiesen. Kurze Zeit später sei der Junge wieder gestolpert und habe dann noch vor Ort reanimiert werden müssen.

Nach unserer Berichterstattung wurde vor allem im Internet der Ruf nach dem Jugendamt laut. Auf Nachfrage gibt die Stadt Gevelsberg eine Einschätzung des Spielraums, den das Jugendamt in so einem Fall hat.

Was muss einem Kind passieren, damit ein Jugendamt überhaupt tätig werden kann?
Das Jugendamt hat grundsätzlich eine gesetzliche Verpflichtung bei dem Anschein einer Kindeswohlgefährdung tätig zu werden.

Wenn das Jugendamt eingreifen müsste, in welcher Form würde es tätig?
Das Jugendamt würde nach entsprechender Mitteilung durch die ermittelnde Behörde Kontakt zu den Beteiligten aufnehmen und notwendige Gespräche führen. Im Rahmen dieses Gespräches würde eine mögliche Kindeswohlgefährdung gemäß der rechtlichen Vorgaben überprüft.

Wie steht es bei dem Vorfall – wie dem im Schwimm-in – um die Aufsichtspflicht? Steht der Vater hier juristisch in der Verantwortung?
Das Jugendamt hat nicht die rechtliche Aufgabe der Überprüfung einer Verletzung der elterlichen Aufsichtspflicht. Wenn dann ermittelt die Polizei zum möglichen Straftatbestand und leitet entsprechende Verfahren ein. Das Jugendamt wird entsprechend durch die Polizei oder Staatsanwaltschaft informiert und steigt kurzfristig in das gesetzlich vorgeschriebene Überprüfungsverfahren ein. Die Polizei hatte laut Sonja Wever, Pressesprecherin der Kreispolizeibehörde, bis gestern keine Kenntnis von dem Vorfall.

Wie viele Fälle gab es im vergangenen Jahr in Gevelsberg, in denen das Jugendamt Kinder aus Familien holen musste?
Im Jahr 2018 wurden 65 vorläufige Schutzmaßnahmen in Gevelsberg durchgeführt.

Keine Auskunft zu Gesundheitszustand

Zum aktuellen Gesundheitszustand des zweijährigen Kindes konnte gestern keine Auskunft gegeben werden. „Auf der Fahrt zum Krankenhaus war der Junge stabil“, sagte Peter Dietrich von der Feuerwehr Gevelsberg auf Nachfrage dieser Zeitung. Es habe keine besonderen Vorkommnisse gegeben.

Die Einsatzkräfte seien gegen 17.50 Uhr verständigt worden. Ob es sich bei dem Vater und seinem Sohn um Gevelsberger handel, wisse er nicht, so Dietrich.

Schwimmbadgeschäftsführer Saßenscheidt verwies nach dem Unfall grundlegend auf die Aufsichtspflicht der Eltern: „Als Elternteil muss man aufpassen.“

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