Umgehungsstraße

B 483n-Planung: Straßen NRW muss wieder bei Null anfangen

Die Stichstraße zwischen McDonald’s und ATU gegenüber vom Wuppermannshof: Wie konkret die Hoffnungen in das Gelingen des B 483n-Vorhabens vor Jahren schon mal waren, zeigt die Straße, die nach fünfzig Metern direkt vor dem Hang endet.

Die Stichstraße zwischen McDonald’s und ATU gegenüber vom Wuppermannshof: Wie konkret die Hoffnungen in das Gelingen des B 483n-Vorhabens vor Jahren schon mal waren, zeigt die Straße, die nach fünfzig Metern direkt vor dem Hang endet.

Foto: Andreas Gruber

Ennepetal/Schwelm.   Die Planungen für die B 483n zwischen Schwelm und Ennepetal fangen wieder bei Null an. Das liegt auch am geplanten Gefahrenabwehrzentrum.

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Die einen machen Dampf, dass es endlich was wird, die anderen wollen es mit allen Kräften verhindern. Kein Straßenbauprojekt im Südkreis hat die Menschen in den vergangenen Jahren so polarisiert, wie der Bau der Bundesstraße 483n. Jahrelang war es still darum. Als Hoffnungsträger oder Schreckgespenst geistert das Vorhaben wieder durch die Köpfe, seitdem im Entwurf zum neuen Regionalplan davon zu lesen war, dass der Landesbetrieb Straßen NRW ab 2020 weitere Planungen aufnehmen will. Das klingt nach Fortsetzung und dass das Vorhaben nun konkret werden könnte. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall.

Traum von der schnellen Verbindung

Der Traum von der schnellen Verbindung zur Autobahn lebt. Er lebt vor allem bei Unternehmern, Spediteuren und Lkw-Fahrern. Er lebt auch bei all den Anwohnern, die sich durch den Bau einer neuen Umgehungsstraße Entlastung vor der eigenen Haustür erhoffen und damit schon vor vielen Jahren auf die Straßen gingen. In Schwelm an der Hattinger Straße hängt heute noch ein Transparent, das den Bau der B 483n einfordert. „Sofort“ ist da zu lesen.

Auch die Stadt Ennepetal steht offiziell weiter voll hinter dem Projekt. In der Klutertstadt gilt nach wie vor der Beschluss vom November 2012, wonach die Planungen für den Bau der Umgehungsstraße ausdrücklich befürwortet werden.

Es gibt aber auch ganz andere Stimmen. Und die sagen, die Trasse sei ökologischer Wahnsinn und dass sie die ganze Landschaft zerstöre. Dabei geht es vor allem um den Strückerberg und das Gelände dahinter in Richtung Autobahn. Es erhebt sich auf halber Strecke und stellt die Planer vor eine Riesen-Herausforderung. Wie rüberkommen über das hügelige Areal, das sich unmittelbar hinter dem Wuppermannshof erhebt? Wie konkret die Hoffnungen in das Gelingen dieses Vorhabens vor Jahren schon mal waren, zeigt die Straße zwischen McDonald’s und ATU, die nach fünfzig Metern direkt vor dem Hang endet.

Widerstand im Schwelmer Norden

An einen Tunnel durch den Strückerberg glaubt aus Kostengründen keiner. Auch diesen Gedanken gab es mal. Wahrscheinlicher ist eine breite Schneise, die durch den Hang getrieben würde. Das wäre viel Landschaftsverbrauch für ein paar Minuten schneller zur Autobahn. Zuviel, sagen die Naturschützer, die daher lieber das Wort Landschaftsfraß verwenden.

Auf der anderen Seite des Strückerbergs, im Schwelmer Norden, in Linderhausen, gilt die Sorge nicht nur der Natur. Widerstand gegen die B 483n formiert sich dort gerade neu, weil die schnelle Verbindung zum Autobahnkreuz mehr Verkehr, vor allem Schwerlastverkehr, in den Ortsteil bringt. Die Linderhauser sehen sich schon jetzt konfrontiert mit Planspielen für eine 140 Hektar große Gewerbefläche und mit dem Ausbau des Autobahnkreuzes Wuppertal-Nord. Jedes Projekt für sich wird als eine Riesen-Belastung angesehen. Alle drei zusammen träfen den Schwelmer Norden mit voller Wucht. Das ist die Gemengelage dort.

Neue Gesetze, andere Voraussetzungen

Beim Landesbetrieb Straßen NRW sieht die Welt ganz anders aus. Dort geht es um Planungsrecht und um Umweltrecht, um Gesetze und um Vorgaben. Sie geben den Rahmen vor, was für den Planer geht und was nicht, was erforderlich und was noch zu erbringen ist, damit es mit dem Planen der B 483n überhaupt weitergehen kann.

Für alle, die nach Jahren des Planungs-Stillstands auf ein schnelles Fortschreiten setzen oder die auf die Fortsetzung der bisherigen Planungen hoffen, hat Straßen NRW eine schlechte Nachricht. „Alles, was bisher war, hat seine Gültigkeit verloren. Wir fangen wieder bei Null an“, erklärte Andreas Berg, Sprecher bei der Regionalniederlassung in Hagen.

Gefahrenabwehrzentrum liegt im Trassenbereich

Das läge vor allem daran, dass sich die Umweltgesetze verändert hätten bzw. verschärft worden seien. Außerdem seien in Oelkinghausen in den vergangenen Jahren Gewerbeflächen erschlossen worden, die dem ursprünglich angedachten Trassenverlauf jetzt im Wege stünden. Im Entwurf des neuen Regionalplanes ist der Suchraum für den Trassenverlauf schon näher an die Schwelmer Stadtgrenze herangerückt.

Und dann kommt am Strückerberg noch etwas hinzu, was die Planer momentan mit höchster Aufmerksamkeit verfolgen: das vom Kreis gewünschte Gefahrenabwehrzentrum. „Die geplante Kreisleitstelle liegt genau auf der alten Trasse“, erklärte Sprecher Berg. Was das für die kommende Planung heißt? Straßen NRW kann es noch nicht sagen.

Noch genügend Platz für die Trasse

Anders klang das am Dienstag im Ennepetaler Hauptausschuss. Auch dort kam die Frage auf, ob die Ausweisung der Flächen fürs neue Gefahrenabwehrzentrum bzw. für die neue Polizeiwache das Vorhaben der B 483n zunichte machen könnte. Mitnichten, lautete die Auskunft der Stadt. Daran habe man selbstverständlich gedacht. Für die Trasse bliebe noch genügend Platz vorhanden, war zu hören.

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