Firma Jacob

Aufregung um Erweiterungspläne für Deponie in Ennepetal

Ein Luftbild (aufgenommen vor den Rodungsarbeiten) des SJM-Firmengeländes an der Jacobstraße. Die Erweiterung der Deponie soll an der Fläche am unteren Bildrand ansetzen und sich den Hang talabwärts ziehen.

Foto: Hans Blossey

Ein Luftbild (aufgenommen vor den Rodungsarbeiten) des SJM-Firmengeländes an der Jacobstraße. Die Erweiterung der Deponie soll an der Fläche am unteren Bildrand ansetzen und sich den Hang talabwärts ziehen. Foto: Hans Blossey

Ennepetal.   Ennepetaler Firma SJM will Kapazität für Ablagerung von Bauschutt und Bodenaushub vergrößern. Die Bürger sollen nicht gefragt werden.

Die Pläne der Firma Siegfried Jacob Metallwerke GmbH & Co. KG (SJM), die auf ihrem Gelände an der Jacobstraße befindliche Deponie zu erweitern, sorgen in Ennepetal für Aufregung. Anlieger äußern die Befürchtung, dass die vorgesehene Fläche auf der anderen Seite der Ennepe oberhalb von Hülsenbecker Tal und „Platsch“ zu nah an bestehende Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete sowie den Fluss heranrückt. Auf deutliche Kritik stößt zudem das Vorgehen der Bezirksregierung Arnsberg als Genehmigungsbehörde. Diese will das Projekt im vereinfachten Verfahren durchführen. Das bedeutet, dass nur die Träger öffentlicher Belange – unter anderem die Stadt Ennepetal – einbezogen werden. Einwände von Bürgern werden dabei aber nicht berücksichtigt.

Die Firma SJM hatte nach mehrjähriger Vorplanung Ende Januar die Erweiterung der bestehenden Deponie in Richtung Tal der Ennepe sowie der angrenzenden Berghänge im Westen und Südosten beantragt. Es soll auf einer Fläche von insgesamt 3,7 Hektar eine zusätzliche Kapazität für eine halbe Million Kubikmeter „Inertabfälle der Deponieklasse 0“ (Bodenaushub und Bauschutt) geschaffen werden. Der aktuelle Deponiekörper soll dabei komplett überbaut werden.

Der Ennepe-Ruhr-Kreis hat ein Interesse an der Erweiterung, da es großflächig keinen Alternativstandort gebe. Die Firma SJM, die eine Ingenieurgesellschaft in Verbindung mit weiteren Gutachtern mit der Fachplanung beauftragte, betont, dass man alle Belange des Natur- und Landschaftsschutzes, des Forstes und es EN-Kreises berücksichtigt habe, die durch das Vorhaben berührt würden. Eine frühzeitige Beteiligung aller erforderlichen Behörden sei erfolgt.

Öffentlichkeit wird nicht beteiligt

Die Öffentlichkeit wurde erst Ende Februar/Anfang März auf das Vorhaben aufmerksam. Das Unternehmen hatte auf dem betreffenden Gelände und auf angrenzenden Flächen großflächig Bäume fällen lassen. „Das war zum Teil eine Vorbereitungsmaßnahme, da nur zu bestimmten Zeiten gerodet werden darf“, erklärt SJM-Geschäftsführer Dirk Wittmann. Zum anderen Teil habe der Förster im Zuge der Aktion kranke Baumreihen festgestellt, die dann ebenfalls gefällt worden seien.

Gudrun Schadowski, die Miteigentümerin eines Nachbargrundstücks der Deponie ist, und ihre Schwester Brunhild Meyer wandten sich an die Stadt und die übergeordneten Behörden, nachdem sie die Abholzungsaktion gesehen hatten. Sie erfuhren von den Deponieerweiterungsplänen und traten an die Politik heran, weil sie eine Verschandelung der Natur und eine Umweltzerstörung befürchten. Sie habe den Eindruck, dass das ganze Verfahren im stillen Kämmerlein einfach durchgezogen werden sollte, erklärte Brunhild Meyer gegenüber dieser Zeitung. Sie habe kein Verständnis, dass die Bürger nicht informiert und einbezogen werden.

Infoveranstaltung angekündigt

In einer Stellungnahme, die die Bezirksregierung angefordert hatte, kritisiert die Stadtverwaltung mit einhelliger Zustimmung des Stadtentwicklungsausschusses die Durchführung im vereinfachten Verfahren. „Die Wirkungen der bereits heute bestehenden Deponie sowie die mit der beantragten Erweiterung des Deponiekörpers noch deutlicheren Auswirkungen auf das Landschaftsbild und den Freizeit- und Erholungsraum der Ennepetaler Bevölkerung sind erheblich“, heißt es dazu. „Aus Sicht der Stadt ist daher eine Beteiligung der Öffentlichkeit vorzusehen.“

Auch inhaltlich äußert die Stadt Bedenken, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der geplanten Aufwertung des Hülsenbecker Tals. Durch die Aufschüttungen sei über viele Jahre hinweg „eine starke visuelle Beeinträchtigung“ zu erwarten. Schon die aktuelle Deponiefläche werde vom Tal aus als stark störend empfunden.

Die Firma SJM hat inzwischen angekündigt, in Abstimmung mit der Stadt die Öffentlichkeit zu einer Informationsveranstaltung zu den Plänen einzuladen. Der Termin soll kurz nach den Sommerferien stattfinden.

INFOBOX

Die Firma SJM, die sich mit Handel und Aufbereitung von NE-Metallen und legierten Stählen befasst sowie Kupferbasislegierungen und Kupfer-/Zink-Konzentrate produziert, betreibt seit den 1960er Jahren eine genehmigte Deponie für den EN-Kreis zur Ablagerung von Inertabfällen (Bodenaushub, Bauschutt).

Eine erste Erweiterung der Deponie wurde im Jahr 2003 genehmigt. Weil der derzeitige Deponiekörper voraussichtlich Ende dieses Jahres verfüllt sein werde, so das Unternehmen, habe man die Erweiterung um etwa 500 000 Kubikmeter Kapazität beantragt.

Entsprechend einer Bedarfsanalyse des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz belaufe sich das Restvolumen für Deponien zur Ablagerung von derartigen Abfällen in einem Radius von 50 Kilometern Luftlinie um den Standort auf 5,1 Millionen Kubikmeter, begründet das Unternehmen sein Vorhaben. Daher würden sich für den EN-Kreis in Zukunft Engpässe an Deponievolumen ergeben.

Bei einer kalkulierten Ablagerung von 80 000 bis 100 000 Kubikmetern jährlich wäre der zusätzliche Raum auf dem Jacob-Gelände nach etwa fünf bis sechs Jahren verfüllt.

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