Autismus-Spektrum-Störung

ASS: Große Nachfrage bei Sprechstunde in Gevelsberg

Menschen, die von einer Autismus-Spektrum-Störung betroffen sind, haben Probleme mit sozialer Interaktion und Kommunikation. In Gevelsberg finden sie eine Anlaufstelle.

Menschen, die von einer Autismus-Spektrum-Störung betroffen sind, haben Probleme mit sozialer Interaktion und Kommunikation. In Gevelsberg finden sie eine Anlaufstelle.

Foto: Mathias Schumacher / WAZ FotoPool

Gevelsberg.  Die Fliedner Klinik Gevelsberg bietet eine Sprechstunde für erwachsene von Autismus-Spektrum-Störung Betroffene an. Die Nachfrage ist sehr groß.

Die Fliedner Klinik Gevelsberg hat im Juni eine Spezialsprechstunde für Erwachsene mit Autismus-Spektrum-Störung (kurz ASS, früher Asperger-Syndrom genannt) ins Leben gerufen. Damit reagiert die Einrichtung in der Sudfeldstraße laut eigener Aussage auf eine große Nachfrage und wachsendes Interesse an fundierter Diagnostik, Beratung und Therapie für Betroffene. Die Termine für das ganze Jahr seien innerhalb einer Woche vergeben gewesen.

Es ist dieses Gefühl, das von ASS Betroffene zum Teil umtreibt: „Ich bin anders als alle anderen“. Es belastet sie, nicht zu wissen, warum das so ist. Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Menschen, eine veränderte Wahrnehmung und Reizverarbeitung, außergewöhnliche Interessen und Begabungen – das können Hinweise auf Autismus sein.

„Es kommen zum Teil Menschen zu uns, die haben Spielfilme wie Rain Man oder eine Dokumentation über Autismus gesehen und sich darin wiedererkannt“, erklärt Dr. Marc-Andreas Edel, Chefarzt der Fliedner Klinik. „Diese Leute hatten bis dahin Strategien, durchs Leben zu kommen“, ergänzt Oberarzt Max-Philipp Richter. Stabilisierende Systeme wie Familie oder Schule würden die Betroffenen so bis Anfang 20 tragen. „Im Beruf wird es dann schwierig“, so Richter.

Ambulantes Angebot

Die Spezialsprechstunde der Fliedner Klinik soll Betroffenen Antworten liefern. Es handelt sich um ein ambulantes Angebot, ein vergleichbares gibt es laut Marc-Andreas Edel im Ennepe-Ruhr-Kreis bislang nicht. Im Zuge von vier Terminen, die je eine Stunde dauern, wird dabei anhand von Fragebögen, Messinstrumenten oder Computertests eine Diagnose gestellt. Diese wird am letzten Termin mit den Patienten besprochen.

Anschließend erhalten diese Empfehlungen für das weitere Vorgehen, werden beispielsweise an ein Therapie-Zentrum verwiesen. „Das sind Einzelgespräche, manchmal sind aber auch Angehörige mit dabei“, sagt Dr. Edel. „Allein die Diagnosestellung hat für die Betroffenen einen entlastenden Effekt.“ Danach hätten sie und ihre Familie eine Gewissheit, was mit ihnen los sei. Auch Hilfen könnten dadurch beantragt werden.

Keine externen Patienten

Menschen mit einer Intelligenzminderung beziehungsweise einer geistigen Behinderung und zusätzlichem Verdacht auf Asperger oder ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) kann die Fliedner Klink vorerst kein Diagnostik-Angebot machen.

Auch für Patienten mit frühkindlichem Autismus (Kanner-Syndrom) oder dem Verdacht darauf hat die Einrichtung erstmal keine Möglichkeiten. „Unsere räumlichen, zeitlichen und personellen Möglichkeiten lassen dies leider nicht zu“, sagt Chefarzt Dr. Edel. Die Klinik betreue weit mehr als 1000 Patienten im Quartal ambulant. „Der Ärztemangel betrifft uns schon auch“, gibt Edel zu.

Hinzu käme, dass es sich bei der ASS-Sprechstunde für Erwachsene um ein sehr spezielles Angebot handele. „Wir müssen aber die Balance zwischen Spezialangeboten und Breitenversorgung finden.“ Die Fliedner Klinik Gevelsberg ist eine Ambulanz und Tagesklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik.

Die Spezialsprechstunde der Fliedner Klinik Gevelsberg richtet sich ausschließlich an ihre eigenen Patienten. Wer sich für die Sprechstunde interessiert, braucht eine Überweisung durch einen Facharzt.

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