Interwie der Woche

„Als Landrat trete ich nicht öffentlich auf“

Der ehemalige Landrat des Ennepe-Ruhr-Kreises, Dr. Arnim Brux, steht im Interview der Woche der Redaktion Rede und Wortwort.

Der ehemalige Landrat des Ennepe-Ruhr-Kreises, Dr. Arnim Brux, steht im Interview der Woche der Redaktion Rede und Wortwort.

Foto: Lilo Ingenlath-Gegic

Schwelm.  Der ehemalige Landrat des Ennepe-Ruhr-Kreises, der Schwelmer Dr. Arnim Brux, steht im Interview der Woche der Redaktion Rede und Wortwort.

Dr. Arnim Brux war bis 2015 Landrat des Ennepe-Ruhr-Kreises. Zuvor arbeitete er an Universitäten und im Kultusministerium. Arnim Brux spielt auch Saxophon. Dazu konnten wir ihn befragen. Während unseres Gesprächs schellt sein Mobiltelefon. Der „Klingelton“ ist ein satter Saxophon-Sound.

Wann haben Sie begonnen, Musik zu machen?

Als Kind habe ich Trompete gelernt. Das war dann aber zu Zeiten von Woodstock, den Stones, John Mayall und Jimi Hendrix eher uncool. Als wir 1969 die Schülerband „Barnabas Krumpholz“ gründeten, bin ich auf Bass und später auch auf Kontrabass umgestiegen. Wir haben viel Blues gespielt und progressive Popmusik. Im von uns Schülern und Lehrlingen gegründeten autonomen Jugendzentrum in der Hauptstraße 15 sind wir oft aufgetreten. Es gibt sogar noch Aufnahmen aus dieser Zeit.

Und wann kam das Saxophon ins Spiel?

Später habe ich mich musikalisch weiterentwickelt und bin zum Jazz gekommen. Als ich meine erste Jazz-Platte bewusst hörte, Miles Davis, mit John Coltrane, der Generationen von Saxophonisten geprägt hat, am Tenorsax, habe ich meine musikalische Seele an den Jazz und an das Saxophon verloren. In Wuppertal entwickelte sich zudem um Peter Brötzmann und Peter Kowald, zu dem ich persönlichen Kontakt hatte, eine hochkarätige Jazzszene. So war es fast logisch, dass ich Anfang der 70er Jahre mit den Schwelmern Dietrich Rauschtenberger und Gerd Birkelbach sowie einigen Wuppertaler Musikern Free Jazz oder auch improvisierte Musik hier in Schwelm spielte. Wir hatten einen selbst ausgestatteten Übungsraum in der Schule Potthoffstraße.

Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Saxophon?

Ja, als ich meine Liebe zum Saxophon entdeckte, habe ich mir ein Hüller gekauft. Ein silberfarbenes Tenorsaxophon mit einem tollen Klang. Das habe ich damals einem Profi bei einem Aufenthalt in Görlitz/DDR abgekauft. Ich besitze es heute noch, obwohl ich inzwischen ein Selmer spiele. Es könnte aus den 30er Jahren stammen, vielleicht aber auch aus den frühen 50ern. Bis 1973 habe ich auf dem Hüller gespielt.

Und danach nicht mehr?

Als ich zum Studium nach Gießen ging, habe ich anfangs noch Saxophon in einer Band an der Uni gespielt, aber nur etwa ein Jahr lang. Dann habe ich ganz aufgehört und mich auf Studium und Promotion konzentriert. Später kamen Familie, drei Töchter und der Beruf dazu, da stand das Saxophon dann im Keller.

Sie haben dann gar nicht mehr gespielt?

Erst Mitte der 90er Jahre habe ich es im Keller „wiederentdeckt“. Also etwa 20 Jahre lang habe ich nicht gespielt.

Wie geschah Ihr „Comeback“?

Ich wollte eigentlich nur Saxophon-Unterricht nehmen, um verlorene 20 Jahre aufzufrischen, aber Eckhard Lenz, Saxophonspieler und stellvertretender Leiter der Musikschule, hat mich gleich in seine „Schwelm Big Band“ geholt. Das war dann „Learning by Doing“ - kein trockener Unterricht, aber sehr fordernd. Wir hatten viele Konzerte mit dieser Big Band und haben 1998 eine CD aufgenommen. Leider verließ unser Bandleader Ekkehard Lenz die Musikschule und dann löste sich auch die Big Band auf. Ich glaube, das war im Jahr 2000.

Aber Sie hörten nicht auf, Saxophon zu spielen?

Nein, ich spielte weiter: Ich schloss mich dem Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Schwelm, später „Big Band der Schwelmer Feuerwehr“, an. Rüdiger Leckebusch arbeitete dort an einem satten Big Band-Sound. Ich habe viele Auftritte mitgemacht. Wir spielten am Haus Martfeld und bei vielen Festen. Besonderen Spaß hat es gemacht, beim Heimatfestzug auf dem Wagen durch die Stadt zu fahren. Als ich Landrat wurde, habe ich es zeitlich aber irgendwann nicht mehr geschafft. Das tat mir sehr leid.

Dann haben Sie als Landrat gar nicht mehr Saxophon gespielt?

Doch, zuhause. Wenn ich mal ein bisschen Zeit hatte, war das Saxophon-Spielen eine ideale Form der Entspannung. Es gab aber immer auch mal die Möglichkeit mit anderen Musikern zu spielen. Z.B. hatten wir mit Mitarbeitern des EN-Kreises und unserem „Chef“ Gerd Klein an der Gitarre eine kleine Band, „die bENdits“, die hat bei Betriebsfeiern beim Kreis gespielt. Oder ich habe bei Benefizveranstaltung, z.B. in der Lichtburg in Wetter mit den „Returns“ gespielt. Ich bin oft gefragt worden, ob ich nicht in anderen Formationen spielen möchte, aber ich habe mir gesagt: „Als Landrat trete ich nicht öffentlich mit dem Instrument auf.“ Heute spiele ich regelmäßig bei uns zu Hause. Ich habe mir im Keller ein kleines „Musikstudio“ gebaut, und mit der modernen Technik kann ich meine eigene Band aufnehmen, wenn ich nacheinander Saxophon, Bass und Gitarre spiele. Das Saxophon als Instrument macht mir riesigen Spaß. Ich verstehe mich aber als Musikant, ich bin kein Musiker mit professionellen Ansprüchen. Musik muss vor allem Spaß machen.

Möchten Sie denn nicht gern wieder in einer Band spielen?

Das möchte ich schon gern, aber es ist schwer, die passende Gruppe zu finden. Es muss vom Alter her ein wenig passen und vom Stand des musikalischen Könnens. Vor allem ist die Musikrichtung wichtig. Da wären Jazz und Blues das Richtige.

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