Gehölzpflege

Einwohner und Bürgermeister entsetzt über Rodung an Straßen

Hunderte, wenn nicht tausende Bäume sind allein Gevelsberg, Schwelm und Ennepetal gefallen. „Darunter zahlreiche kerngesunde“, sagt Gevelsbergs Bürgermeister Claus Jacobi, der extrem sauer über die Arbeiten ist. Foto: Stefan Scherer

Hunderte, wenn nicht tausende Bäume sind allein Gevelsberg, Schwelm und Ennepetal gefallen. „Darunter zahlreiche kerngesunde“, sagt Gevelsbergs Bürgermeister Claus Jacobi, der extrem sauer über die Arbeiten ist. Foto: Stefan Scherer

Gevelsberg/Schwelm/Ennepetal.   Gehölzpflege oder Kahlschlag? Im EN-Südkreis verschwinden massenhaft Bäume an den Straßen. Gevelsbergs Bürgermeister macht seinem Ärger Luft.

Erst die gute Nachricht: Wer über den Stückerberg fährt, genießt nun einen Blick auf die Stadt Gevelsberg, wie es ihn lange nicht mehr gegeben hat. Kein Baum versperrt die Aussicht. Viel mehr Lob haben die Menschen für den Kahlschlag entlang der Straßen in Schwelm, Gevelsberg und Ennepetal allerdings nicht übrig.

„Mir fehlen die Worte. Etwas, das als Gehölzpflegemaßnahme angekündigt wurde, hat zum Ergebnis, das kein Strauch und kein Baum mehr stehen“, macht der Gevelsberger Bürgermeister Claus Jacobi seinem Ärger Luft, darüber, wie sich die Ortseingänge nach der Maßnahme des Landesbetriebs Straßen NRW nun darstellen. Dessen Pressesprecher Andreas Berg hält dagegen und führt die Verkehrssicherungspflicht als Hauptargument für die Maßnahme an.

Aus Gehölzschnitt werden Häcksel und Brennholz

Seit Tagen sind die schweren Maschinen des Forstbetriebs Abraham aus Engelskirchen auf den Straßen unterwegs. Nach Gevelsberg, Ennepetal und Schwelm folgt als nächstes das Sprockhöveler Stadtgebiet. Während Strauchwerk und kleine Bäume umgehend gehäckselt werden, bleiben die dicken Stämme erhalten. Die Häcksel werden an Biokraftwerke verkauft, wo sie für Ökostrom verbrannt werden. Aus den Stämmen wird Brennholz.

Andreas Berg: „Es geht darum, kranke und alte Bäume sowie solche, die Schneelasten nicht tragen können, zu entfernen, um die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten.“ Die Maßnahme geschehe unter Aufsicht eines Straßen NRW-Mitarbeiters, die Firma Abraham halte sich an die Vorgaben. Doch aus welchem Grund sind dann ganze Allee-Streifen verschwunden? „Wir geben in jedem Jahr 23 Millionen Euro in NRW für die Grünpflege aus. Ein noch kleinteiligeres Arbeiten ist damit nicht möglich. So kann es durchaus passieren, dass vereinzelt Bäume dabei sind, die vielleicht nur hätten gepflegt werden müssen“, sagt der Sprecher des Landesbetriebs.

Gewinn durch Verkauf schon eingepreist

Die Firma Abraham habe den Gewinn durch den Verkauf vorher eingepreist und werde keinen Baum mehr wegschneiden, als Straßen NRW erlaube. „Natürlich sieht das erstmal extrem schlimm aus, aber in zwei bis drei Jahren sieht man davon gar nichts mehr“, sagt Berg. Die Bäume würden nämlich nur auf den Stock gesetzt und neue Triebe entwickeln.

Für Claus Jacobi stellt sich die Situation anders dar: „Hier sind zahlreiche, Jahrzehnte alte und gesunde Bäume, die keinerlei Gefährdung darstellten, abgeholzt worden.“ Das Wild könne nun ungebremst die Fahrbahnseite wechseln. Was er außerdem moniert: „Straßen NRW muss dies zwar nicht tun, aber der Anstand hätte es aus meiner Sicht geboten, uns über diese tief greifenden Maßnahmen im Vorfeld in Kenntnis zu setzen.“

Grünstreifen gepflanzt - Gehölz geschnitten

Zudem ist es für ihn nur schwer verständlich, dass direkt neben dem Grünstreifen, den die Stadt Gevelsberg als Kompensation für das Gewerbegebiet im Winkel pflanzen musste, auf beiden Seiten kein einziger Strauch mehr steht.

„Baumschutzsatzungen gelten für Straßenbegleitgrün nicht“, sagt Andreas Berg. Außerdem sei es für Straßen NRW nicht möglich, bei jeder Maßnahme die Kommune in Kenntnis zu setzen. „Umgekehrt geschieht das ja auch nicht, wenn die Städte auf ihrem Gebiet an unseren Straßen arbeiten“, sagt der Sprecher, der die Gehölzpflege im Vergleich zu den Vorjahren nicht als tiefgreifender beschreibt.

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben