Jubiläum

50 Jahre Nachtlokal in Schwelm, nicht Puff

Die Gäste von Burkhard Eller lieben Whiskey. Am 1. Mai feiert der Wirt vom „Le Bistro“ sein 50. Geschäftsjubiläum – alles zum halben Preis.

Die Gäste von Burkhard Eller lieben Whiskey. Am 1. Mai feiert der Wirt vom „Le Bistro“ sein 50. Geschäftsjubiläum – alles zum halben Preis.

Foto: Bernd Richter

Schwelm.   Burkhard Eller ist gelernter Groß- und Außenhandelskaufmann. Seine Passion hat der gebürtige Schwelmer aber als Wirt vom „Le Bistro“ gefunden

Im „Le Bistro“ scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Und das im positivem Sinn. Der große Stoff-Teddy „Teddy“ in der Ecke, der Sparschrank des Spar-Clubs an der Wand, die großformatige Nachtaufnahme der Champs-Elysées mit dem Triumphbogen im Hintergrund – im Grunde genommen das gesamte, liebevoll zusammengestellte Inventar der Kneipe im Haus Bahnhofstraße 31 ist seit Jahrzehnten unverändert. Genau wie Burkhard Eller. „Die Ausstattung ist ja auch schon Kult, da werden mir die Stammgäste böse, wenn ich daran etwas ändere“, lacht der Gastwirt, der am 1. Mai mit seinem Nachtclub 50-jähriges Bestehen feiern kann. Ab 19 Uhr will er das runde Datum mit den Gästen begehen. „Alle Getränke gehen an diesem Tag zum halben Preis über die Theke“, verspricht der 74-Jährige.

Seit Jahrzehnten ein treuer Begleiter: der Teddy „Teddy“. Foto: Bernd Richter Sperrstunde umgangen

Burkhard Eller ist gemeinsam mit Ehefrau Christina das Gesicht von „Le Bistro“, Schwelms ersten und auch einzigen Nachtclub. Wer jetzt an ein halbseidenes Etablissement denkt, dem erteilt der Ur-Schwelmer eine klare Absage. Sein Geschäftsmodell geht noch auf eine Zeit zurück, als nicht nur in Schwelm noch die Sperrstunde galt und Lokale um 1 Uhr nachts die Türen absperren mussten. „Ich wollte einfach ein Bierlokal haben, das lange auf ist, keinen Puff.“

Geschlossene Türen gab es zwar auch im „Le Bistro“, aber es war ein offenes Geheimnis, dass es in dem Nachtclub noch eine (offene) Hintertür in der Herren-Toilette gab. Das wussten die Stammgäste, das wusste auch der einstige Stadtdirektor Jürgen Kulow, der mit seiner weiblichen Begleitung durch das Herren-WC zu nachtschlafender Zeit den Weg an die Theke von „Le Bistro“ fand, und das wussten auch Ordnungsamt und Polizei. „Die Behörden hätten mir den Laden dicht machen können, aber die wussten auch: bei mir gibt es keine Randale, keinen Lärm. Und ich hatte nie Stress mit den Nachbarn“, erzählt Burkhard Eller.

Gäste im Bierkeller versteckt

Einmal war es allerdings doch so weit, die Polizei marschierte an der Bahnhofstraße auf zu einer Razzia – für den Wirt jedoch ohne teure Konsequenzen. „Ich hab die 20 Gäste einfach im Bierkeller versteckt. Der lag in einem Nachbarhaus quer über dem Hof, wie praktisch“, lacht Burkhard Eller noch heute über diese Episode.

„Aus 5 Jahren sind 50 geworden. Es war eine gute Zeit“, kann es Burkhard Eller selbst kaum glauben, dass er immer noch als Gastwirt durchs Leben schreitet. In Schwelm ist er mit Wirtin Ilse Dumke wohl der am längsten gediente Gastronom. Die Eigentümerin der Gaststätte „Zur Oberstadt“ führt die Messlatte an und kann in diesem Jahr sogar auf 55 Jahre hinter der Theke zurückblicken.

Dabei hatte Burkhard Eller sein Leben eigentlich anders geplant. Nach der Ausbildung zum Groß- und Außenhandelkaufmann ging es ihm ums Geldverdienen. „Ich wollte fünf Jahre machen und dann zurück in meinen Beruf“, erinnert sich Eller. Manch einer sah sein Engagement als Gastronom noch viel kritischer als er selbst, z.B. Dr. Walter Prestel. Der einstige Geschäftsführer der Brauerei Schwelm prophezeite dem Nachwuchs-Wirt ein halbes Jahr. Dann würde er Schiffbruch erleiden.

Das mit dem Geldverdienen klappe, sogar für ein Haus in der Ernst-Adolf-Straße blieb noch Geld übrig und das, obwohl die Kneipen-Szene in Schwelm mit 120 Gaststätten früher eine ganz andere war. „Die Konkurrenz war auch damals stark. Aber jeder hatte sein Auskommen“, erinnert sich Eller. Heute könne man die Anzahl der Kneipen in Schwelm an zwei Händen abzählen, bedauert er das Kneipensterben vor Ort.

Ans Aufhören nach all den vielen Jahren hinter der Theke hat Burkhard Eller auch schon gedacht. Doch die Gedanken schnell wieder beiseite gewischt. Ein Nachfolger sei nicht in Sicht. „Heute kann man von dem Job keine Familie mehr ernähren. Aber die Kneipe ist ein Teil von mir. Man hat Abwechselung und viele Bekanntschaften,“ sieht er auch seine Vorteile im Berufsleben.

Apropos Berufsleben: Das hat sich geändert, wie übrigens auch das Publikum. Das ist zwar noch zu über 70 Prozent männlich, aber nicht mehr so ausdauernd wie früher. Und Stammkunden schauen auch nicht mehr dreimal pro Woche vorbei, sondern pausieren schon mal, erzählen dann aber wie in alten Zeiten gerne von Sport, Familie, Frau und Geliebter. „Das Aufheben der Sperrstunde war schlecht fürs Geschäft. Früher durften die Gäste nicht bis in den frühen Morgen bleiben, aber der Reiz war da. Heute dürfen sie, aber wollen nicht mehr“, so Eller. Statt erst im Morgengrauen, schließt Eller heute meist um 2 Uhr in der Früh seinen Laden ab. Die gewonnene Freizeit nutzt der Wirt auch dazu, um mit seiner Frau die heimische Landschaft auf dem Rad zu erkunden.

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