Unwetter
Jessica Leppla und Matthias Schaub von der Gevelsberger Feuerwehr hätten am Donnerstag ihre Lebzeitverbeamtung erhalten sollen. Das wurde um einen Tag verschoben. Hier stehen sie vor der Tafel, die die Einsätze am Chaostag auflistet.

Jessica Leppla und Matthias Schaub von der Gevelsberger Feuerwehr hätten am Donnerstag ihre Lebzeitverbeamtung erhalten sollen. Das wurde um einen Tag verschoben. Hier stehen sie vor der Tafel, die die Einsätze am Chaostag auflistet.

Foto: WP

Schwelm/Gevelsberg/Ennepetal.  Am Tag nach dem schlimmen Unwetter zogen die Menschen in den einzelnen Städten Bilanz des Regen- und Sturm-Chaos’. Diese fällt durchaus unterschiedlich aus.

Schwelm

„Wir sind noch einmal glimpflich davon gekommen“, so das Resümee von Thomas Striebeck, Leiter des Immobilienmanagements der Stadt Schwelm, nach dem Starkregen vom Donnerstag. Das schwere Unwetter hatte zwar auch in der Kreisstadt zahlreiche Keller unter Wasser gesetzt, aber große Schäden an städtischen Gebäuden gab es nicht. Bis auf eine Ausnahme. Auf der Rangierfläche der Feuerwache August-Bendler-Straße wurde auf 15 Metern Länge der Randstein unterspült, ein Teil des Asphalts brach ein. Hier ist dringender Handlungsbedarf.

Dennoch ist die Liste der durch Wasserschäden betroffenen städtischen Gebäude lang: an der Grundschule Engelbertstraße drang Wasser in den Heizungskeller, ebenso in den Musikraum der Gustav-Heinemann-Schule und in die Turnhalle. Der Keller im Altbau des Märkischen Gymnasiums war ebenfalls betroffen wie auch der vom Stadtarchiv in der Pestalozzischule genutzte Archivraum. Ein Teil des eingelagerten Materials wurde nass. Und im Pädagogischen Zentrum kamen wie auch in der dortigen Umkleide der Sporthalle Deckenplatten herunter. Im Hallenbad-Keller bekamen die Mitarbeiter nasse Füße und in den Lastenaufzug der Gastronomie im Haus Martfeld war Wasser.

Gevelsberg


Der Blick auf die Einsatztafel in der Feuerwehr-Hauptwache in Gevelsberg lässt nur erahnen, was am Donnerstag bei der Wehr los war. Minutiös, im wahrsten Wortsinn, hat der sechs Mann große Stab in der Leitstelle festgehalten, wann welcher Notruf reinkam, wo und wie die Wehr den Kampf gegen die Wassermassen aufgenommen hat.

65 Einsätze in nur wenigen Stunden. Lebensgefahr für Menschen, hoher Sachschaden, vollgelaufene Keller: Die mehr als 100 Blauröcke und Mitarbeiter des THW mussten Prioritäten setzen, manch ein Bürger Geduld mitbringen. Die wohl gravierendsten Schäden: der Deckeneinsturz bei ABC, die vollgelaufenen Tiefgarage am Schwarzen Weg, Rohbauten, die unter Wasser standen. Die Schlamm geflutete Werkshalle der Firma Bümi oder auch der abendliche Einsatz am Gut Rocholz, wo gleich zwölf Wohnungen unter Wasser standen. „So tragisch jeder einzelne Fall für die Betroffenen ist“ – über alles hätte die Wehr die Lage gut im Griff gehabt, zieht Bürgermeister Claus Jacobi Bilanz. Der Pegelstand der Ennepe kletterte in nur zwei Stunden um 1,5 Meter. Die Kosten für betroffene Unternehmen und Bürger ließen sich derzeit nicht seriös beziffern – die Kosten für die Stadt Gevelsberg setzt Jacobi aber nur bei rund 10.000 Euro an.

Ennepetal

Auch in Ennepetal hatte die Wehr alle Hände voll zu tun. 49 Einsätze arbeiteten die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter zwischen 13.30 und 20.30 Uhr ab. Vollgelaufene Keller, darunter einer mit aufgeschwemmtem Heizöltank, überflutete Fahrbahnen, umgestürzte Bäume und abgebrochene Äste beschäftigten die 73 Kräfte der Hauptwache sowie aller drei Löschzüge, die von Einsatzstelle zu Einsatzstelle eilten. Zwei Mitarbeiter besetzten die Zentrale. Unter Wasser stand auch die Tankstelle an der Neustraße, im Bereich Voerder/Friedrichstraße mussten Sandsäcke verbaut werden, nachdem dort Keller besonders stark vollgelaufen waren.

Die Schadensbilanz der Stadt falle glimpflicher als erwartet aus, sagte Pressesprecher Hans-Günther Adrian gestern auf Anfrage unserer Zeitung. Am Härtetesten habe es wohl die Grundschule Altenvoerde getroffen. Dort war eine Decke durchnässt und Wasser stand sogar in den Lampenschirmen. Eine Firma nahm gestern Messungen vor und setzte Trocknungsgeräte ein. Zudem überprüfte ein Elektroinstallateur die Leitungen. Der Ganztagsbetrieb muss bis auf Weiteres in andere Räume ausweichen, die Turnhalle wird in der kommenden Woche gesperrt bleiben. Auch an den weiteren Grundschulen, der Albert-Schweitzer-Schule, der Hauptschule Friedenshöhe und den Kindergärten gebe es Wasserschäden, so Adrian, diese hätten sich allerdings als nicht so gravierend herausgestellt.

Weil die Rahlenbecke über die Ufer trat, kam es entlang der B7 zu Ausspülungen. Im Bereich des Rahlenbecker Tunnels ist daher einseitig der Bürgersteig gesperrt. Schotter und Dreck liegen darüber hinaus auf vielen Straßen. „Die Kehrmaschine wird in den nächsten Tagen noch in der Stadt unterwegs sein“, so Adrian. Es würden sich dann vermutlich auch noch einige Schäden auftun, die jetzt noch nicht erkennbar seien

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