Ausstellung

Was die Niederrheinische Bau Keramik in Emmerich herstellte

Mieke Michelbrink (links)  führt durch die Ausstellung „Scherben aus Emmerich - Die Keramik der NBK“.

Mieke Michelbrink (links) führt durch die Ausstellung „Scherben aus Emmerich - Die Keramik der NBK“.

Foto: Thorsten Lindekamp / Funke Foto Services GmbH

Emmerich.  Mieke Michelbrink war 40 Jahre in der Produktion tätig. Bei der Führung in der Galerie in Emmerich erinnerte sie an viele besondere Einzelstücke.

,,NBK“- in Emmerich und Umgebung kennt wohl jeder die Abkürzung. Sie steht für ,,Niederrheinische Bau Keramik“.

Die Ausstellung im Haus im Park´ gibt derzeit einen Einblick in die Produktion der letzten Jahrzehnte. Erste Anfänge der Keramikarbeiten gab es bereits in den 30er Jahren. Damals, so der Vorstand des Emmericher Kunstvereins Werner Steinecke Werner Steinecke, wurde überwiegend Küchenkeramik hergestellt. Doch dabei blieb es nicht. Es wurde Ausschau nach renommierten Künstlern gehalten. Zahlreiche Künstler wie der Emmericher Hein Driessen, aber auch etliche andere Künstler wie Rosemarie Nöcker aus Düsseldorf, Bernd Terhorst aus Elten und Dieter von Levetzow ließen ihre Arbeiten bei der NBK brennen oder entwarfen für sie.

NBK war auch am Wiederaufbau beteiligt

Die NBK war auch beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg an viele Bauten und Projekte beteiligt. In der Galerie sind momentan viele verschiedene Keramikarbeiten zu finden. Darunter Teller aus Kupfer, Keramikvasen, wobei man sich bei der Herstellung an Arbeiten aus Mauretanien orientiert hatte und an Linienführungen im Stil der 50er Jahre.

Doch nicht nur kunstvoll aufwendige Keramiken sind zu bestaunen, genauso auch schlichte, klassische Keramiktassen im Bauhausstil. Genauso lassen sich Band- und Ritzkeramik in den Vitrinen der Galerie bestaunen. Werner Steinecke erzählte zudem einiges über Reliefarbeiten von Horst Geldmacher aus den Ende der 60- und 70er Jahren.

Den zweiten Teil der Führung bestritt Mieke Michelbrink. Sie war über 40 Jahre in der Produktion der NBK tätig, wo besondere Einzelstücke hergestellt und mit ihnen zahlreiche Sonderausstellungen bestückt wurden.

Die Farben der Keramiken entsprachen dem Zeitgeist

Mieke Michelbrink schwelgte in Erinnerungen: ,,Mal waren Keramiken in Blau beliebt, dann in Bunt, auch mal in Braun.“ Zu den Sonderaufträgen zählten Reliefs für Elisabeth Reintjes, Keramiken für einen Golfverein oder für Silber- und Goldhochzeiten.

Doch die Hauptschiene der Keramikbaufirma bestand aus Fliesen. Mal wurden Fußböden, mal öffentliche Gebäuden, mal Wandgestaltung mit ihnen bestückt.

Irgendwann fanden Bestellungen auch über Kataloge statt. ,,Die ganzen Keramikarbeiten trafen äußerlich den Zeitgeist der jeweiligen Zeit, in der sie hergestellt wurden“, betonte Werner Steinecke.

Bis 1991 war die Auftragslager der NBK hervorragend. Doch dann änderte sich vieles. ,,Die Konkurrenz wuchs, besonders Chinas Wirtschaft war ein großer Gegner. Massenanfertigungen waren günstiger und gingen schneller, somit wurden diese auch immer beliebter. Aber auch mehrere Stoffe wie Kupfer, Uran und Blei galten als giftig und durften nicht mehr für die Produktion genutzt werden. Wichtige Arbeiten entfielen damit“, erinnert sich Mieke Michelbrink. Auch verringerte sich die Anzahl wichtiger Rohstoffe, damit konnte die NBK nicht mehr große Aufträge entgegennehmen. Dennoch sind die Keramiken der letzten Jahren tolle, sehenswerte Kunststücke.

>>Zur Geschichte der NBK

Die Niederrheinische Bau Keramik mit Sitz in Vrasselt wurde 19932 von den Brüdern Heinz und Josef Heimann gegründet. Heimann hatte zuvor eine Ausbildung zum Keramikingenieur absolviert. Unmittelbar nach Firmenübernahme startete Jupp Heimann mit der Arbeit an der bis dahin nicht produzierten Feinkeramik. Erste Versuche sind Küchengefäße gewesen, die bis heute gut erhalten sind. Darauffolgend wurden Vasen, Krüge, Schalen, Tabaktöpfe und Fliesen nach niederländischem Stil hergestellt. Es wurde gebrannt, glasiert und sogar bemalt. Hiermit entstand neben der Baukeramik auch das zweite Standbein, die Feinkeramik am Niederrhein.

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