Interview

„Schwarze Schafe gibt es überall“ – Interview mit dem Präsidenten der Freeway Rider’s Emmerich

Ralf "Semi" Sembach, Präsident der Freeway Rider's in Emmerich.

Ralf "Semi" Sembach, Präsident der Freeway Rider's in Emmerich.

Foto: Marc Albers

Emmerich.   Seit fünf Jahren gibt es den Motorrad-Club "Freeway Rider’s" in Emmerich. Präsident Ralf „Semi“ Sembach spricht im Interview über Brüderlichkeit und Taubenzüchter, Feindschaften, Panikmache und Kaffeefahrten.

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Sie fahren schwere Maschinen, tragen Lederkutten mit Totenkopf-Symbol und sehen für viele ein bisschen gefährlich aus. Seit fünf Jahren hat der Motorrad-Club „Freeway Rider’s MC Germany“ auch einen Unter-Verein in Emmerich. Zum Geburtstag hat sich die NRZ mit dessen Präsidenten Ralf „Semi“ Sembach getroffen. Ein Gespräch über Brüderlichkeit und Taubenzüchter, Feindschaften, Panikmache und Kaffeefahrten.

Fünf Jahre in Emmerich. Fühlen sich die „Freeway Rider’s“ hier wohl?Fünf Jahre in Emmerich. Fühlen sich die „Freeway Rider’s“ hier wohl?

Ralf Sembach:Ja. Vorurteile begegnen uns nur selten, wir haben ein gutes Verhältnis zu den Ämtern und auch mit der Polizei keine Probleme. Und das, obwohl in den Medien „Rocker“ oft überhaupt nicht gut wegkommen.

Es geht um die Diskussionen um Clubs wie die Bandidos und Hells Angels?

Sembach: Es geht darum, dass alle Motorradclubs über einen Kamm geschoren werden. Keiner behauptet, dass immer alles Friede, Freude, Eierkuchen ist. Aber die Medien übertreiben gerne. Wir respektieren und achten jeden, der uns auch Respekt entgegenbringt.

Aber es gibt Kriminelle in der Szene?

Sembach: Schwarze Schafe gibt es überall. Bei uns genauso wie bei Kegelclubs und Taubenzüchtern.

Aber Taubenzüchter bringen sich nicht gegenseitig um.

Sembach: Damit ist wohl die Tötung eines Bandido vor rund drei Jahren in Duisburg gemeint. Meines Wissens nach ist da ein Beziehungsstreit eskaliert. Das hatte mit den Clubs in erster Linie nichts zu tun.

Feindschaften unter den Clubs gibt es aber?

Sembach: Das mag sein. Wir sind auf jeden Fall neutral. Ich vergleiche das mal mit Staaten: Auch da gibt es Streitigkeiten und Meinungsverschiedenheiten, aber nicht alle arten in einen Krieg aus. Man setzt sich vielmehr zusammen und findet Lösungen.

Die Bandidos haben einen Chapter in Kleve. Und Emmericher sollen sie unterstützen.

Sembach: Es gibt Bandidos in Kleve, und Freunde von ihnen wohnen auch in Emmerich, das stimmt. Aber daran ist nichts Schlimmes. Viele verfallen mittlerweile in Panik, wenn sie Motorradfahrer in Kutten sehen. Aber wie ich schon sagte: Die Kriminellen sind schwarze Schafe, die es überall geben kann. Sie repräsentieren nicht die Mehrheit der Rockerclubs.

Was ein Rocker beruflich macht 

Es gibt ja nicht nur Kritiker und Skeptiker. Viele sind nach wie vor fasziniert vom Bild des freiheitsliebenden Rockers, der auf einsamen Landstraßen unterwegs ist, nicht wissend, welches Abenteuer hinter der nächsten Biegung auf ihn wartet.

Sembach: Die Leute muss ich leider enttäuschen. Klar machen wir Touren, aber für viele ist es Hobby. Wir haben alle einen Job und Familie und deshalb wenig Zeit, jeden Tag durch die Welt zu düsen. Und der Rücken und der Hintern machen das auf Dauer auch nicht mehr mit. Man(n) wird halt älter.

Was machen die Club-Mitglieder denn, wenn sie nicht unterwegs sind?

Sembach: Wir treffen uns einmal in der Woche in unserem Clubhaus und planen das Wochenende, Fahrten zu anderen Clubs und Chaptern oder auch nur „Kaffee-Fahrten“. Und wir arbeiten am Clubhaus. Das muss ja auch in Schuss gehalten werden.

Und was macht ein Rocker beruflich?

Sembach: Ich koche seit 27 Jahren Lakritz und Fruchtgummi bei Katjes. Auch meine Kollegen im Club haben alle Arbeit, niemand ist arbeitslos.

Und alle stehen mit Leidenschaft für den Verein ein?

Sembach: Ja. Der Club, das ist für uns Familie. Wir sind Freunde, ja sogar Brüder, stehen füreinander ein, helfen uns. Uns verbinden Ehre und Respekt, Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit. Es ist nicht nur Hobby, sondern auch Lebenseinstellung. Besser kann ich es leider nicht beschreiben.

Die Leidenschaft für Motorräder wurde vererbt?

Sembach: Eher nein. Meine Eltern waren in keinem Motorradclub. Mein Vater war Polizist und ist als solcher auch Motorrad gefahren. Er kannte also auch den Zusammenhalt unter Motorradfahrern. Auch wenn ich Mist gebaut habe, hat er immer zu mir gestanden. Nur an die Tätowierungen musste er sich erst gewöhnen.

Rocker kann jeder werden, der will?

Sembach: Wer Mitglied in unserem Club werden will, mit Leidenschaft dabei ist, sich mit unserer Einstellung zu Freundschaft und Gemeinschaft identifizieren kann, ist herzlich willkommen. Ach ja: Führerschein und eine Maschine mit mindestens 500 Kubik muss er natürlich auch haben. Wer allerdings denkt, er könne hier die Sau rauslassen, braucht gar nicht erst bei uns anzuklopfen.

Nachwuchs gibt’s genug?

Sembach: Leider nein. Die Jugend von heute kann mit uns oft nichts anfangen. Die Lebenseinstellungen haben sich geändert und vielen ist der Motorradführerschein einfach zu teuer. Das ist schade, aber nicht zu ändern.

Trotzdem: Auf die nächsten fünf Jahre?

Sembach: Ja klar.

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