Soziales

Emmericher Tiertafel muss raus und steht vor dem Aus

Kerstin Arntzen (v.l.), Jörn Bartel und Manuela Sheik bedauern, dass die Tiertafel wahrscheinlich Ende Juli schließen wird.

Kerstin Arntzen (v.l.), Jörn Bartel und Manuela Sheik bedauern, dass die Tiertafel wahrscheinlich Ende Juli schließen wird.

Foto: Thorsten Lindekamp / Funke Foto Services GmbH

Emmerich.  Die von der Tiertafel genutzte Immobilie an der Bahnhofstraße wurde verkauft. Die Ehrenamtlichen wollen Ende Juli einen Schlussstrich ziehen.

Wenn kein Wunder geschieht, dann ist Ende Juli Feierabend. Vor 18 Monaten hat in Emmerich die Tiertafel neu eröffnet, doch jetzt sehen die Initiatoren Kurt Berndsen, Jörn Bartels, Manuela Sheik und Kerstin Arntzen kaum noch eine Möglichkeit, die Spenden an Bedürftige zu verteilen. Ihre Unterkunft an der Bahnhofstraße wurde verkauft und der neue Mieter möchte das ehemalige Ladenlokal zum Jahresende nutzen. Die Konsequenz: „Ich gehe davon aus, dass wir am 27. Juli zum letzten Mal öffnen werden“, so Berndsen.

Anlaufstelle für viele Menschen

Für viele Bedürftige in der Stadt – für Arbeitslose und ältere Menschen mit kleinem Einkommen – habe sich die Tiertafel zu einer richtigen Anlaufstelle entwickelt. Zwei Mal im Monat standen die Ladentüren für jeweils drei Stunden offen. Monatlich habe man 150 Kilo Trockenfutter, 150 Kilo Nassfutter, Leckerchen, und Katzenstreu (bis zu 300 Kilo) über die Ladentheke geschoben. Die meisten Spenden kamen von den Unternehmen Von Gimborn aus Emmerich und Mera Vital aus Kevelaer.

Eigentümer fühlt sich ungerecht behandelt

Offiziell könnte die Tiertafel noch bis zum Jahresende die Räumlichkeiten nutzen. Aber Berndsen habe so keine Lust mehr, sagt er. Er fühlt sich vom Eigentümer des Gebäudes getäuscht. „Das war eine richtige Hiobsbotschaft. Wir waren seit dem 28. Juni hier drin und am 1. Juli hörten wir, dass das Gebäude verkauft wird. Das hätte uns der Eigentümer vorher sagen müssen“, so Berndsen.

Der Eigentümer ist Wilhelm Koopmann. Der NRZ teilt er mit, dass er Kurt Berndsen bereits vor drei Monaten darauf hingewiesen habe, dass bei einem Verkauf der Immobilie die Tiertafel sich etwas Neues suchen müsse. Jetzt habe er kurzfristig die Immobilie verkaufen müssen, habe aber immerhin noch erwirkt, dass die Gruppe bis zum Jahresende dort bleiben könne.

„Ich finde es jetzt nicht fair und angemessen als Buhmann hingestellt zu werden“, sagt Koopmann. Bis auf den heutigen Tag habe die Tiertafel keinen Cent für die Räume zahlen müssen. „Ich habe mich auch engagiert und habe geholfen, Dinge einzuräumen. Das mache ich doch nicht, wenn ich die Gruppe drei Tage später rauswerfen möchte.“

Eine geeignete Immobilie sei in Emmerich trotz des Leerstandes nur schwer zu bekommen. Die Tiertafel benötige zwei Räume und eine vertragliche Zusicherung, dass man dauerhaft dort bleiben könne, sagt Berndsen. Bisherige Mietangebote hätten zwischen 450 und 600 Euro gelegen, doch das sei zu viel für die ehrenamtliche Gruppe.

Der soziale Aspekt sei wichtig

Die Stadt Emmerich hat bislang noch keine Anfrage von der Tiertafel erhalten. Sprecher Tim Terhorst sagt, dass die Stadt auch keine Immobilien selbst besitze, sondern nur vermittelnd tätig werden könne. „Wir sind auch auf bestehende Netzwerke angewiesen“, so Terhorst.

Jörn Bartels sieht vor allem auch den sozialen Aspekt der Tiertafel. Gerade ärmere und ältere Menschen klammerten sich an ein Haustier. Daher sei es enorm wichtig, dass man gerade dieser Gruppe ein Haustier ermögliche. Die Tiertafel wird von 200 Kunden genutzt.

Einzige Tiertafel im Kreis Kleve

Die Emmericher Tiertafel ist die einzige Einrichtung dieser Art im Kreis Kleve. Sie war zuvor an der Ölstraße beheimatet und musste dort die Räumlichkeiten aus Platzgründen aufgeben.

Wer Kontakt zur Tiertafel sucht, der kann sich telefonisch unter
02823/9285242

melden oder auch eine E-Mail schreiben an die Adresse: kb266@web.de.

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