Durchsuchungen

Anti-Terror-Einsätze in Emmerich und Dortmund

Polizisten sperren die Straßen vor einer Flüchtlingsunterkunft in Emmerich. Nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt haben Polizisten das Flüchtlingsheim durchsucht. Foto: dpa

Polizisten sperren die Straßen vor einer Flüchtlingsunterkunft in Emmerich. Nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt haben Polizisten das Flüchtlingsheim durchsucht. Foto: dpa

Dortmund/Emmerich  In einer Flüchtlingsunterkunft in Emmerich hat die Polizei am Donnerstagmorgen den Tunesier Anis Amri gesucht. Durchsuchungen auch in Dortmund.

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Bei der Fahndung nach dem mutmaßlichen Weihnachtsmarkt-Attentäter durchkämmen die Ermittler das Umfeld des verdächtigen Tunesiers Anis Amri. Nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt haben Polizisten am Donnerstagmorgen eine Flüchtlingsunterkunft in Emmerich durchsucht. Die Aktion, an der schätzungsweise 100 Beamte beteiligt waren - darunter Spezialeinsatzkräfte - war nach etwa einer Stunde beendet. Der im Zuge des Terroranschlags in Berlin gesuchte Tunesier Anis Amri war in Emmerich in der Asylbewerberunterkunft an der Tackenweide untergebracht.

Panne: Offenbar Tippfehler im Durchsuchungsbeschluss

Bereits am Mittwoch hatten in der Nähe des Heimes Dutzende Polizisten Position bezogen. Am Nachmittag kam dann heraus, dass die etwa 150 zusammengezogenen Einsatzkräfte noch keine Durchsuchung durchführen konnten, weil der Durchsuchungsbeschluss offenbar fehlerhaft ausgestellt worden war. Eine dicke Panne: Es soll sich um einen Tippfehler handeln.

Gesuchter Anis Amri hatte Kontakte nach Dortmund

Zeitgleich rückte die Polizei zu einem Anti-Terror-Einsatz in der Dortmunder Nordstadt aus. Die Bundesanwaltschaft hat Berichte dementiert, dass es im Zusammenhang mit den Ermittlungen zum Lastwagen-Anschlag Festnahmen gegeben haben soll. Es fänden derzeit verschiedene Maßnahmen im Bundesgebiet statt, sagte ein Sprecher der Karlsruher Behörde am Donnerstag. Konkreter äußerte er sich nicht.

Nach Informationen der Dortmunder Ruhr Nachrichten hat der gesuchte Anis Amri enge Kontakte nach Dortmund. Demnach hatten Anwohner berichtet, dass der Tunesier zeitweise in einer Wohnung in der östlichen Innenstadt Unterschlupf gefunden haben soll. Dort wohnte der mutmaßliche IS-Unterstützer Boban S.. Er war im November festgenommen worden.

Anschlag angeblich in Salafistenkreisen bekannt

Der Anschlag war womöglich von langer Hand vorbereitet. Schon vor Monaten sei in salafistischen Kreisen des Ruhrgebietes über einen Anschlag in Berlin geredet worden, bei dem ein Lkw eingesetzt werden soll, hatte der Strafverteidiger Burkhard Benecken im Gespräch mit dem Kölner Stadt-Anzeiger erklärt.

Benecken vertritt einen der Angeklagten im Prozess um den Brandanschlag auf ein Sikh-Gebetshaus in Essen. Schon im Mai dieses Jahres habe sein Mandant ihm erzählt, von Attentats-Planungen in Berlin gehört zu haben. "In die konkreten Planungen einbezogen jedoch war er nicht."

Abschiebung wegen fehlender Papiere gescheitert

Nach dem Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt wird mit Hochdruck nach dem als Islamisten bekannten Verdächtigen gefahndet. Das Bundeskriminalamt hatte am Mittwoch Bilder und eine Personenbeschreibung des 24-jährigen Tunesiers veröffentlicht. Gegen ihn bestehe dringender Tatverdacht im Zusammenhang mit dem Lkw-Anschlag mit zwölf Toten, erklärte die Bundesanwaltschaft. Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Innenministers Ralf Jäger wurde ein Asylantrag des Verdächtigen bereits im Sommer abgelehnt. Eine Abschiebung sei geplant gewesen, aber an fehlenden Papieren aus seinem Heimatland gescheitert.

Die Bundesanwaltschaft setzte eine Belohnung von bis zu 100.000 Euro für Hinweise aus, die zur Ergreifung des Mannes führen. Bürger wurden gewarnt, er könnte gewalttätig und bewaffnet sein. Auf seine Spur kamen die Ermittler nach Angaben aus Sicherheitskreisen, weil unter dem Fahrersitz des Tatfahrzeugs eine Duldungsbescheinigung aus Nordrhein-Westfalen auf den Namen Anis Amri gefunden wurde.

Der Verdächtige ist in Deutschland und Europa zur Fahndung ausgeschrieben. Am Dienstag hatte der Generalbundesanwalt einen Pakistaner wieder auf freien Fuß gesetzt, weil sich der Tatverdacht gegen ihn nicht erhärtete. (dpa/rtr/red)

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