Geschichte

Homberger Heimatforscher suchen Mitstreiter

Reinhard Stratenwerth (l.) und Joachim Beinicke rufen die Homberger auf, sich zu beteiligen.

Reinhard Stratenwerth (l.) und Joachim Beinicke rufen die Homberger auf, sich zu beteiligen.

Foto: Arnulf Stoffel

Duisburg-Homberg.   Der Freundeskreis Historisches Homberg wünscht sich Informationen, Erinnerungen und Anekdoten über Straßen aus dem Stadtteil. Vorträge geplant.

Der Freundeskreis Historisches Homberg hat ein neues Projekt begonnen. Er will künftig tiefer in die Geschichte und die Geschichten der einzelnen Straßen eintauchen, die zur einstigen Stadt und dem heutigen Stadtteil gehören. Dabei erhofft sich der Vorstand jetzt die Unterstützung der Homberger. Die Projektidee entstand nach einer Veranstaltung, bei dem Mitglieder drei Vorträge über Flurnamen, die Moerser Straße und die heutige Wilhelmstraße hielten.

Nun sollen weitere Informationen in den nächsten Jahren zu neuen Vorträgen führen. „Wir suchen jetzt möglichst viele Leute, die interessante Informationen über ihre Straßen haben“, sagt Vorstandsmitglied Joachim Beinicke. Er ist guter Hoffnung, dass es einige Rückmeldungen geben wird.

„Es gibt viele Zufallsfunde“

Schließlich hätten viele Recherchen des Freundeskreises indirekt mit den Straßen zu tun. „Zunächst sind das oft Zufallsfunde“, so Beinicke. So habe er etwa über die einstige Eisenbahn von Homberg nach Moers recherchiert. „Sie fuhr über die Moerser Straße, daher weiß ich jetzt auch sehr viel über diese Straße.“ Dazu gehöre, dass es an der Ecke zur Kirchstraße noch ein Gebäude aus der Eisenbahnzeit gibt; heute sei darin ein Optiker.

Zudem hilft eine frühere Recherche von Vereinsarchivar Reinhard Stratenwerth über Gaststätten in Homberg jetzt ebenfalls dem neuen Projekt. „An jeder Ecke war ja eine Kneipe in Homberg“, sagt Stratenwerth. Er habe über 120 Gaststätten dokumentiert, die es seit dem Jahr 1900 gab, und bereits Vorträge darüber gehalten.

Auch alte Postkarten können helfen

Nun erhofft sich der Freundeskreis, dass viele Homberger noch Informationen und interessante Geschichten aus der Vergangenheit kennen, die mit den Straßen zusammenhängen, in denen sie wohnten oder arbeiteten. Denn Beinicke und Stratenwerth sind überzeugt, dass noch viele Informationen im Stadtteil schlummern, die für das neue Projekt nützlich sind.

Als Beispiel erzählt der 79-jährige Stratenwerth von einem Ausflug, den seine Mutter als Schülerin an die Königstraße machte. Damals habe in einem Garten ein Maulbeerbaum gestanden. Diese Erinnerung an das frühe 20. Jahrhundert, ergänzt Joachim Beinicke, stehe mit der hiesigen Industriegeschichte zusammen. „Zwischen Moers und Homberg wollte man Maulbeerbäume anpflanzen, um die Seidenindustrie anzusiedeln.“

Denn die Blätter seien die Nahrung für Seidenraupen. „Doch die Moerser wollten das nicht, und so wurden die Bäume in Krefeld gepflanzt.“ Und Krefeld trage ja heute noch den Beinamen Seidenstadt.

Welche Informationen, Anekdoten oder Unterlagen genau helfen könnten, lasse sich nur schwierig sagen, so Beinicke. „Erinnerungen aus den 1970er Jahren bringen uns historisch nicht viel weiter“, sagt der 66-jährige Heimatforscher, doch auch Geschichten über Hombergs Kinos oder Diskotheken aus dieser Zeit könnten plötzlich Erinnerungen an die Kindheit und die Großeltern wachrufen.

Informationen, gerne von Anfang des 20. Jahrhunderts

Am schönsten finde der Heimatkreis jedoch Informationen vom Anfang des 20. Jahrhunderts. „Ein bisschen Geschichte muss ja dran sein“, sagt Beinicke. „Alte Fotos sind natürlich auch immer gut.“

Oft seien auch alte Postkarten wichtige Ausgangspunkte für Recherchen, so Reinhard Stratenwerth. Ebenso hilfreich seien manchmal alte Landkarten. Sie könnten Stadtentwicklungspläne offenbaren, die nie umgesetzt wurden. So habe es im 19. Jahrhundert etwa das Vorhaben gegeben, berichtet Beinicke, dass sich Moerser, Duisburger und Augustastraße kreuzen sollten. Und wenn man wisse, dass früher in den Haesen Hochweiden waren, ergebe es auch Sinn, dass die Duisburger Straße einst die Kuhstraße für die Essenberger war.

„Planbar ist unser Projekt nicht“, räumt Joachim Beinicke ein, „aber ich bearbeite auch gerne kleine Themen.“ Und die seien oft für einen spannenden Vortrag gut. Reinhard Stratenwerth und er freuen sich nun auf die Mithilfe möglichst vieler Homberger und auf viele interessante Geschichten und Informationen über ihre Straßen.

Und so kann man sich beteiligen

Bei dem Projekt geht es ausdrücklich nicht darum, die Lebensgeschichte von Personen zu recherchieren, nach denen die Straßen teilweise benannt sind. Und: Informationen, die der Freundeskreis für das Straßen-Projekt erhält, könnten auch andere Recherchen befruchten, falls sie thematisch passen.

Weitere Auskunft gibt Vereinsarchivar und Gründungsmitglied Reinhard Stratenwerth ( 02066/ 8826, Mail: strati.druck@t-online.de). Infos gibt’s auch bei den Sprechstunden des Freundeskreises Historisches Homberg (jeder dritte Sonntag im Monat, Vereinsmuseum, Augustastraße 48).

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