Kultursommer

Glaubensfragen mit Konrad Beikircher in Friemersheim

Der Kabarettist Konrad Beikircher bei seinem Auftritt in Duisburg-Friemersheim.

Der Kabarettist Konrad Beikircher bei seinem Auftritt in Duisburg-Friemersheim.

Foto: Christian Creon / FUNKE Foto Services

Duisburg-Rheinhausen.  Der Kabarettist trat beim Kultursommer auf und plauderte über regionale und religiöse Unterschiede. Am Sonntag gab es dann ein buntes Programm.

Neben der klassischen „römisch-katholischen“ Konfession, gibt es gerade mal das „Altkatholische“ über die Utrechter Union, was man als Unterart gemeinhin noch kennt. Doch der aus Siegburg angereiste Kabarettist Konrad Beikircher hat für den „richtigen und wahren Glauben“ noch eine weitere klassifizierende Abspaltung entdeckt: das „Rheinisch-Katholische“. Diese Rheinländischen Glaubensbrüder nahmen es mit der Verfolgung der Protestanten nicht so genau, freundeten sich mit den Andersgläubigen wohl eher an, meint Konrad Beikircher: „Besonders, wenn der Protestant ne jute Flasche Wein im Keller hätt.“

Und man merkt, der in Südtirol geborene Kabarettist ist sichtlich auf Versöhnung aus – wohlwissend, dass die meisten Besucher des Kultursommers an der Friemersheimer Dorfkirche evangelisch sein dürften. Doch den fast 200 Besuchern sind Religionsfragen, bei all den „profanen Köstlichkeiten“ wie Wein, Bier und Gegrilltem, so ziemlich egal, an diesem lauen, vom Vollmond überschienenen Spätsommerabend.

Altbacken – aber ganz bewusst und mit viel Charme

Konrad Beikircher nimmt das Publikum mit auf die Suche nach dem Schutzheiligen „für uns Kabarettisten“, landet dabei aber eher bei St. Vitus, dem „Heiligen für die Inkontinenten“ – und erzählt von einer fiktiven Wallfahrt nach Veitshöchheim: „Die Pilger nächtigten dann alle im Hotel Inkontinental und kamen mit wasserdichten Bussen an“, scherzt der fast 75-Jährige.

An seine „Nostrifizierung“ (Einbürgerung) in den 70er-Jahren erinnert sich Beikircher dunkel, als er merkte, dass er den Rheinländischen Dialekt nie richtig beherrschen würde: „Nehmen wir ‘Säkzisch’ – dat ist einmal die Zahl ‘sechzig’, aber auch die Sprache ‘Sächsisch’ in Bonn“, lacht der Kabarettist. Eben je nachdem, ob man eine Sprechpause macht oder nicht.

Sein Programm „400 Jahre Beikircher“ kommt so gewollt altbacken daher – eben charmant, da wo andere es längst mit „2.0“-, oder „reloaded“-Formaten versuchen, schneller als der Zeitgeist zu sein. Die Erkenntnis, dass Kabarett in keinster Form mit dem Kölschen Karneval vereinbar sei, vermittelt er dem Publikum, als er von einer Rede im Gürzenich über die „inflationäre Verwendung des Wortes ‘herrlich’“ erzählt.

Das Fegefeuer und die Erstkommunion

Gerade, wenn er sich als Sprachwissenschaftler ausgibt, kommt Beikircher in Fahrt – richtig lustig wird es, als er über die Bedeutung und Aussprache des „G“s im rheinischen Dialekt referiert, am Beispiel von „Sejelfluchzeuschswaare“. Neben der Aussprache „Sch“, „Ch“ oder „R“ im Kölschen Dialekt, kommt es meist als „J“ vor. Und liefert somit zugleich noch die Lösung für die Kreuzworträtselfrage: „Rheinische Gottheit mit einem Buchstaben“. Schließlich gibt es für den Großteil der Protestanten im Publikum noch eine Gratiseinführung in erzkatholische Begriffe. „Dat Fegefeuer und die Exkommunikation – dat is so zimmlisch die Sado-Maso-Abteilung der katollische Kirsche“, klärt der Wahlrheinländer im Siegburger Sprech auf.

Swingen mit Eddy und Freunden

Schon am Freitagabend gab es mit dem Stück „Wohin mit der Leiche?“ eine rasante Verwechslungskomödie zu sehen. Und auch gestern zog es wieder mehrere hundert Besucher zur Friemersheimer Dorfkirche: erst zum Open-Air-Gottesdienst, der vom Kleinen Chor Friemersheim musikalisch fein a cappella begleitet wurde. Später gab es dann ein buntes Programm mit dem Posaunenchor Friemersheim, Tanzgruppen, Improvisationstheater und Kindertrödel rund um die Dorfkirche, bis dann die Bigband „Eddy & Friends“ noch mal das Publikum zum Swingen brachte.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben