Eichhörnchenbabys in Not

Trockene Sommer: Immer mehr Eichhörnchenbabys brauchen Hilfe

Mit Hilfe solcher Spritzen versorgt Andrea Stricker ihre Eichhörnchenbabys mit Katzenaufzuchtmilch.

Mit Hilfe solcher Spritzen versorgt Andrea Stricker ihre Eichhörnchenbabys mit Katzenaufzuchtmilch.

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Andrea Stricker ist die Eichhörnchenmama von Duisburg. Warum die 51-Jährige ihre ehrenamtliche Arbeit liebt und immer mehr Babys Hilfe brauchen.

Das Handy klingelt. Andrea Stricker bricht das Gespräch sofort ab. „Tschuldigung, aber es könnte ein Notfall sein“, sagt die 51-Jährige, winkt dann aber ab und grinst. „Nee, is nur mein Mann. Den kann ich später zurückrufen...“ Die Szene ist bezeichnend für Duisburgs Eichhörnchenmama. Seit fast zehn Jahren päppelt sie ehrenamtlich Babys auf, die auf Hilfe angewiesen, aus dem Nest gefallen oder verletzt sind. Und es werden von Jahr zu Jahr immer mehr.

Schon 96 Eichhörnchen in diesem Jahr

Angefangen hat die Hausfrau mit drei Eichhörnchen, 2016 waren es schon 67, im vergangenen Jahr 85. Und 2019 hat sie sich bis jetzt bereits um 96 der süßen Tiere gekümmert. „Das liegt an den trockenen Sommern, die wir zuletzt hatten“, erzählt die Duisburgerin. „Die eigentlichen Eichhörnchenmütter finden nicht genügend Wasser und produzieren deshalb zu wenig Milch, um den kompletten Nachwuchs zu versorgen. Da setzen sich dann oft nur die Stärkeren durch.“

Andrea Stricker steht vor einer fast fertigen neuen Voliere. Ein kleines, gerade mal sechs Wochen altes Weibchen schmiegt sich wärmesuchend an ihren Hals und ist froh, dass es die 51-Jährige gibt und auf ihrem Gartengrundstück samt kleinem Häuschen in Neudorf eine vorübergehende Zuflucht gefunden hat.

Ehemann zog mit in den Garten

Stricker selbst ist hier längst Dauergast. Ihr Mann hat die schmucke 106 Quadratmeter große Wohnung in Duissern ebenfalls verlassen und der jüngsten Tochter (23) überlassen, um seine Frau zu unterstützen – und vor allem überhaupt noch zu sehen.

Von Februar bis November ist sie rund um die Uhr für ihre Eichhörnchen da. „Bis zur vierten, fünften Woche brauchen sie alle zwei Stunden Milch“, erklärt die Duisburgerin. Keine Kondensmilch, die wäre tödlich, sagt Stricker, sondern nur Katzenaufzuchtmilch, die sie den Babys über kleinste Spritzen mit Mini-Nuckis einflößt.

Schon lange kein Sommerurlaub mehr

An Schlaf ist da nicht zu denken, an Sommerurlaub sowieso nicht. „Man muss dafür schon ein bisschen verrückt sein“, sagt die 51-Jährige, überlegt kurz und grinst wieder. „Vielleicht auch ein bisschen mehr als das...“

Ein Faible für Tiere hatte sie immer schon. Bereits vor 19 Jahren hätte eine kleine Elster, die auf der Kammerstraße in Neudorf aus einem Nest gefallen war, ohne die Duisburgerin sehr wahrscheinlich nicht überlebt. „Ich hab sie gefunden, mit nach Hause genommen und mit Hilfe des Internets aufgepäppelt. Sie ist mir dann aber durch ein gekipptes Fenster entwischt.“

Duisburgerin päppelt Eichhörnchenbabys wieder auf

Andrea Stricker ruft damals den Vogelexperten Karl-Heinz Dietz an. „Bei ihm bin ich quasi in die Lehre gegangen“, erzählt die 51-Jährige. „Er bekommt nicht nur Anrufe, wenn Vögel Hilfe benötigen, sondern auch andere Tiere. Und so hat er mich gefragt, ob ich mich um Eichhörnchen kümmern könnte.“

Zusammenarbeit mit Tierkliniken und Tierärzten

„Learning by doing“ ist zunächst ihr Motto. Andrea Stricker arbeitet aber auch mit Tierkliniken zusammen, spricht mit Tierärzten und erweitert so ihr Wissen über die Jahre. Mittlerweile hat sich Andrea Stricker derart einen Namen gemacht, dass sie mittlerweile an ihre Grenzen stößt.

„Wer Zeit und vor allem Platz hat, darf mich gerne unterstützen“, so die Eichhörnchen-Expertin. „Manche Anrufer musste ich nämlich schon zurückweisen. Das tut mir in der Seele weh, weil ich nicht weiß, was mit den Tieren dann geschieht. Aber auch mein Tag hat eben nur 24 Stunden.“

Derzeit hat sie elf Eichhörnchen in ihrer Obhut. Neun werden bei ihr überwintern, zwei sind 14 Wochen alt, da ist es jetzt noch Zeit, sie wieder in die freie Natur zurückzubringen – im Wald oder in Abstimmung auch auf Friedhöfen. „An diesem Wochenende ist es wieder soweit“, sagt Andrea Stricker. „Das sind für mich immer noch herzzerreißende, sehr bewegende Momente, aber es ist auch immer ein großer Erfolg.“

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