Parksensoren

Teure Parkstrafe bei Lidl und Netto: So reagieren die Kunden

Auf diesem Lidl-Parkplatz in Duisburg-Großenbaum weist ein Schild darauf hin, dass Parken über 60 Minuten eine saftige Strafe kostet. Das Schild allerdings übersehen manche Kunden – und ärgern sich über das Knöllchen.

Auf diesem Lidl-Parkplatz in Duisburg-Großenbaum weist ein Schild darauf hin, dass Parken über 60 Minuten eine saftige Strafe kostet. Das Schild allerdings übersehen manche Kunden – und ärgern sich über das Knöllchen.

Foto: DANIEL ELKE / FUNKE Foto Services

Duisburg-Großenbaum.  Seit September gibt es eine saftige Strafe für zu langes Parken bei Discountern in Duisburg. Autofahrer sind genervt – manche Kunden freut’s.

Ein Mann läuft zu seinem Auto, das er auf dem Lidl-Parkplatz geparkt hat. Er wundert sich, als er den weißen Zettel an seiner Frontscheibe bemerkt – ein Knöllchen. Von der neuen Parkregelung wusste er nichts, das Schild an der Einfahrt hat er übersehen; jetzt ist er verärgert. Er ist nicht der Einzige, der an diesem Tag ein Ticket für zu langes Parken bekommt.

Seit Beginn des Monats registrieren Parksensoren die Parkdauer bei Lidl. Wer länger als 60 Minuten parkt, muss tief in die Tasche greifen: 19,90 Euro werden fällig für denjenigen, der länger als eine Stunde parkt. Dementsprechend negativ fallen die Meinungen der Parkplatznutzer aus. Allein während unserer Recherche bekommen bereits zwei Autofahrer einen Strafzettel.

Kunden müssen Lidl nachweisen, dass sie dort lange eingekauft haben

So passiert es auch einer Kundin an der Kasse. Sie streckt den Bußgeldzettel der Kassiererin entgegen und lässt nach dem Marktleiter rufen. Eine Karenzzeit gibt es – die Beweispflicht liegt aber beim Kunden. „Man überschreitet schnell die Zeit. Wenigstens kann man sich durch den Kassenbon noch retten, wenn man nachweisen kann, dass man so lange gebraucht hat“, äußert sich Melek Billar, der auf einem anderen Parkplatz schon eine ähnliche Situation widerfahren ist. Die Anwohnerin geht normalerweise zu Fuß, doch wenn sie viel tragen muss, nutzt sie auch schon mal ihr Auto. Das Parksystem empfindet sie als unverschämt.

Sigurd Mertes kommt mit dem Fahrrad zum Einkaufen. Wenn er dann mal mit dem Auto einkauft, empfindet er das System mit der Zeiterfassung durch die Sensoren als angenehm: „Jetzt brauche ich wenigstens keine Parkscheibe mehr.“ Mit der Beschränkung der Parkdauer hat er keine Probleme, eine Stunde reicht ihm für den Einkauf.

Viele Parker sind keine Kunden, sondern Arztbesucher oder Anwohner

Lidl hat die Firma Safe Place damit beauftragt, die Sensoren zu installieren, weil oft Menschen den Parkplatz des Discounters als Stellplatz für ihre Autos nutzen, obwohl sie hier gar nicht einkaufen. Einer von ihnen ist Johannes Haenisch, wie er selber zugibt: Er arbeitet in einem Geschäft gegenüber des Lidl-Marktes und hat sein Fahrzeug sonst häufig hier abgestellt. „Die Parkplatzsituation auf der Großenbaumer Allee ist schwierig“, erklärt er. „Oft habe ich mein Auto erstmal bei Lidl abgestellt, und wenn an der Arbeit dann ein Parkplatz frei war, habe ich umgeparkt.“ Jetzt sucht Haenisch direkt nach einem Stellplatz außerhalb des Lidl-Parkplatzes.

Ein anderer Nicht-Lidl-Kunde geht anders mit der neuen Situation um. Wie bisher auch, wird er seinen Pkw weiterhin auf dem Lidl-Parkplatz abstellen, um zum Arzt zu gehen. Er sieht keine Notwendigkeit für die Sensoren: „Ich finde, das ist eine Sauerei. Es werden immer Parkplätze frei sein, der Parkplatz ist ja groß genug.“ 20 Euro dafür, länger als eine Stunde fremd zu parken? Zu viel Geld, findet er.

Von manchen Kunden bekommt der Discounter Lob für die Parksensoren

Dabei ist genau das der springende Punkt, findet Gertrud Komanek. Die Geldstrafe müsse spürbar sein, sonst ändere sich nichts: „Wenn die nur fünf Euro nehmen, interessiert das doch keinen. Da bezahlt man die Gebühr einfach.“ Die meisten Parker seien entweder Arztbesucher oder gar Anwohner. „Oft komme ich mit dem Fahrrad hier her, weil alles zugeparkt ist. Dabei ist es in meinem Alter gar nicht mehr so einfach, die schweren Einkäufe zu transportieren.“ Die Kundin ist sichtlich erfreut über die neue Regelung. In der Vergangenheit hat sie sich schon oft in der Filiale über die Parksituation beschwert. „An manchen Tagen ist der Parkplatz komplett voll. Im Markt selbst sind dann aber meist nur vier Kunden.“

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