Krimi live

Tatort Bliersheimer Unternehmer-Villen in Rheinhausen

Thorsten Fischer (vorne rechts) führt eine Gruppe sehbehinderter Menschen zu den Krimischauplätzen der Autorin Sabine Thomas in Bliersheim. Foto:

Thorsten Fischer (vorne rechts) führt eine Gruppe sehbehinderter Menschen zu den Krimischauplätzen der Autorin Sabine Thomas in Bliersheim. Foto:

Foto: Oleksandr Voskresenskyi / FUNKE Foto Services

Duisburg-Rheinhausen.  Die ehemalige Rheinhauser Anwältin Sabine Thomas stellte ihr neues Buch „Ein alter Schmerz“ bei einer Blindenlesung mit Führung vor.

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Die ehemalige Rheinhauser Anwältin Sabine Thomas hat ein neues Buch veröffentlicht. „Ein alter Schmerz“ handelt von einem Verbrechen in den Bliersheimer Villen. Am Wochenende stellte sie das Buch bei einer ganz besonderen Lesung vor. Denn ihre Zuhörer konnten nicht sehen. Auf Einladung der Duisburger Richterin Petra Bungart fand eine Blindenlesung mit anschließender Führung statt. Lesungsort war das Casino Bliersheim neben den ehemaligen Villen der leitenden Angestellten des Krupp-Werks. Beides sind Schauplätze in dem Krimi.

Sabine Thomas las aus mehreren Kapiteln ihrer Geschichte, die in der Vergangenheit und der Gegenwart spielt. Nach der Lesung ging es mit Stadtführer Thorsten Fischer auf einen Rundgang durch das Villenviertel und anschließend durch die Rheinhauser Margarethensiedlung. All das sind ebenfalls Schauplätze aus dem Buch.

Brutaler Mord in einer verfallenen Villa

Hauptperson ist die Mordermittlerin Caro. Sie wird in der Gegenwart zu einem brutalen Mord in einer der verfallenen Villen gerufen. Spuren führen sie ins Rocker- und Drogenmilieu, aber auch zu einem Missbrauchsopfer, welches mit dem Ermordeten, einem ehemaligen Rechtsanwalt, noch eine Rechnung offen hatte. Der Fall weist aber auch in die Zeit kurz nach der Jahrhundertwende. Die Geschichte eines dort angestellten Dienstmädchens spielt auch heute noch eine Rolle, denn eine uralte Familienfehde wirkt in dem Krimi bis in die Gegenwart nach.

Hierarchien hinter den Häusern

Doch nicht nur die Geschichte, auch die Stadtführung unterschied sich vom Herkömmlichen. So zeigte Thorsten Fischer nicht etwa einfach nur auf die Villen, sondern beschrieb sie sehr genau. „Die Hierarchie im Bergbau und im Stahlwerk spiegelte sich auch in der Architektur. Der Direktor siedelte wie der Fürst in der Mitte in der größten Villa, während die Villen der Betriebsassistenten an einer Straße im Kreis herum angeordnet waren“, so Fischer. Auch die vielen Container des Logports, beschrieb Fischer. Doch auch für die blinden Menschen waren die Lkw zu hören, die auch am Samstag unterwegs waren.

Die Idee zu der Lesung hatte Petra Bungart. Sie kennt Sabine Thomas, die als Familienrechts-Anwältin tätig war, von ihrer Tätigkeit am Duisburger Amtsgericht. Auch sie ist nahezu blind. Sie hörte Autorin Thomas, die schon zwei weitere Bücher geschrieben hat, bei den Duisburger Akzenten. Sie hat sehr viele sehbehinderte Freunde in der ganzen Republik. Regelmäßig lädt sie diese nach Duisburg ein. „Wir sind alle sehr literaturinteressiert und ich habe Sabine Thomas bereits im Rahmen der Akzente gehört. Sie hat eine so tolle Vorlesestimme“, stellte Bungart voller Begeisterung fest.

Rund 60 Einladungen

Rund 60 Zuhörer hatte sie in das Casino Bliersheim eingeladen. „Es war eine richtige Ohrenweide Ihnen zuhören zu können“, sagt Petra Bungart am Ende der Lesung. Auch für die Autorin war es eine Premiere. „Ich hatte das Gefühl, dass die Lesung insgesamt stiller war. Die Menschen hören sehr gut zu“, sagt Autorin Sabine Thomas. Sie hoffe, dass ihre Sprache plastisch genug sei. Denn wenn das Sehen nicht mehr funktioniere, müsse auf den Ebenen der anderen Sinne kommuniziert werden. Darum lege sie großen Wert darauf, auch Empfindungen, Gerüche und ähnliches in ihren Büchern zu beschreiben.

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