Brauchtum

Kein Mündelheimer Schütze wollte den Vogel abschießen

Die Retterin in der Not:  Prinzessin Kristina Velinova, links neben dem ihrem wesentlich größeren Begleiter Marius Stolzenburg,  Foto:

Die Retterin in der Not: Prinzessin Kristina Velinova, links neben dem ihrem wesentlich größeren Begleiter Marius Stolzenburg, Foto:

Foto: Frank Oppitz

Die Mündelheimer Schützen stehen ohne König da. Möglicher Grund: Trotz finanzieller Hilfe ist die Königsehre eine kostspielige Angelegenheit.

Duisburg-Mündelheim. Irgendwann wurde Michael Weicht dann doch ziemlich unruhig. Der 1. Brudermeister der St. Sebastianus Schützenbruderschaft Mündelheim/Ehingen hatte eigentlich gedacht, am Sonntag einen neuen Schützenkönig präsentieren zu können. Und zwar so, wie es die Mündelheimer Schützen seit Jahr und Tag handhaben. Aber dazu kam es nicht.

Traditionell entscheiden sich die Anwärter immer relativ spät, um die Königswürde zu schießen. Auf die „Pfänder“, dass sind die Flügel, Krallen und der Kopf des Holzvogels, schießen alle anwesenden Schützen. Danach wird es aber richtig ernst.

Wer sich um die Königswürde bewirbt, hat sich in eine Liste einzutragen. Nur die Bewerber auf der Liste schießen den König aus. Als diese Liste nach der Wartefrist immer noch leer war, wurde Michael Weicht langsam nervös: „Ich hab alle Kompanieführer zusammengerufen und sie dringend gebeten, nochmal mit möglichen Kandidaten zu sprechen.“

Warten aufs Jubiläumsjahr

„Als ich merkte, dass tatsächlich keiner draufgehen wollte, wurde mein Hemd klatschnass“, konnte der Brudermeister der Mündelheimer am Tag nach dem Desaster schon wieder schmunzeln.

Ein Bewerber hatte sich sogar doch noch gefunden, aber ohne einen sportlichen Rivalen wollte er dann auch nicht antreten. „Das hat es in unserer langen Tradition noch nicht gegeben“, bedauerte Weicht.

Über die Gründe konnte Jürgen Willger, der stellvertretende Brudermeister nur spekulieren: „Das ist ja auch schon eine kostenintensive Ehre, trotz finanzieller Unterstützung aus dem Umfeld bleibt noch eine Menge beim König hängen, den Vogel abzuschießen will schon gut überlegt sein.“

Michael Weicht hatte noch einen weiteren Grund ausgemacht: „Im nächsten Jahr feiern einige Kompanien Jubiläum, vielleicht warten mögliche Kandidaten lieber auf diesen Termin.“

Zum Glück ist die Prinzessin eingesprungen

Anders als bei anderen Bruderschaften wird in Mündelheim der Schützenkönig bereits anlässlich des Königs- und Prinzenschießens zu Pfingsten ermittelt. Das eigentliche Schützenfest findet dann erst gut drei Monate später im September statt.

Für das Schützenfest im September fanden die Verantwortlichen nach dem anfänglichen Schock schnell eine Lösung: „Wir haben uns überlegt, einen kompletten Damen-Thron zu präsentieren, wir haben ja immerhin mit Kristina Velinova eine neue Prinzessin am Schießstand ermittelt.“

„Die Frauen schießen sowieso besser.“

An ihrer Seite wird dann Marius Stolzenburg als „Prinzessinnen-Begleiter“ sein. Zum weiblichen Herrscher- Dreigestirn zählen auch noch die aktuelle Tellprinzessin Tessa Jaworski und die Bezirksschülerprinzessin Lana Schrörs, die ebenfalls Mitglied der St. Sebastianus Bruderschaft ist.

Auch wenn manch einer der traditionsbewussten Schützen-Hardliner nur noch den Kopf schütteln mag, die Mündelheimer sind froh, mit ihren Mädels im September die geballte „Frauen-Power“ präsentieren zu können. Und für Schützenbruder Jürgen Willger ist schon lange klar: „Die schießen sowieso besser.“

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