Serie: Historischer Angerweg

Historische Huckinger Sandmühle ist viel älter als gedacht

Wasser fließt noch an der historischen Sandmühle, die einstigen Wasserräder laufen aber schon seit mehr als 100 Jahren nicht mehr.

Wasser fließt noch an der historischen Sandmühle, die einstigen Wasserräder laufen aber schon seit mehr als 100 Jahren nicht mehr.

Foto: DANIEL ELKE / FUNKE Foto Services

Duisburg-Huckingen.  Früher wurde hier Korn gemahlen, heute wird dort Deko verkauft: Zur langen Geschichte der historischen Sandmühle gibt es neue Erkenntnisse.

Heute ist die frühere Sandmühle ein beliebter Anlaufpunkt für Lifestyle-orientierte Kunden, die in Sachen Deko Sinn für das Schöne und das Besondere haben. Dort, wo über die Jahrhunderte die Bauern der Umgebung ihr Korn zum Mahlen ablieferten, trifft man sich heute in schickem Ambiente, um Haus und Garten aufzuhübschen.

Die Bauersleute, die die Mühle aufsuchten, hatten damals keine andere Wahl. Die Herren der Kornmühle unmittelbar an der Anger hatten ein Anrecht darauf – Mühlenzwang nannte man das –, dass das Korn der Güter und Höfe der weiteren Umgebung in der Huckinger Mühle gemahlen wurde. Da die Mühle am Fuße einer nacheiszeitlichen Sanddüne lag, erhielt sie den Namen Sandmühle.

200 Jahre älter als bislang gedacht

Laut Dietmar Ahlemann vom Huckinger Bürgerverein gehen nach neuen Erkenntnissen erste Erwähnungen des Mühlensitzes bis ins 13. Jahrhundert zurück, nachdem man bisher vom Jahr 1448 ausging. Belegt ist, dass die damaligen Eigentümer, die Herzöge von Jülich und Berg, dem Ritter Hermann von Winkelhausen die Sandmühle überließen. Die Mühle wurde später verpachtet und über Generationen weitgehend von einer einzigen Familie und deren Nachfahren betrieben. 1927 fiel die Sandmühle an den Grafen von Spee, der das Anwesen 1955 an die Stadt Duisburg verkaufte.

Das im Laufe der Zeit mehrfach umgebaute Fachwerkhaus steht auf 1,20 Meter starken und 1,80 Meter tiefen Grundmauern eines alten Adelssitzes aus dem 12. Jahrhundert. Hier wartet auf den Huckinger Heimatforscher noch jede Menge Recherchearbeit, denn bisher ist kein Adelsgeschlecht bekannt, das hier seinen Sitz gehabt haben könnte. Ebensowenig weiß man, wann der Adelssitz in eine Wassermühle umgewidmet wurde. Es gibt allerdings Vermutungen, dass das auf der anderen Seite der Anger gelegene Gut Kesselsberg als Wirtschaftshof für den Adelssitz Sandmühle diente.

700 Jahre lang wurde immer wieder angebaut

Das Mühlengebäude ist in einem Zeitraum von rund 700 Jahren immer wieder baulich erweitert worden. Die heutigen Gebäude gehen auf einen umfassenden Wiederaufbau um 1685 zurück. Damals besaß die Sandmühle zwei Mahlwerke, die von Wasserrädern angetrieben wurden. 1913 wurden diese durch eine Turbine ersetzt. Nach der Umleitung des Wassers in den Neuen Angerbach wurde die Mühle elektrisch betrieben. 1956 wurde der Mühlenbetrieb endgültig eingestellt. Teile der Mühleneinrichtung sind noch erhalten. Durch bauliche Veränderungen gegen Ende der 1990er Jahre wurde der Charakter einer Wassermühle weitgehend beseitigt – nicht nur zum Bedauern des Huckinger Bürgervereins.

Der Sandmühle kann man sich auch durch den Park hinter dem Hotel Milser annähern. Vom Weg aus, der am Alten Angerbach vorbeiführt, sieht man die Rückseite der ehemaligen Mühle. Dort befanden sich früher die Wasserräder. Die Adresse: Düsseldorfer Landstraße 415. ÖPNV: Haltestelle Kesselsberg mit der U 79 oder den Buslinien 940 und 946.

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