Shoa

Duisburger Schüler eröffnen Ausstellung über Auschwitz

Sieben Teilnehmer der Auschwitz-AG stellen Monica Goldwasser vor: Jason Kehnen, Jasmin Bodora, Harun Kara, Rebana Janßen, Anastasia Wilhelm, Alina Tümmers, Lehrer Jörn Seemann und Emily Lindner (v.l.).

Sieben Teilnehmer der Auschwitz-AG stellen Monica Goldwasser vor: Jason Kehnen, Jasmin Bodora, Harun Kara, Rebana Janßen, Anastasia Wilhelm, Alina Tümmers, Lehrer Jörn Seemann und Emily Lindner (v.l.).

Foto: Foto: Michael Dahlke

Duisburg-Großenbaum.  Schüler der Gesamtschule Duisburg-Süd haben das KZ Auschwitz-Birkenau besucht. In Polen wurden vielen Teilnehmer die Augen geöffnet.

Über 70 Jahre ist es her, dass mit dem Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau das Lager befreit wurde, das heute ein Symbol für die Shoa ist. 40 Schüler der Auschwitz-AG der Gesamtschule Süd besuchten die Stätte des Grauens im Januar diesen Jahres und eröffneten am Donnerstagabend eine Ausstellung im Schulgebäude und berichteten von ihre augenöffnenden Erlebnissen in Polen.

Auf den Plakaten, die übrigens auch für die Öffentlichkeit im Schulgebäude, Großenbaumer Allee 168, zu besichtigen sind, geht es, mit Ausnahme des Nazijägers Simon Wiesenthal, um Menschen, die den israelischen Titel „Gerechter unter den Völkern“ erhalten haben.

Eltern geben ihr Kind weg - und retten sein Leben

Dazu gehören auch die Pflegeeltern von Monica Goldwasser, die Auschwitz-AG hat die Jüdin in Krakau getroffen. „Ihre leiblichen Eltern haben sie weggegeben, weil sie wussten, dass sie ermordet werden“, erinnert sich Jörn Seemann, der die Auschwitz-AG als Lehrer leitet. Erst mit 60 Jahren erfuhr Goldwasser von ihrer Mutter die Wahrheit über ihre Herkunft.

Bevor die Polin den 16-jährigen Schülern in Krakau ihre Geschichte erzählte, waren die Schüler schon vier Tage in den verschiedenen Teilen des Lagers Auschwitz-Birkenau unterwegs. Anastasia Wilhelm erinnert sich: „Das ist eine einmalige Erinnerung, diese Atmosphäre im Lager, vor allem weil es so kalt war.“ Dass die AG immer im Winter nach Polen fährt ist Absicht, erklärt Jörn Seemann. „Dann ist es kalt, näher an dem Schicksal Menschen damals, außerdem entgehen wir so den Besuchermassen im Sommer.“

Für Antisemitismus sensibilisiert

Wie Anastasia hat die Fahrt auch Jason Kehnen für das Thema Antisemitismus, aber auch für Fremdenhass generell sensibilisiert. „Ich achte im Alltag mehr darauf und gebe auch Widerworte, wenn jemand Mist erzählt“, sagt er und wünscht sich, dass das Grauen der Vergangenheit noch viel mehr und präsenter besprochen wird. „Man darf nie damit aufhören“, erklärt Anastasia, „denn sowas kann immer wieder passieren wenn wir nichts dagegen tun.“ Jasmin, Harun,

Rebana, Alina und Emily erinnern sich noch bildlich an die Fahrt nach Polen - immer wieder. „Das kommt immer wieder hoch“, schaudert Jasmin und erinnert sich an Kinderschuhe, Kinderbilder an den Wänden und geschorene Haare in den Ausstellungen des KZs. „Ich habe das Thema davor gar nicht richtig ernst genommen, das hat sich jetzt komplett geändert“, sagt Harun, „sowas habe ich noch nie vorher gefühlt“, pflichtet ihm Alina bei. Es sei unglaublich zu begreifen, dass die Shoa wirklich passiert ist.

Von so viel mehr Grausamkeiten und Erinnerungen berichten die Schüler, dass sich Seiten mit ihren bedrückenden Berichten füllen ließen. Die mittlerweile achte Fahrt der AG soll nicht die letzte gewesen sein, aber Lehrer Jörn Seemann macht sich sorgen: „Bald wird es keine Zeitzeugen mehr geben.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben