Rahmerbuschfeld

Duisburger gegen Bebauung des Rahmerbuschfeldes

Gegen die geplante Bebauung am Rahmerbuschfeld gründete sich am Mittwoch die Bürgerinitiative Naturerhalt Rahmerbuschfeld.

Gegen die geplante Bebauung am Rahmerbuschfeld gründete sich am Mittwoch die Bürgerinitiative Naturerhalt Rahmerbuschfeld.

Foto: Michael Dahlke

Duisburg-Rahm.  Über 200 Bürger kamen zur Gründung der Duisburger Bürgerinitiative „Naturerhalt Rahmerbuschfeld“ in den Gemeindesaal. Emotionale Diskussionen.

Der Gemeindesaal der Pfarrkirche St. Hubertus platzte am Mittwochabend wieder einmal aus allen Nähten. Grund war die Gründung der Bürgerinitiative „Naturerhalt Rahmerbuschfeld“. Mehr als 200 Bürger waren zum Gründungstermin erschienen, trotz des Heranschaffens zusätzlicher Stühle blieben für zahlreiche Interessenten nur Stehplätze übrig. Claudia Anthonj und ihr Mann Thomas hatten zu der Startveranstaltung eingeladen. Ihren Unmut bezüglich der Bebauung der als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesenen Wiesenfläche zwischen Angermunder Straße und Fichtenstraße haben die Rahmer ja schon seit Längerem deutlich gemacht.

Mit einer Stimme sprechen

Jetzt will man mit einer Stimme sprechen. Ausschlaggebend für die Gründung der Initiative war die öffentliche Auslegung der Planentwürfe des Bebauungsplans am 8. Mai an gleicher Stelle. „Uns wurde dabei klar, dass das Projekt schon ziemlich weit fortgeschritten ist“, erläuterte Initiator Thomas Anthonj. Mit der Bürgerinitiative will man dem Protest Struktur geben, nachdem eine Online-Petition in der Vergangenheit keine spürbare Resonanz nach sich zog. Ziel der Bürgerinitiative ist, die „Rahmerbuschfeld“-Bebauung zu verhindern und „eines der letzten Biotope in Duisburg vor der Zerstörung zu retten“.

Massive Vorwürfe gegen die Politik

Vor Ort waren mit Michael Kleine-Möllhoff (Grüne) und dem CDU-Mann Manfred Helten auch zwei Politiker der Bezirksvertretung. Das nahmen etliche Bürger zum Anlass, um ihr Unverständnis über die städtischen Bebauungsabsichten zum Ausdruck zu bringen. Das geschah zum Teil recht massiv, besonders der Grünen-Politiker Michael Kleine-Möllhoff war Ziel der oftmals hochemotional vorgetragenen Vorwürfe.

Grund war die Zustimmung seiner Partei zu diesem Bauprojekt. Kleine-Möllhoff bemühte sich um Sachlichkeit, erläuterte dass man dabei die Nahversorgung der Rahmer im Blick gehabt habe, nachdem klar war, dass der bisherige Standort des Edeka-Marktes im Ortskern am Jahresende aufgegeben wird. Der Grünen-Politiker erklärte auch, dass an der vorgesehenen neuen Stelle (am ehemaligen Schützenplatz) aus baurechtlichen Gründen ein Nahversorgungsstandort nur in Verbindung mit einer Wohnbebauung möglich sei. Nach den starken Bürgerprotesten gegen die Bebauung hat allerdings bei den Grünen ein Umdenken stattgefunden. „Wir haben uns nochmal zusammengesetzt und beschlossen, diesem Bauprojekt nun nicht mehr zuzustimmen“, erklärte Kleine-Möllhoff den Sinneswandel.

CDU und SPD stehen hinter den Plänen

Auch Helmut Helten (CDU) sieht die geplante Entwicklung skeptisch, plädiert höchstens für die ganz kleine Lösung. Damit steht er in seiner Partei allerdings allein, denn die Duisburger CDU steht wie die SPD hinter der geplanten Bebauung. Heftigen Vorwürfen sah sich auch Holger Müller ausgesetzt, der das 550 qm große Ladenlokal in der Ortsmitte an Edeka (Tonscheidt) verpachtet hat und einen größeren Markt – mit den entsprechenden Parkmöglichkeiten – jetzt schon für unabdingbar hält. „Klar habe ich ein geschäftliches Interesse daran, dass der Nahversorger an der geplanten Stelle gebaut wird“, ging Müller in die Offensive. Als Geschäftsführer seiner Grundstücks- und Verwaltungsgesellschaft und Investor hatte er sich den möglichen Bauplatz gesichert. Er sieht das Ganze auch im Interesse der Rahmer, denn nur Supermärkte mit größeren Verkaufsflächen seien für die großen Unternehmen noch interessant. Kleinere Standorte werden aufgegeben. „50 Prozent der Kaufkraft geht jetzt schon Rahm verloren“, gibt Müller zu bedenken. Alles an einem möglichen Nahversorger festzumachen, hält ein Anwohner nicht für zwingend notwendig: „Wir wohnen seit einem Jahr hier, schauen auf das Feld, sehen den Fuchs und das Reh. Wir brauchen Edeka nicht und auch keine kasernenartige Bebauung auf dem Landschaftsschutzgebiet.“

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