Kirche

So wird die Duisburger „Bürger Bibel“ heute genutzt

Die einzelnen Bände sind bis zu fünf Zentimeter dick.

Die einzelnen Bände sind bis zu fünf Zentimeter dick.

Foto: Lars Fröhlich

Duisburg.  Über 5000 Bürger haben die Bibel handschriftlich abgeschrieben. Besucher suchen auch heute noch in der Salvatorkirche nach ihren eigenen Seiten.

20 Kilogramm wiegen die Bände der Lutherbibel, die von Duisburgern vor zwei Jahren handschriftlich abgeschrieben wurden – von der Schnörkelschrift bis zur Sauklaue. Der Anlass für die Aktion war das Reformationsjubiläum. Alle Generationen haben damals mitgemacht. Dabei sind 6000 Seiten entstanden. Das 18-bändige Werk hat heute einen besonderen Platz in der Salvatorkirche. In einem extra angefertigten Regal, das aus dem selben Holz gemacht ist wie die anderen Möbel in der Kirche, wird das Ergebnis des Projekts aufbewahrt.

Ein Exemplar liegt immer aufgeschlagen auf dem Regal und lädt Besucher des Gotteshauses zum Schmökern ein. Das Angebot nutzen die Duisburger auch heute noch regelmäßig, weiß Pfarrer Martin Winterberg aus Gesprächen mit dem Präsenzdienst. „Der eine oder andere sucht nach dem eigenen Hochzeits- oder Konfirmationsspruch und schaut wie er handschriftlich geschrieben wurde“, sagt Winterberg.

Auch Duisburger kennen mitunter die Bürger Bibel noch nicht

Besonders schön sei es, wenn Kinder ihren Eltern oder Großeltern ihre selbstgestalteten Seite zeigen. Einige Teile, wie zum Beispiel die Schöpfungsgeschichte, wurden von Schülern mit Bildern verziert.

„Ein Kind hat damals mitgemacht und rief bei einem Besuch in der Stadtkirche: Oma, Oma ich muss dir meinen Teil zeigen“, erzählt Winterberg, „Die Großeltern kamen von weiter weg und konnten hier nachschauen, was ihre Enkelin geschrieben hat.“

Es gebe auch immer wieder Duisburger, die das Projekt nicht kennen und neugierig fragen, was das für ein Bücherregal sei.

Nach der Fertigstellung haben die meisten Bände das Gebäude nicht mehr verlassen – außer das Buch Jesaja, das von der Katholischen Gemeinde abgeschrieben wurde. „Einzelne Teile werden von anderen Gemeinden ausgeliehen und im Gottesdienst verwendet. Alle zusammen haben wir noch nicht rausgegeben“, sagt Pfarrer Winterberg.

In Gottesdiensten der Evangelischen Gemeinde Alt-Duisburg kommt sie nicht zum Einsatz. Das liege daran, dass die Schrift für die ehrenamtlichen Presbyter eindeutig lesbar sein müsse. „Auch die Rechtschreibfehler wurden in den Abschriften nicht korrigiert“, ergänzt der 56-Jährige. Für die Lesungen wird meist eine einfache Altarbibel genutzt, die auch außerhalb der Gottesdienste ausliegt.

Die wertvollen Exemplare werden in der Sakristei aufbewahrt. Die Sammlung wird hauptsächlich für Ausstellungen genutzt. Ein besonderer Schatz ist eine royalblaue Bibel mit einem kunstvollen Buchbeschlag aus Silber, die von Kaiserin Auguste im Jahre 1904 persönlich signiert wurde. Einige andere wurden von den Bundespräsidenten unterschrieben. Besonders farbenfroh ist eine Ausführung mit Bildern von dem Künstler Marc Chagall. Trotz der großen Auswahl ist für Martin Winterberg klar: „Die handgeschriebenen Bücher sind für mich viel kostbarer.“

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