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RTL-Gau: 23.000-Euro-Pfandsammler aus Duisburg gibt es nicht

Lästiger Ballast oder eine Goldgrube? Beim Southside Festival trägt ein Mann zwei Müllsäcke mit Bierdosen weg.

Lästiger Ballast oder eine Goldgrube? Beim Southside Festival trägt ein Mann zwei Müllsäcke mit Bierdosen weg.

Foto: Felix Kästle / dpa

Duisburg.  Durch RTL wird ein angeblicher Duisburger bekannt. Er soll mit Pfandflaschen viel Geld verdienen. Allein: Diesen Duisburger gibt es gar nicht.

Die Geschichte ist zu gut: Da macht ein Duisburger das große Geschäft, indem er Festivals abklappert und Flaschen sammelt. Allein bei Rock am Ring sollen es bis zu 23.000 Euro gewesen sein – binnen weniger Tage.

RTL machte einen Bericht über diesen „Cem Yilmaz aus Duisburg“, über den in der Folge viele Zeitungen und Online-Portale ebenfalls berichteten und sich dabei auf den RTL-Beitrag bezogen. „Mann aus Duisburg verdient Vermögen als Flaschensammler“ titelt etwa ruhr24.de.

Mutmaßlicher Steuersünder nutzt Pseudonym in Filmbeitrag

Allein: Cem Yilmaz gibt es nach Recherchen unserer Zeitung in Duisburg nicht. Wir haben ihn gesucht, alle Menschen diesen Namens abtelefoniert, angeschrieben. Es gibt augenscheinlich auch kein Gewerbe unter diesem Namen. Eine Anfrage an RTL, die Kontaktdaten zu übermitteln, blieb in der vergangenen Woche unbeantwortet.

Bei einer zweiten Anfrage gesteht ein RTL-Sprecher gegenüber dieser Zeitung: „Der Name war ein Pseudonym, der Wohnort nicht sein wirklicher.“ Vorab hatte die RTL-Redaktion keinen Pfandsammler für die Dreharbeiten bei dem Festival Rock am Ring finden können. Erst vor Ort wurde der Protagonist des Beitrags gefunden. „Er wollte aber seinen Namen und Wohnort verfremdet wissen“, sagt RTL-Sprecher Matthias Bolhöfer. Im Beitrag wird jedoch nicht darauf hingewiesen, dass es sich um ein Pseudonym handelt. „Ganz klar: das hätten wir kennzeichnen müssen, deshalb war das ein Versäumnis“, so der RTL-Sprecher.

Auch Einnahmen durch Pfandflaschen sind steuerpflichtig

Das Problem bei diesem einträglichen Geschäft mit den Pfandflaschen: Es ist steuerpflichtig.

Wer 2018 insgesamt mehr als 9000 Euro im Jahr verdient hat, muss Steuern zahlen, Nebenerwerbseinkünfte müssen in der Einkommenssteuererklärung angegeben werden. Wer nur ein bisschen Leergut sammelt, wird davon nicht betroffen sein. Wer wie „Yilmaz“ im Beitrag mit einem Laster anrückt und mülltütenweise die Pfandflaschen sammelt und vom Gelände fährt, hingegen schon. Im RTL-Bericht ist auch eine Supermarkt-Mitarbeiterin zu sehen, die eigens Zeitfenster und Bargeld bereit hält, um der Masse von Dosen und Flaschen Herr zu werden.

Festivals und Flughäfen spenden die Einnahmen aus Leergut

Wie man auch mit Leergut umgehen kann, machen etwa die Veranstalter des Summer-Jam-Festival in Köln oder des Summer Breeze in Dinkelsbühl vor: Hier kann man seine Pfandflaschen spenden. Der Erlös ist für einen guten Zweck. Ähnlich verfährt der Flughafen Düsseldorf: Wer am Sicherheitscheck noch Flaschen dabei hat, muss sie abgeben. Der Erlös wurde zuletzt ebenfalls gespendet.

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