Regenbogenfamilien

Regenbogenfamilien fordern Gleichberechtigung in der Sprache

Die Frauen wünschen sich, dass ihre Familien als genauso normal wahrgenommen werden wie Familien mit einem männlichen und einem weiblichen Elternteil.

Die Frauen wünschen sich, dass ihre Familien als genauso normal wahrgenommen werden wie Familien mit einem männlichen und einem weiblichen Elternteil.

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Innenstadt.  Lesbische Mütter in Duisburg wünschen sich, nicht immer nach dem Vater gefragt zu werden – von Menschen und Formularen. Doch es passiert ständig.

„Wir konnten uns nicht vorstellen, ein Leben lang allein zu bleiben“, sagt Kathrin und schaut auf ihren acht Wochen alten Sohn Keno, der in ein Stilltuch gewickelt ist. Der kleine Junge ist im Mai auf die Welt gekommen und liegt bei Mutter Christina am Innenhafen in den Armen. Keno hat nicht nur eine, sondern zwei Mütter – und gehört somit zu einer sogenannten Regenbogenfamilie.

Kathrin und Christina aus Neuenkamp sind seit sieben Jahren ein Paar und seit April 2019 verheiratet. Für die Frauen war klar, dass sie später auch eine Familie gründen wollen. Deshalb schauten sie sich nach einer privaten Samenspende um und trafen den Spender dann mehrmals innerhalb von knapp einem Jahr, um ihn richtig kennenzulernen. „Am Anfang war es sehr komisch. Man wusste halt, dass es nur um das Eine geht“, sagt Christina rückblickend, die Keno auf die Welt gebracht hat. Später kam eine gemeinsame WhatsApp-Gruppe mit dem Spender hinzu. Kürzlich haben die Mütter die Adoption beim Jugendamt beantragt, damit beide Frauen als gleichberechtigtes Elternpaar für ihren Sohn sorgen können.

Kindergartenformulare fragen immer nach Mutter und Vater

Zusammen sitzen sie mit Nicole und Andrea Neubauer am Innenhafen auf einer Decke und picknicken. Sie haben den Adoptionsprozess schon hinter sich, Sohn Paul (2) soll im August in den Kindergarten kommen. Bei der Anmeldung habe zwar alles funktioniert, Nicole Neubauer brennt trotzdem noch eine Sache auf der Seele: „Was wir gerne hätten, ist, dass wir wahrgenommen werden. Im Kindergarten hatten wir zehn Formulare, wo nur nach der Mutter und dem Vater gefragt wurde.“ Stattdessen könnte man auch „Erziehungsberechtigte“ schreiben, schlägt sie vor. „Wir sind genauso normal wie andere Familien auch.“ Generell haben die Neubauers aber kein Problem, wenn sie auf ihre Familie angesprochen werden. Viele Institutionen, auch Eltern seien einfach neugierig oder unwissend. Die Frage „Wo ist denn der Vater?“ hören die zwei Mütter immer wieder.

Den Vater-Sohn-Tag finden die Lesben nicht mehr zeitgemäß

Auch Madita Haustein hat diese Situation schon oft erlebt. „Die Erfahrungen sind weitgehend positiv. Trotzdem oute ich mich fast jeden Tag“, sagt sie. Es sei erschreckend, wie wenig manche Menschen über Regenbogenfamilien wüssten. Auch sie wünscht sich, dass Bezeichnungen oder Formulare wie die im Kindergarten für lesbische oder schwule Elternpaare angepasst werden. „Manchmal komme ich mir vor wie ein laufender Beschwerdeautomat.“ Im Kindergarten fände sie es schön, wenn Aktionstage wie zum Beispiel der Vater-Sohn-Tag umbenannt würden. „Das ist nicht mehr zeitgemäß“, sagt sie. „Ich hab’ auch einen Werkzeugkasten zu Hause.“

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