Drogenrazzia

Razzia gegen Clans: Hochfeld nun ein „gefährlicher Ort“

Bei einer Razzia gegen kriminelle Clans in Duisburg-Hochfeld hat die Polizei am Dienstag mehrere Verdächtige festgenommen.

Bei einer Razzia gegen kriminelle Clans in Duisburg-Hochfeld hat die Polizei am Dienstag mehrere Verdächtige festgenommen.

Foto: Jörg Schimmel / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Die Polizei hat bei einer Razzia gegen Clan-Kriminalität in Duisburg und Moers 17 Personen festgenommen. Sie darf nun „strategisch fahnden“.

In „Han’s Steh Café“ auf der Wanheimer Straße gibt es am Dienstagmittag keine gemischte Tüte. Stattdessen stehen hunderte Polizisten in Hochfeld und durchsuchen Wohnungen, Geschäfte und Cafés nach Drogen. Teilweise fuhren die Einsatzkräfte mit DVG-Bussen vor. Als „Schienenersatzverkehr“ der Linie 903 Richtung Dinslaken haben sich die Polizisten getarnt, „um in den Stadtteil einzusickern“, wie Polizeisprecher Stefan Hausch es beschreibt.

Razzia gegen Clans zehn Monate vorbereitet

Nun dienen die Busse dazu, die Wanheimer Straße zwischen Tersteegenstraße und Karl-Jarres-Straße zu sperren. Seit September 2018 wurde die Razzia vorbereitet. Es geht um Drogen und Clan-Kriminalität. 17 Personen werden festgenommen, davon werden 14 bestehende Haftbefehle vollstreckt. Die Linie 903 muss während der Razzia ab Haltestelle Platanenhof eine Umleitung über die Trasse der U 79 fahren.

Kurz vor der Pauluskirche werden sämtliche Personen, die sich zuvor in den Geschäften und Wohnungen aufhielten, kontrolliert. An ihren Fenstern beobachten dutzende Hochfelder die Szenerie.

Parallel laufen Einsätze in Meiderich, Homberg und Moers gegen mehrere Beschuldigte, die im Verdacht stehen, „als Mitglied einer Bande mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge Handel zu treiben“, so Polizeisprecher Daniel Dabrowski.

Hochfelderin: „Sowas müsste viel öfter passieren“

Ein Passant, der zufällig vorbeikam, weil er in Hochfeld zum Friseur wollte, muss sich gedulden. Er hockt im Auto. „Gut, dass hier mal durchgegriffen wird und die Polizei Präsenz zeigt“, sagt er. Dafür wartet er gerne, bis er die Absperrung verlassen kann.

„Sowas müsste viel öfter passieren“, bekräftigt eine „gebürtige Hochfelderin“. In den vergangenen zwei Jahren habe sich die Lage auf den Straßen Hochfelds kontinuierlich verschlechtert. „Als Frau traut man sich abends kaum noch auf die Wanheimer Straße. Selbst die Kinder haben keinen Respekt mehr.“

Drogendeals mitten am Tag auf offener Straße

Mehrere Monate lang haben Fahnder die Situation beobachtet und sich auf die Lauer gelegt, um die Großrazzia vorzubereiten, die um 12 Uhr mittags begann. Eine ungewöhnliche Zeit. „Normalerweise sind wir im Morgengrauen unterwegs, aber wir haben festgestellt, dass sich unsere Klientel eher mittags in Hochfeld aufhält“, erklärt Polizeisprecher Stefan Hausch.

Teilweise sei offen auf den Straßen gedealt worden. „Wir sind immer wieder von Bewohnern angesprochen worden, aber wir wollten ja nicht den einzelnen Verkäufer und Konsumenten erwischen, sondern das Netzwerk dahinter“, betont Hausch. Von dem massiven Einsatz erhoffen er und seine Kollegen sich auch eine „abschreckende Wirkung“.

Alle Festgenommenen stehen im Verdacht, als Mitglieder von Banden mit Betäubungsmitteln in „nicht geringer Menge Handel getrieben zu haben“, erklären Polizei und Staatsanwaltschaft. Neben kiloweise Drogen werden auch „erhebliche Bargeldbeträge“ sichergestellt.

Polizei darf „anlassbezogene Anhalte- und Sichtkontrollen durchführen“

„Wir nehmen die Hinweise, Nöte und Sorgen der Bevölkerung sehr ernst“, betont Polizeipräsidentin Dr. Elke Bartels. Um die Szene zu bekämpfen, ordnet sie deshalb erstmals eine strategische Fahndung an.

So wird die Polizei in die Lage versetzt, unabhängig von einem Verdacht, so genannte „anlassbezogene Anhalte- und Sichtkontrollen durchzuführen“. Möglich macht dies eine Neuerung im Polizeigesetz. Hochfeld ist damit der erste „gefährliche Ort.“

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