Postillon live

Postillon live: Quatsch-Nachrichten begeistern die Zuschauer

Thieß Neubert und Anne Rotthäuser luden zu „Postillon live“ ins Grammatikoff.

Thieß Neubert und Anne Rotthäuser luden zu „Postillon live“ ins Grammatikoff.

Foto: Zoltan Leskovar

Duisburg.   Die satirischen Beiträge vom Postillon funktionieren auch außerhalb der Internet-Welt im Duisburger Grammatikoff. Mal makaber, mal albern.

Warnhinweise auf Waffen wie „Schießen kann tödlich sein“ oder ein zum Imbiss umgebauter Feuerwehrwagen soll künftig die Gaffer mit Würstchen und Bier versorgen, damit diese keine Hände mehr freihaben, um Sanitäter wegzuschubsen – mit Meldungen wie diesen sorgte der „Postillon“ am Freitagabend auch live für viel Gelächter im Grammatikoff am Dellplatz.

Kulisse eines Nachrichtenstudios

Rund 90 Minuten lasen die Moderatoren Thieß Neubert und Anne Rothäuser vor der Kulisse eines Nachrichtenstudios einen absurden Beitrag nach dem anderen vor und machten den „Postillon“-Ruf als schräges Satire-Magazin alle Ehre. 220 Besucher entwickelten drei Typen von Lachern während des Auftritts: 1.) Das herzlich-befreiende laute Lachen bei albernen Nachrichten. 2.) dunkel-klingendes, unterdrücktes Glucksen bei den makabren Meldungen. 3.) höfliches Schmunzeln, bei den nicht so guten Gags oder denen, die das Publikum schon aus Online-Versionen kannte. Die Moderatoren-Hommage an Claus Kleber und Gundula Gause achtete auf eine Abwechslung der Gefühlszustände, so dass es für die Zuschauer nie langweilig wurde.

Erheitert fassten die Besucher, die knapp 30 Euro für ein Ticket gezahlt hatten, Witze wie diese auf: „Dom um 360 Grad gedreht – Polizei ermittelt in alle Richtungen“ oder „Zu Ehren Helmut Kohls sollen Kreuzblütler umbenannt werden“.

Extra-Applaus und länger anhaltendes Gelächter gab es für zwei Gag-Reportagen – und zwar nicht nur, weil die Augen endlich Unterhaltung abbekamen. Der Duisburger Witze-Experte Markus Krebs trat in den Videos auf: Zunächst als Opfer eines fürchterlichen Rollator-Unfalls, gedreht auf der Neudorfer Oststraße, später als Unfreundlichkeits-Trainer für Busfahrer. „Sie müssen abrupt den Bus stoppen, damit einige Fahrgäste das Gleichgewicht verlieren“, gab Krebs Tipps für den zu netten Fahrer. „Und an der Haltestelle so weit wie möglich fahren, damit die Gäste lange bis zur Tür laufen müssen.“ Das Publikum lachte laut und lange.

Lachen bleibt im Halse stecken

Gedämpfter fiel die Reaktion der Zuschauer bei den schwarzhumorigen Scherzen aus: „Junge in Bangladesch wird von anderen Kindern gehänselt, weil er keine Markenkleidung näht“ oder „Flüchtlinge nehmen Babykatzen mit aufs Boot, damit man sie nicht ertrinken lässt“ – das saß. In bester Kabarett-Manier bleibt das Lachen bei einigen im Hals stecken.

Thieß Neubert sagte vor einiger Zeit in einem Interview mit der Nordwest-Zeitung: „Manche Beiträge sollen auch zum Nach- und Überdenken anregen.“ Das sollte der Show mit den satirisch-zynisch aufbereiteten Gesellschafts-Themen etwa zu Gaffern, Trump, Flüchtlingen und Kirche gelungen sein. Frei nach der amerikanischen Dramatikerin Lillian Hellmann: „Zynismus ist eine unfreundliche Art, die Wahrheit zu sagen.“

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Stefan Sichermann betreibt seit 2008 die Satire-Website „Der Postillon“, auf der täglich satirische Beiträge im Stil von Zeitungsartikeln und Agenturmeldungen veröffentlicht werden.

Die Facebook-Seite hat 2,8 Millionen Abonnenten. Auf der Internet-Homepage www.der-postillon.com finden sich sämtliche Text- und Videobeiträge sowie Infos zur Live-Tour.

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