Tierschutz

Polizist soll Hund im heißen Auto nicht geholfen haben

Unser Symbolbild zeigt, wie warm es für Hunde selbst bei offenem Fenster im Auto werden kann.

Unser Symbolbild zeigt, wie warm es für Hunde selbst bei offenem Fenster im Auto werden kann.

Foto: Foto: Markus ScholZ

Duisburg-Homberg/Rheinhausen.  Tierfreunde empören sich über einen Fall in Duisburg-Homberg. Die Polizei soll sich geweigert haben, einem im Wagen eingesperrten Hund zu helfen.

Die junge Frau am Telefon weiß kaum wohin mit ihrem Ärger. Wütend schnaubt sie in den Hörer. Die 26-Jährige aus Homberg ist Tierfreundin und noch Tage nach ihrem Erlebnis erschüttert darüber, dass die Polizei vergangenen Freitag offenbar nicht helfen wollte, als ein Hund auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums an der Moerser Straße in praller Sonne im komplett verschlossenen Auto eingesperrt war. Rund um den dunklen Wagen mit dem vor Hitze hechelnden Tier, so erzählt es uns die Anruferin, deren Name der Redaktion bekannt ist, hatte sich schnell eine Gruppe von Menschen versammelt, die helfen wollten.

Da keiner wusste, in welchem der Geschäfte man mit der Suche nach dem Hundehalter anfangen sollte, entschied die Gruppe, lieber sofort die Polizeiwache Rheinhausen anzurufen. „Das müssen Sie sich mal vorstellen, da sagt der Polizist doch am Telefon zu uns, für so etwas würde man nicht ausrücken, das sei kein Notfall, ein Hund könnte es doch locker mal zwanzig Minuten im Auto aushalten“, berichtet die Tierfreundin. Danach soll der Polizist noch gesagt haben, die Anruferin solle sich abregen, da der Hund doch noch nicht zusammengebrochen sei. Erst wenn so ein Tier vor Hitze auf der Seite liegen würde, müsste man aktiv werden. „Dann meinte er noch, wir könnten ja die Scheibe einschlagen, aber dafür gebe es dann eine Anzeige für Sachbeschädigung.“

Nicht nur die Hombergerin ist fassungslos über eine solche Reaktion der Rheinhauser Polizei. Auch unsere Gesprächspartnerin der Tierrechtsorganisation Peta kann das kaum glauben. „Wenn ein Hund vor Hitze auf der Seite liegt, dann ist es doch schon fast zu spät“, sagt Jana Hoger. „Hunde haben fast gar keine Schweißdrüsen und sind daher bei Hitze noch gefährdeter als Menschen.“ Sie können in einem heißen Auto schnell irreparable Organschäden erleiden oder im schlimmsten Fall einen Herzstillstand.

Heiß wie im Backofen

Die Tierrechtsorganisation appelliert an alle Hundehalter, Tiere bei Hitze niemals in einem geparkten Fahrzeug zu lassen. Auch nicht bei offenem Fenster oder im Schatten Bereits wenige Minuten würden reichen, um ein Auto auf bis zu 70 Grad zu erhitzen. Wer ein leidendes Tier im Auto entdeckt, der soll laut Peta schnell handeln und umgehend die Polizei anrufen, wenn die Besitzer nicht auffindbar sind.

Dass die Polizei auch in solchen Fällen Freund und Helfer sein muss, bestätigt Stefan Hausch von der Pressestelle der Polizei Duisburg. Zum Verhalten des Beamten der Polizeiwache Rheinhausen will Hausch keine Angaben machen, da dieses Telefongespräch jetzt nicht mehr nachvollziehbar sei. Er erklärt aber, dass die Tierfreunde richtig gehandelt haben, da die Polizei „selbstverständlich“ auch in Rheinhausen und Homberg zuständig sei, wenn sich Tiere in einer lebensbedrohlichen Situation befinden würden.

Gutes Ende für den Hund

Einen Hinweis hat Stefan Hausch zu dem Fall am Supermarkt allerdings noch: „Man muss in einer solchen Situation versuchen, die Lage einzuschätzen. Wie schlecht geht es dem Tier? Schaffe ich es noch, den Halter im Supermarkt ausrufen zu lassen oder muss ich schneller handeln?“ Anzeichen für Todesgefahr sind laut Peta eine dunkle Zunge, glasige Augen, starkes Hecheln oder Erbrechen. Dann, so die Tierschützer, sollte man zur Not die Scheibe einschlagen. „Peta sind keine Fälle bekannt, in denen rechtliche Folgen für Tierretter entstanden sind.“

Für den Golden Retriever vor dem Homberger Supermarkt ist die Sache gut ausgegangen. Nachdem die Polizei nicht kommen wollte, hatten sich die Helfer auf die Geschäfte aufgeteilt und nach der Besitzerin gesucht. Eine Mutter, die mit ihrem Kind einkaufen war und es überhaupt nicht tragisch fand, dass der Hund so lange im Auto bleibt. Den Kommentar der wütenden Tierfreundin aus Homberg zum Verhalten der Hundebesitzerin veröffentlichen wir an dieser Stelle lieber nicht.

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