Bunker

Wilde Gerüchte um Bunker im Duisburger Landschaftspark

Einsatzkräfte inspizierten im Januar 2017 die gesamte Anlage. Auch die Kripo und ein Gerichtsmediziner waren dabei vor Ort.

Einsatzkräfte inspizierten im Januar 2017 die gesamte Anlage. Auch die Kripo und ein Gerichtsmediziner waren dabei vor Ort.

Duisburg.   Ein Hobbyfilmer stieg illegal in eine unterirdische Anlage. Er meint, dort Knochen entdeckt zu haben. Die Kripo kam zu einem anderen Ergebnis.

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Einen grausamen Fund will ein anonymer Abenteurer gemacht haben: In einem alten Duisburger Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg meint der Hobbyfilmer, der sich im Netz „ItsMarvin“ nennt, menschliche Knochen entdeckt zu haben.

Ein Video und Fotos kursieren bei Youtube und Facebook. Tausendfach wurden sie angeklickt und weiterverbreitet. „Wenn wir das gefunden haben, was wir vermuten, so gab es Frauen, Kinder und Männer, die 1944 aus dem Haus gingen und abends nicht zurück kamen“, schreibt der Fotograf "Zimi Pix" auf Facebook. Er will den Filmer begleitet haben. Der Bunker, um den es sich handelt, befindet sich auf dem Gelände des Landschaftsparks Nord. Doch die Geschichte, die jetzt online Furore macht, ist alt – und wurde längst überprüft.

Vermeintliche Knochen sind nur Schlacke-Reste

Bereits vor Monaten bekam die Duisburger Polizei einen entsprechenden Hinweis – ob der Verdacht von dem gleichen Youtuber und Hobbyfilmer stammt, ist unklar. Die Polizei jedenfalls ging ihm nach: Nur mit Unterstützung und Ausrüstung vom Technischen Hilfswerk konnten die Kripo-Beamten den einsturzgefährdeten Bunker am 14. Januar dieses Jahres begehen. Mit ihnen vor Ort war auch ein Gerichtsmediziner, der die vermeintlichen Knochen genau untersuchte. Die gesamte Begehung wurde fotografisch festgehalten (siehe Bilder).

Das Ergebnis: „Es handelt sich dabei nicht um Leichen. Das ist Quatsch. Was danach aussehen könnte, ist lediglich Schlacke. Die stammt von den alten Industrieanlagen“, stellt ein Sprecher der Polizei auf Anfrage dieser Zeitung klar.

Gerüchte über alte Anlagen gab es häufig

„Solche Gerüchte kommen immer wieder hoch“, sagt Ralf Winkels. Der Leiter des Landschaftsparks wurde schon oft mit ähnlichen Geschichten konfrontiert. Die Atmosphäre des Bunkers und die düstere NS-Geschichte verleiteten zu Spekulationen. „Es hieß auch mal, dort unten würden noch Waffen aus der NS-Zeit lagern. Da ist aber genauso wenig dran gewesen.“ Fakt ist: „Es handelt sich um einen langen, unterirdischen Gang, von dem aus kleinere Gänge abzweigen. Angelegt in den Zeiten des Krieges, sollte dort vermutlich ein Lazarett eingerichtet werden können“, erklärt Ralf Winkels.

„Verheimlicht“ werden soll dort übrigens nichts: „Dass der Bunker nicht frei zugänglich ist, liegt allein daran, dass er einsturzgefährdet ist.“ Würde Winkels Besuchergruppen durch den Bunker führen wollen, müsste er viele Auflagen beachten – das fange schon mit Notausgängen an, die nicht vorhanden sind.

Damit Abenteurer sich nicht in Gefahr bringen, wurde der Einstieg in den Bunker in diesem Jahr endgültig mit Beton verfüllt. Zuvor war er durch eine Eisenplatte gesichert gewesen. An der aber hätten sich Neugierige immer wieder zu schaffen gemacht. Das aber ist Hausfriedensbruch. Landschaftspark-Leiter Winkels betont: „Wir würden es zur Anzeige bringen, wenn wir jemanden dabei erwischen.“

>> Info: Professioneller Youtuber auf Klickfang

Das Profil von „ItsMarvin“ wird von einem professionellen Youtuber betrieben. Der Mann möchte mit seinen Aufnahmen viele Klicks erhaschen – denn er verdient damit auch Geld. Unter dem Video über den Duisburger Bunker macht er Werbung für seine Ausrüstung. Die kann man per Link direkt bei Amazon kaufen. „ItsMarvin“ erhält dafür Provisionen.

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