Literatur

Autor Dieter Lesemann schreibt über Meidericher Kindheit

Dieter Lesemann will in seinem neuen Buch Fragen seiner Kinder beantworten, „die sie mir bis jetzt allerdings nie gestellt haben“.

Dieter Lesemann will in seinem neuen Buch Fragen seiner Kinder beantworten, „die sie mir bis jetzt allerdings nie gestellt haben“.

Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Mittelmeiderich.  Autor Dieter Lesemann erzählt im Buch „Möhren untereinander“ von Erinnerungen an sein Aufwachsen in Duisburg-Meiderich.

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„Möhren untereinander“ erinnern Dieter Lesemann an seine Kindheit in Meiderich. So frisch, wie das deftige Eintopfgericht auf den Tisch kommt, sind dem Lehrer, Hobbyautor und Stadtteilhistoriker viele Geschichten aus den Fünfziger- und frühen Sechzigerjahren im Gedächtnis geblieben. Die hat er nun in einem Buch der Edition Kulturwerkstatt veröffentlicht.

Manche Bilder bleiben unerklärt, einige Familienbräuche rätselhaft und gewisse Rezepte bleiben verschollen, wenn man es versäumt, die Eltern und Großeltern rechtzeitig danach zu fragen. Solange sie noch da sind, nämlich. Lesemann wollte seine Erinnerungen für seine Kinder und Enkel zugänglich machen. „Der Text sollte Fragen meiner Kinder beantworten, die sie mir bis jetzt allerdings nie gestellt haben.“

Aus Lesemann wurde mehr und mehr ein Vorlesemann

Seit vier Jahren bildet Lesemann mit drei weiteren schreibfreudigen Herren das literarische Quartett „Hahnenfeder“. Ihre Lesungen selbstverfasster Geschichten aus alten Zeiten erfreuen sich großer Beliebtheit im Quartier. So wurde aus Lesemann mehr und mehr ein Vorlesemann, der sich mit dem Buch „Möhren untereinander“ jetzt ein Soloprojekt erlaubt hat. Er teilt für das Buch aus dem Topf seiner Erinnerungen 47 appetitliche Häppchen aus, die man nun gut vorlesen und genießen kann. Zu Stichworten wie Lohntütenball, große Wäsche und Badetag gibt es in jeder Ruhrgebietsfamilie Geschichten.

Lesemann will auch gar nicht auf die ungewöhnlichste Anekdote hinaus, sondern ihn interessieren die Anknüpfungspunkte. Seine Geschichten und detaillierten Beobachtungen von Menschen, Gebäuden und Gebräuchen funktionieren als Stichwortgeber. Sie bringen das Kratzen der Stumpfhose von damals zurück und regen die Zuhörer zum Miterzählen an. Ehe die sich versehen, sind sie selber zu Erzählern geworden, die von der eigenen heimischen Zinkwanne, dem Waschbottich im Keller oder den wilden Zeiten berichten, als Vaters Lohntüte in die Kneipe gegenüber wanderte, statt in Mutters Schürzentasche.

„Hahnenfeder“-Mitglieder wollen Lokalgeschichte bewahren

So passen die Geschichten rund um den kleinen Dieter, der die frühen Möhren in der Backentasche sammelte, statt sie brav runterzuschlucken, durchaus ins Konzept der Hahnenfeder. Die Herren wollen mit ihren Veröffentlichungen möglichst viele Geschichten und damit Lokalgeschichte bewahren. Natürlich möchten sie auch amüsieren, aber vor allem möchten sie ihre Zuhörer aktivieren, selber zu erzählen. Und bisher unerhörte Geschichten bei denen einzusammeln, die noch welche auf Lager haben.

Ob man etwa selber als Kleinkind ein Möhrensammler war, oder eine Spinatspuckerin. Ob man unerlaubte Ausflüge unternahm, mit dem Ballonroller oder zu Fuß. Ob die Eltern peinliche Keramiken besaßen, wie die nackte, schwarze Tänzerin, oder Dürers betende Hände über dem Bett. So könnte nach und nach ein kollektives Stadtteilgedächtnis entstehen. Den Vorsitzenden der Kulturwerkstatt Klaus Happel und Peter Weber würden weitere Beiträge zur „kulturellen Archäologie“ freuen.

Dieter Lesemann hat keine Fortsetzung von „Möhren untereinander“ im Sinn, wenn er von „weiteren Projekten“ spricht. Seine Erinnerungen an die späteren Sechzigerjahre bleiben wohl privat, wie er schmunzelnd versichert. Aber ein weiteres Solo könnte es dennoch von ihm geben. Leseman hat ein Stipendium für Lokalhistoriker gewonnen, mit dem er ein längst begonnenes Projekt über die Geschichte der alten Meidericher Bauernhöfe zu Ende bringen kann.

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