Werkstatt für Behinderte

Neuer Duisburger WfbM-Chef will schlechtes Image verbessern

Alexander Schmanke, (l.) wurde von Aufsichtsratschef und Sozialdezernent Thomas Krützberg als neuer Leiter der Duisburger WfbM vorgestellt.

Alexander Schmanke, (l.) wurde von Aufsichtsratschef und Sozialdezernent Thomas Krützberg als neuer Leiter der Duisburger WfbM vorgestellt.

Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Duisburg.   Neuer Duisburger WfbM-Chef Alexander Schmanke will mit Transparenz und Kontrolle bei den Finanzen nach dem Fall Rogg Vertrauen wieder aufbauen.

Bevor WfbM-Aufsichtsratschef Thomas Krützberg den neuen Leiter der Duisburger Werkstatt für behinderte Menschen, Alexander Schmanke, offiziell vorstellte, dankte er zunächst ausdrücklich dem bisherigen Interims-Chef Anton Koller für die geleistete Arbeit in den vergangenen Monaten. Koller, der nach der fristlosen Entlassung von Roselyne Rogg, die Geschäfte übernommen hat und „ohne Vorwarnung ins unruhige tiefe Gewässer geworfen wurde“, so Krützberg, habe „die Werkstatt in den vergangenen zehn Monaten zurück auf Kurs gebracht“ und „Vertrauen wiedergewonnen.“

Dieses Vertrauen soll nun mit Alexander Schmanke ein ausgewiesener Fachmann vertiefen. Ab Montag wird der 49-jährige Familienvater sein Büro am Kalkweg beziehen. Er ist Branchenexperte im Bereich der Eingliederungs- und Behindertenhilfe und bringt eine 22-jährige Berufserfahrung mit. Vor seinem Wechsel nach Duisburg war Alexander Schmanke mehrere Jahre stellvertretender Geschäftsführer beim Heilpädagogischen Zentrum Krefeld. Der Sozialpädagoge und Sozialwirt soll da weitermachen, wo Anton Koller nun aufhört – nämlich „mit dem Team die WfbM wieder in positive Schlagzeilen führen“ und dies getreu dem „Satzungszweck“, der besagt: „Menschen mit Behinderung für den 1. Arbeitsmarkt fit zu machen und weiterzubilden“, so Thomas Krützberg.

Erfahrungen in der praktischen Arbeit mit Menschen mit Behinderung bringt Schmanke laut Vita genügend mit. Er selbst blickt „optimistisch“ nach vorne. „Anton Koller hat wertvolle Arbeit geleistet“, sagt auch Schmanke. Und „mit einer transparenten Struktur und weitreichender Kontrollfunktion bei Zahlungs- und Entscheidungsprozessen“ soll nun das durch den Fall Rogg geschädigte Image wieder aufpoliert werden. „Transparenz ist für mich ein wichtiges Anliegen und ich werde diese strikt leben“, verspricht Schmanke. Er freue sich auf seine neue Aufgabe: „Die Duisburger WfbM ist eine tolle Institution. Qualität und großes Potenzial ist vorhanden und dieses werden wir zusätzlich noch weiterentwickeln. Unsere Mitarbeiter mit Behinderung verdienen ein modernes und innovatives Unternehmen, in dem es Spaß macht, sich auszuprobieren und sich zu entwickeln.“

Zum Fall Rogg selbst will er sich nicht äußern: „Mir steht es nicht zu, darüber zu urteilen.“ Natürlich habe man den Fall auch in anderen Werkstätten wahrgenommen. Aber man habe nicht groß darüber diskutiert. Die Reportage vom Team Wallraff über die Missstände in einer Leverkusener Behinderten-Werkstatt habe einen größeren Imageschaden hinterlassen.

Das künftige Gehalt von Alexander Schmanke liegt unter dem Einstiegsgehalt von Roselyne Rogg im Jahre 2009. Die Ex-Chefin stieg mit einem Jahresgehalt von rund 140.000 Euro ein. Am Ende waren es insgesamt rund 375.000 Euro. Schmanke wird zunächst ein Jahresgehalt von rund 110.000 Euro bekommen. Thomas Krützberg betonte noch einmal, dass künftig die Gehälter der WfbM-Spitze öffentlich gemacht werden.

Nach den turbulenten Wochen im vergangenen Spätsommer hoffen die Werkstattmitarbeiter und auch der Aufsichtsrat, dass „die guten Ansätze, die es gibt, nun mit einem guten Team vorangetrieben werden können. Es soll keinen Stillstand geben“, so Schmanke.

Im Mittelpunkt stehe die Arbeit mit den gehandicapten Menschen. Und bei allen Vorzeigeprojekten wie dem Ziegenpeter, Ars Vivendi oder dem Modelabel esthetique müsse man auch sehen, „dass wir noch immer eine Sondereinrichtung sind. Gute arbeitsmarktnahe Arbeitsplätze sind für viele der Beschäftigten wichtig, aber nicht für alle. Wir müssen auch die berufliche Weiterbildung für Schwerst- und Mehrfachbehinderte weiterentwickeln. Konzepte müssen auch hier umgesetzt werden“, blickt Alexander Schmanke nach vorn. Auch eine bessere Bezahlung der WfbM-Mitarbeiter will er angehen. Aber zu allererst will er die Menschen in der Werkstatt kennenlernen und die wieder entstandene Vertrauenskultur weiterführen: „Meine Tür ist immer offen.“

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