Manege frei

„Moskauer Circus“ kommt in Duisburg spanisch daher

Akrobatik unterm Zeltdach auf dem Alfrediplatz in Duisburg: Das Lächeln darf der Körperkünstler nicht verlieren.

Akrobatik unterm Zeltdach auf dem Alfrediplatz in Duisburg: Das Lächeln darf der Körperkünstler nicht verlieren.

Foto: Michael Dahlke / FUNKE Foto Services

Duisburg.   Das Programm „Viva Espana“ wird auch überwiegend von Spitzenartisten aus Spanien bestritten. Besonders viel Spaß machte die flotte Hunderevue.

Katharina und Emma hielt es nicht lange auf ihren eigentlichen Plätzen. Sie wollten die Artisten, Tiere und vor allen Dingen den Clown „Oleg“ aus allernächster Nähe sehen und enterten kurz nach Vorstellungsbeginn die Sitze in der ersten Reihe. Zirkusluft pur wollten aber nicht nur die beiden Mädchen genießen. Das zeigte sich am Donnerstagabend deutlich, als das Zelt des „Moskauer Circus“ am Stadion sich immer mehr füllte. Bis zum Sonntag dauert das Gastspiel „eines der letzten Großcircusse in Deutschland“.

Kyrillische Schrift am Kassenwagen

Das Zirkusunternehmen ist in Augsburg angemeldet, der Name ist wohl eher aus Marketinggründen gewählt. Russisches Zirkusflair soll wohl auch die kyrillische Schrift am Kassenwagen suggerieren. Eigentlich hat der in Bayern angemeldete Zirkus diese Mätzchen gar nicht nötig. Im Verlauf der bunten Show zeigte sich schnell, dass das Programm keinen Vergleich zu scheuen braucht. Dass der Zirkusabend den Besuchern eher spanisch vorkam, lag aber nicht an den Namens- Irritationen. Unter dem Titel „Viva Espana“ präsentierten die „Moskauer“ ein Programm, das vornehmlich von Spitzenartisten aus Spanien bestritten wurde. Dazu zählten die „Tonitos Family“ mit ihrer temporeichen und waghalsigen Trampolin-Performance sowie einer überzeugenden Drahtseil-Akrobatik. Das spanische Artisten-Duo Veronica und Leo Navas fühlt sich offensichtlich direkt unter der Zirkuskuppel am wohlsten. Veronica schien bei ihren Darbietungen am Washington-Trapez die Schwerkraft zu überwinden und Leo hangelte sich kopfüber in einer Art Spiderman mit den Füßen von Schlaufe zu Schlaufe.

Kritisch werden seit vielen Jahren Tierdressuren im Zirkus betrachtet. Robano Kübler trat am Donnerstag damit gleich zweimal auf. Lustig und flott ging es bei seiner bunten Hunderevue zu. Da wurde gehüpft und gesprungen und durch die Manege gejagt, dass nicht nur Katharina und ihre Freundin ihre Freude hatten. Dompteur Kübler zeigte aber auch, dass er auch „eine Nummer größer“ kann. Bei seinem Auftritt mit der Tigergruppe verzichtet er bewusst auf die früher üblichen Sprünge durch den brennenden Reifen. Er legt Wert darauf, dass alle gezeigten Tricks den natürlichen Bewegungsabläufen der Raubkatzen entsprechen.

„Crazy Wilson“ ist der Topact

Klaus-Werner Bankwitz, der mit seinem Enkel die Vorstellung besuchte, ist in seiner Meinung zweigeteilt: „Mir ist klar, dass man Tiernummern im Zirkus durchaus kritisch sehen kann, aber beeindruckend ist das schon.“ Für den Topact sorgte zum Finale der Kolumbianer „Crazy Wilson“ mit seinem unter dem Zirkusdach angebrachten mit hohem Tempo rotierenden Riesenmotorrad. Dazu gehörte auch das „Todesrad“, auf und in dem Wilson spektakuläre Sprünge zeigte. Dafür wurde er 2008 beim Festival in Monte Carlo mit dem „Silbernen Clown“ ausgezeichnet. Da war es eigentlich überflüssig, dass der Moderator mit dem Hinweis auf Wilsons schlimmen Unfall im letzten Jahr die Stimmung zusätzlich anheizte. Unglaublich bleibt, dass der Artist nach seinem damals erlittenen Beckenbruch an seiner spektakulären Nummer einschließlich des „Todessaltos“ festhält. Zum Finale gab es natürlich Jubelstürme für den „verrückten“ Wilson und viel Beifall für die übrigen.

Gastspiel bis Sonntag

Der „Moskauer Circus“ gastiert bis einschließlich Sonntag in Duisburg auf dem Alfrediplatz vor der MSV-Arena. Am Samstag gibt es zwei Vorstellungen, jeweils um 16 Uhr und um 19.30 Uhr. Am Sonntag findet nur eine Vorstellung (14 Uhr) statt. Tickets kosten 20 bis 35 Euro, es gibt Ermäßigungen für Kinder von 2 bis 16 Jahren.

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