Amtsgericht

Mobbing im Wohnheim: Duisburger erpresste 15 Euro Schutzgeld

Wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung, mehrfacher Bedrohung und räuberischer Erpressung musste sich ein 24-jähriger Duisburger vor dem Schöffengericht verantworten.

Wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung, mehrfacher Bedrohung und räuberischer Erpressung musste sich ein 24-jähriger Duisburger vor dem Schöffengericht verantworten.

Foto: Udo Milbret

Duisburg   Vorfall in einer Wohneinrichtung für psychisch Behinderte hat das Amtsgericht beschäftigt. 24-Jähriger wegen Bedrohung und Erpressung angeklagt.

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Mobbing ist nicht nur ein Thema in der Arbeitswelt oder in Schulen. Auch dort, wo Menschen mehr oder weniger unfreiwillig in einer Gemeinschaft mit eigenen Regeln leben müssen, wie in Gefängnissen oder beim Militär, gibt es ausgeprägte und zum Teil sehr brutale Hackordnungen. Auch Wohneinrichtungen für behinderte Menschen stellen da wohl keine Ausnahme dar, wie am Donnerstag ein Verfahren vor dem Amtsgericht am König-Heinrich-Platz veranschaulichte.

Wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung, mehrfacher Bedrohung und räuberischer Erpressung musste sich ein 24-jähriger Duisburger vor dem Schöffengericht verantworten. Er gestand, Anfang 2017 einen zwei Jahre älteren Mitbewohner einer Wohneinrichtung für psychisch behinderte junge Menschen im Duisburger Süden um 15 Euro Schutzgeld erpresst und zu haben. Außerdem versuchte er ihn zum Aufessen des Inhalts eines Aschenbechers zu zwingen.

Mit Aschenbecher attackiert

„Als ich eingezogen bin, hat er mich um Hilfe gebeten. weil er von anderen Bewohnern geärgert wurde“, so der unter einer emotionalen Persönlichkeitsstörung leidende Angeklagte. Anfangs habe er das ohne Gegenleistung getan. Aber dann habe er fünf Euro Schutzgeld pro Woche verlangt. „Ich habe meine Machtposition ausgenutzt“, sah der dem Geschädigten körperlich überlegene 24-Jährige ein.

Weil er kurz zuvor Probleme mit seiner Familie hatte und sich nach der Rückkehr ins Heim darüber ärgerte, dass der Geschädigte die Toilette völlig verdreckt hinterließ, habe er ihn mit einem Aschenbecher attackiert und ihn gezwungen, Kippen in den Mund zu nehmen. „Ich weiß auch nicht, was mich da geritten hat“, so der Angeklagte. „Ich bin froh, dass er die Kippen nicht geschluckt, sondern wieder ausgespuckt hat.“ Erschreckt von seiner eigenen Brutalität hatte er den Übergriff unmittelbar danach einem Betreuer offenbart und das erpresste Geld zurück gezahlt - wobei er die Summe um fünf Euro Schmerzensgeld aufrundete.

Das Gericht wertete die Taten lediglich als Nötigung und als minderschweren Fall der räuberischen Erpressung. Angesichts der Gesamtumstände fiel das Urteil gegen den bislang unbescholtenen 24-Jährigen mit einer achtmonatigen Bewährungsstrafe vergleichsweise milde aus.

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