Kinderbetreuung

Hunderte Eltern warten in Duisburg noch auf Kita-Plätze

Nadine Brunner aus Duisburg-Buchholz hofft noch auf einen Kita-Platz für ihren Sohn Damian.

Nadine Brunner aus Duisburg-Buchholz hofft noch auf einen Kita-Platz für ihren Sohn Damian.

Foto: Tamara Ramos / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Am 1. August beginnt offiziell das neue Kita-Jahr. Hunderte Duisburger Eltern wissen aber noch nicht, ob sie einen Betreuungsplatz bekommen.

Zwei Wochen vor dem offiziellen Start des Kita-Jahres warten noch rund 500 Eltern auf einen Betreuungsplatz für ihre Kinder. Vor allem bei Alleinerziehenden wächst die Furcht, am Ende leer auszugehen. „Wir müssen besser werden“, sagt Jugenddezernent Thomas Krützberg. Er räumt erhebliche Schwierigkeiten im Koordinierungsverfahren ein. Dennoch verspricht er: „Alle Eltern werden ein Angebot für einen Platz in der Kita oder in der Tagespflege bekommen.“

Mütter wie Nadine Brunner sitzen derweil auf heißen Kohlen. Ihr Sohn Damian (wird im August 3) besuchte bislang eine Großtagespflege für U3-Kinder, Ende des Monats ist Schluss. „Seit seinem ersten Geburtstag arbeite ich wieder“, sagt seine alleinerziehende Mutter. Die Masseurin und medizinische Bademeisterin im Salvea-Therapiezentrum des St. Anna-Krankenhauses ist besonders auf einen Betreuungsplatz angewiesen, weil sie berufsbegleitend eine Qualifizierung zur Physiotherapeutin beginnen will. „Das würde auf Eis liegen, wenn ich keinen Platz bekomme“, befürchtet sie.

Langes Warten auf Nachricht aus dem Duisburger Jugendamt

Unmittelbar nach der Geburt, berichtet sie, habe sie Damian schon im städtischen Online-Portal „Kita-Place“ angemeldet für einen Betreuungsplatz, hat bei Kitas persönlich vorgesprochen und zuletzt auch mehrfach beim Jugendamt. Die Reaktion? „Vielversprechend bis gar nicht“, sagt die junge Mutter. „Beim Jugendamt wurde mir ein Platz versprochen, dann habe ich wochenlang auf Nachricht gewartet, um dann zu hören, dass ich doch nicht auf der Liste bin.“ Es gebe „keinerlei Reaktion, wenn man nicht persönlich hingeht“, berichten auch andere Mütter über das Jugendamt.

Beitragsdifferenzen zwischen Kitas und Tagespflege

Auch die teilweise erheblichen Beitragsdifferenzen zwischen Kitas und Tagespflege ärgern Mütter wie Sibylle Giesberg. Für ihre Tochter, die im September zwei Jahre alt wird, hat sie einen Platz in der Tagespflege bekommen. „Da zahle ich dann fast doppelt so viele wie in einer Kita“, rechnet sie. Dass eine Tagesmutter teurer sei, weil sie weniger Kinder betreut als eine Kita-Erzieherin, sei nachvollziehbar, so die Duissernerin, die vormittags wieder arbeiten möchte: „Aber ich habe keine Wahl zwischen Kita und Tagespflege, auch nicht bei der Stundenzahl. Deshalb lohnt es sich finanziell kaum, dass ich wieder arbeite.“

Thomas Krützberg kennt die Klagen. Der Dezernent führt sie zurück auf Kita-Place. Das Portal ist eine reine Registrierungsplattform, auf der Eltern ihren Bedarf anmelden können. Es gibt allerdings keinen Automatismus, der bereits versorgte Eltern aus dem Verteilprozess streicht. Das erhöht den Aufwand für das Jugendamt, das wie andere Bereiche der Verwaltung unter Personalmangel leidet.

Hinzu kommt, dass neue Kitas, mit denen bereits geplant wurde, nicht rechtzeitig eröffnen, weil sich der Bau verzögerte. Allerdings, so Krützberg, gehe es dabei nur um wenige Wochen. Andere Einrichtungen hatten Probleme, rechtzeitig qualifiziertes Personal einzustellen.

Verfahren besser organisieren

„Wir müssen das Verfahren besser aufstellen und wir müssen schneller werden“, sagt der Beigeordnete. Er kündigt einen „Kindergarten-Gipfel“ an, um mit den Träger über eine bessere Koordination von Angebot und Nachfrage zu sprechen, die Eltern frühzeitige Gewissheit ermöglicht.

Auf der Warteliste – auch das ein Manko – finden sich auch noch Kinder, die schon eingeschult werden. Deshalb bleibt Thomas Krützberg optimistisch, dass Müttern wie Nadine Brunner rechtzeitig ein Angebot gemacht werden kann. Richtig sei, dass in einigen Nachbarstädten das Vergabeverfahren längst abgeschlossen ist. „Aber in vielen Städten ist auch klar, dass viele Eltern leer ausgehen werden, weil Tausende von Plätzen fehlen“, sagt Thomas Krützberg. „Wir hatten zwar noch nie so einen Hänger, aber gemessen daran, sind wir noch gut dran.“

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