Vox-Show

„Höhle der Löwen“: Duisburger will Kinder im Chat schützen

Patrick Schneider (r.) und Nicolai Erbs  präsentieren mit „Privalino“ einen Messenger, der Kinder vor Gefahren in Online-Chats beschützen soll.

Patrick Schneider (r.) und Nicolai Erbs präsentieren mit „Privalino“ einen Messenger, der Kinder vor Gefahren in Online-Chats beschützen soll.

Foto: Privalino

Duisburg.   In der Vox-Show „Die Höhle der Löwen“ präsentierte der Duisburger Patrick Schneider einen kindersicheren Messenger für Online-Chats.

Etwas Sinnvolles für die Gesellschaft zu tun und damit im besten Fall auch noch gutes Geld zu verdienen: Diese Aussicht hat den Neudorfer Patrick Schneider (30) gereizt, als er 2015 über einen Freund mit Nicolai Erbs (33) Kontakt aufnahm.

Der 33-Jährige aus Darmstadt suchte einen Partner, um einen kindersicheren Instant-Messenger zu entwickeln, der Sechs- bis Zehnjährige in der Online-Kommunikation schützen soll. An diesem Dienstag präsentieren die beiden ihre Geschäftsidee unter dem Namen „Privalino“ in der beliebten Gründershow „Die Höhle der Löwen“ ab 20.15 Uhr auf Vox.

Pädophile Chat-Teilnehmer sprechen Kinder an

Patrick Schneider hat eine Freundin, selbst zwar noch keine Kinder, „aber es sind welche geplant“. Und wenn der Nachwuchs sich für Online-Spiele interessiert, kann es schnell gefährlich werden. „In solchen auf den ersten Blick unverfänglichen Spielen ist die Online-Kommunikation in der Regel gleich miteingebaut“, erklärt der Duisburger. Pädophile Chat-Teilnehmer können dies leicht nutzen, um Kinder anzusprechen.

Das fange oft mit einem einfachen „Hi“ in einem Online-Chat an, gehe weiter zu Versuchen, Fotos und Videos zu tauschen und im schlimmsten Fall Treffen mit den Kindern zu vereinbaren.

Zwei Monate tief in die Cyber-Welten eingetaucht

Schneider und Co. sind im vergangenen Jahr in diese Welt selbst für zwei Monate eingetaucht. „Für unseren Messenger brauchten wir eine umfangreiche Chat-Datenbasis. Wir haben uns deshalb in einschlägigen Chats als Kinder ausgegeben, wollten den Schreibstil der Chat-Partner analysieren und gefährliche Muster erkennen.“

Die Erfahrungen seien mehr als gruselig gewesen. „Ich dachte anfangs, dass es dauern würde, bis jemand Kontakt aufnimmt“, erzählt der Duisburger. „Aber dann hatte ich innerhalb von 60 Sekunden die erste Nachricht. In der Folge habe ich richtig harte Sexualkommunikation erlebt wie Fragen nach der Unterwäsche, nach Cybersex oder ob ich bei der Selbstbefriedigung zusehen möchte.“ Oft sei auch versucht worden, auf Skype oder Whatsapp zu wechseln. „Ich weiß noch genau, dass ich nach der ersten Stunde abbrechen musste. Ich war fix und fertig.“

Aus strafrechtlicher Sicht ein „untauglicher Versuch“

2000 Anzeigen wegen Cyber-Grooming, sagt Schneider, gebe es pro Jahr in Deutschland. Nach zwei Monaten Selbsterfahrung habe er eine Ahnung bekommen, wie hoch die Dunkelziffer sein muss. „Da hatte ich allein rund 1000 Fälle“, so der Neudorfer. „Anzeigen konnten wir die Leute leider nicht, weil es sich strafrechtlich um einen so genannten „untauglichen Versuch“ handelt. Wir haben das Ganze eben als Erwachsene gemacht und sind so auch keine Opfer.“

Dafür konnte der Messenger, der zunächst kostenlos sein soll, weiterentwickelt werden – zunächst nur für Android-Geräte, nicht für iPhones. „Bei uns arbeitet im Hintergrund ein komplexer Algorithmus”, erklärt Patrick Schneider. Die Chats werden analysiert. Gebe es einen hinreichenden Verdacht auf einen Cyber-Groomer, werde das Kind durch „Privalino“ gewarnt, bei mehreren gefährlichen Nachrichten der Chat unterbrochen. Und die Eltern bekämen einen entsprechenden Hinweis.

Investor will Projekt groß ausrollen

Diese können zudem Chat-Partner auf eine sichere Liste setzen. Nur an diese sei es möglich, Fotos oder Videos zu senden. Außerdem werden schlimme Schimpfwörter herausgefiltert, damit die jungen Nutzer nicht mit vulgärer Sprache konfrontiert werden.

In der „Höhle der Löwen“ gab es keinen Deal für „Privalino“. Allzu traurig ist Schneider allerdings nicht. Die Sendung auf Vox wurde bereits vor einigen Monaten aufgezeichnet. Es gebe längst einen Investor aus Frankfurt, um das Projekt nun groß auszurollen, sagte er.

>>> DAS SIND DIESMAL DIE „LÖWEN“

Im Vox-Format „Die Höhle der Löwen“ können Menschen ihre Erfindungen oder Geschäftsideen fünf erfolgreichen Unternehmern, den „Löwen“, präsentieren, um sie von einem Investment zu überzeugen.

Bei Patrick Schneider und seinem Geschäftspartner waren es Ralf Dümmel, Frank Thelen, Dagmar Wöhrl, Carsten Maschmeyer und Georg Kofler.

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